Autor: Cosmo geschrieben am Montag 22.01.2007 um 19:34 Uhr

Statement

PSV Neumünster schließt eSport-Abteilung

Immer wieder wurde der PSV Neumünster beziehungsweise dessen eSport-Sparte in letzter Zeit öffentlich attackiert und seitens der Presse wurde des Öfteren gefordert, dem PSV das Betreiben dieser Sparte zu untersagen. Derzeit hat es den Anschein, als ob dieser Druck letztendlich ausgereicht hat, denn wie foesport (so nennt sich die eSport-Abteilung des PSV selbst) kürzlich mitteilte, habe man von der Stadt mit sofortiger Wirkung die Benutzung der öffentlichen Räumlichkeiten untersagt bekommen. Den Mitgliedern, allen voran deren Leiter Mario “ruebe” Riemke, war bis zuletzt nichts davon zu Ohren gekommen. Erst ein Brief mit dem Hinweis zur außerordentlichen Kündigung bescheinigte ihnen den Ernst der Lage. mymTw hat Stimmen beider Seiten eingeholt. Alles weitere dazu findet Ihr im Klapptext.Um Euch kurz in die Lage einzuführen, hier das Schreiben, welches an die Mitglieder des PSV Neumünster letzte Woche Freitag versandt wurde:
Beendigung des Pilotprojekts eSport im PSV Neumünster Sehr geehrter Sportfreundin/Sportfreund, bedauerlicherweise müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir mit sofortiger Wirkung das Projekt eSport beenden und die „Sparte“ schließen. Wir räumen Ihnen hiermit ein außerordentliches Kündigungsrecht ein. _Begründung:_ Die Stadt Neumünster hat dem Verein untersagt die für das Projekt vorgesehenen und in der Vergangenheit genutzten Räume des Freizeitheims Wittorf zu benutzen. Ein letztes Gespräch mit den Verantwortlichen am 08.01.2007 ist an dem Verbot des Stadtrates gescheitert, so dass dem Verein keine geeigneten Trainingsmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen und das Gesamtkonzept nicht mehr zu halten ist.
Fadenscheinige Begründung Hierzu von uns befragt, äußert sich Mario Riemke mit völligem Unverständnis. Annähernd drei Jahre lang habe man auf “gute Zusammenarbeit” bauen können und jederzeit die Rückendeckung des PSV gehabt. Die Begründung, dass die Stadt keine Trainingsräume mehr zur Verfügung stellen wolle, stellt Riemke als “fadenscheinig” dar. Die von der Stadt Neumünster zur Verfügung gestellten Räume seien innerhalb dieses Zeitraums kaum mehr als dreimal benutzt worden, da die Mitglieder allesamt über Deutschland verstreut seien und so ein regelmäßiges Treffen schon aus Kostengründen unmöglich ist. Weiterhin wirft Riemke dem ersten Vorsitzenden des PSV, Ernst Klänhammer vor, sich nicht mit ihm in den Dialog begeben zu haben. Erst am Montag letzter Woche habe man sich noch angeregt über neue Möglichkeiten unterhalten. Wie Riemke später erfuhr, wurde allerdings bereits am Dienstag in einer Vereinssitzung die Schließung der Sparte beschlossen, ohne dass jemand aus dieser Sparte selbst anwesend war. Erfahren habe er erst am Freitag von der Schließung - postalisch, bzw. durch andere Mitglieder, welche die Kündigung schon vor ihm erhalten hatten. Verstehen kann Riemke die Entscheidung des PSV auch nicht. Der Verein ist frei in der Entscheidung, welche Sparten er betreibt. Die Rückendeckung habe sich “um 180 Grad gedreht”, so wundert er sich. Auch führt Riemke an, dass die Sparte eSport des PSV bisher nur Positives hervorgebracht habe. So wollte unter anderem der Fernsehsender RTL II einen Beitrag mit den Mitgliedern drehen, in dem die Spieler vor und nach einem Spiel zu ihrem Befinden befragt werden. Dies scheiterte allerdings letztlich an den zu hohen Anreisekosten. Entmutigen lassen will sich Riemke allerdings nicht. Man habe “weitreichende Pläne”; bezüglich der Planung der Aufnahme weiterer Teams ändere sich nichts. So ist man derzeit in Verhandlungen sowohl mit Counter-Strike- als auch Pro Evolution Soccer-Mannschaften und möchte bald auch eine neue Partnerschaft mit einem anderen Sportverein verkünden. Der PSV - ein Dorn im Auge der Stadt? Durch Ankündigungen in der lokalen Presse, dem “Neumünster Courier”, wurde schon im November auf eventuelle Änderungen der Politik hingewiesen. Damals wurde von Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth “in einigen Gesprächen unmissverständlich mitgeteilt”, dass städtische Gebäude für den eSport nicht mehr zur Verfügung ständen. Zur Begründung gab man an, dass “keine Kinder- und Jugengefährdenden Computerspiele wie ‘Counter-Strike’ oder ‘World of Warcraft’ auf PCs der Jugendeinrichtungen gespielt werden dürften”. Zuständige streiten Verantwortung ab Die Stadt Neumünster gab sich zu den Vorkommnissen befragt nun eher unschuldig. Thomas Wittje, Arbeitsgruppenleiter für Kinder- und Jugendarbeit, weist jede Verantwortung für die Schließung von sich. Man habe lediglich der “Nutzung von öffentlichen Räumen” widersprochen. Mit der Schließung der Sparte habe man “nichts zu tun”. Es sei schwer, der Öffentlichkeit zu kommunizieren, dass man einerseits den Jugendschutz groß schreibt, auf der anderen Seite allerdings “solche Spiele wie Counter-Strike” in Räumlichkeiten der Stadt spielen lässt. Die Öffentlichkeit “reflektiere nicht genug” über die Vorkommnisse und steht “solchen Sachen” eher kritisch gegenüber. Darauf angesprochen, warum die Politik der Öffentlichkeitsarbeit des PSV nicht den Rücken stärkt und die Öffentlichkeit eben zum Reflektieren anregt, entgegnet Wittje, dass dies nicht im Aufgabenbereich der Stadt liege, man aber durchaus daran interessiert sei von der “plakativen Presse” wegzukommen und mehr zum Diskutieren anzuregen. Auch, dass die eSport-Sparte nur positive Rückmeldungen in der Presse erfuhr, weist Wittje zurück. Es habe bereits im Sommer negative Meldungen gegeben und die Kommentare des Stadtrates seien immer eindeutig gewesen. Allerdings räumt er auch ein, dass die Kommunikation zwischen dem ersten Vorsitzenden des PSV, Ernst Klänhammer und dem Leiter der Sparte eSport, Mario Riemke, “verbesserungswürdig” sei. Die Vorkommnisse seien “unglücklich kommuniziert” worden. Gänzlich verschlossen gab sich allerdings selbst Wittje nicht: So veranstaltet die Stadt Neumünster im Februar und März zwei öffentliche Veranstaltungenm bei denen es erneut um die Diskussion und Reflektion des Jugendschutzes geht. Welche Vertreter der verschiedenen Lager hier eingeladen sind, konnte er allerdings noch nicht sagen. Was passiert nun? Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich Mario Riemke noch mit dem PSV einigen kann. Ein Statement seitens des ersten Vorsitzenden war für uns allerdings nicht zu bekommen - dieser verweilt derzeit im Urlaub und der zweite Vorsitzende war leider unauffindbar. In den Gesprächen zu dieser Angelegenheit könnte übrigens auch der ESB noch eine Rolle spielen - dort ist man empört von der Schließung und plant, die konkreten Gründe dafür beim Vereinsvorstand zu erfragen. Auch rechtliche Schritte hält man für durchaus möglich, um die Legitimität der Schließung nachzuwesen oder vielmehr in Frage zu stellen.
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