Autor: lindi^ geschrieben am Dienstag 27.02.2007 um 17:47 Uhr

Wird Counter-Strike nun verboten?

Killerspiele - Freibrief für Mörder?

Fragt man Zocker nach ihrem persönlichen Unwort des Jahres, so würde die Mehrheit von uns wohl “Killerspiele” als Antwort nennen. Als Spieler in der heutigen Zeit angesichts der Hetzkampagnen gegen unser Hobby einen normalen Puls zu haben, ist schon mehr als eine Meisterleistung und wohl nur diejenigen unter uns, die aktiv meditieren, dürften in der Lage sein, ihn auf gesundem Maß zu halten. Nachdem man im Bundesrat den Antrag zum Verbot von Killerspielen aus Bayern erst einmal auf den Herbst vertagt hat (man möchte löblicherweise abwarten, was diverse Studien zu dieser Thematik sagen - zu Deutsch: Für die Politik vorteilhafte Studien müssen erst noch zusammengeschustert werden) war man geneigt, erst einmal entspannt durchzuatmen. So erging es auch meiner Wenigkeit. Dummerweise hielt dieser Zustand aber nicht lange an. Kurze Zeit später: Ich war gerade im Auto unterwegs und hörte entspannt den Radiosender RSH. Dort wurde in den Nachrichten über den Mörder aus Wesselburen berichtet. Als wäre diese Tatsache alleine noch nicht schlimm genug, folgte aber dann in der Meldung die Aussage, dass die Anwälte des mutmaßlichen Täters darauf hingewiesen haben, dass ihr Mandant gewalttätige Computerspiele gespielt hat. Ganz ehrlich: Als ich das hörte, war meine gute Laune für diesen Tag endgültig verflogen. Gut, den Anwälten kann man daraus keinen Vorwurf machen. Ganz im Gegenteil, sie haben gewissermaßen einiges Geschick damit bewiesen, denn angesichts der aktuellen Hysterie bzgl. Killerspielen (mein Dank geht an die Herren Beckstein, Pfeiffer und Schünemann) war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand versuchen würde, diesen Aspekt einzubringen, in der Hoffnung, den eigenen Mandanten ein wenig von der Schuld zu befreien. Nachdem einige Politiker es bereits geschafft haben, das Hobby von Millionen Menschen alleine in Deutschland in die gleiche Ecke wie Kinderpornografie zu drängen, war das einfach nur der logische nächste Schritt. Einen Vorteil hat die ganze Sache ja zumindest: Sollte ich mit meinen 17 jungen Jahren doch eines Tages mal auf die aberwitzige Idee kommen, total durchzudrehen: Macht nichts - ich habe ja den perfekten Freibrief bei mir daheim im Regal stehen! Früher empfahl der Volksmund salopp, man solle, wenn man wirklich ein abscheuliches Verbrechen begangen hat, schnell noch eine Flasche Alkohol leeren und so hinterher die Schwere der Schuld mildern. Bald reichen dafür wohl schon ein paar Runden Counter-Strike aus. Aber ich kann aus der ganzen Sache rund um die Spiele noch eine weitere Konsequenz für mich ziehen, denn meine eigene politische Überzeugung hat sich nach dieser ganzen Sache komplett geändert.Politiker und Parteien, die in dieser einen Thematik, von der ich naturgemäß nun wirklich Ahnung habe, mit blindem Aktionismus und Populismus reagiert haben, werde ich jedenfalls in Zukunft meiden. Jeder halbwegs gescheite Mensch sollte zudem einmal hinterfragen, warum ausgerechnet eine “Friedenspartei” wie die Grünen gegen ein Verbot von Killerspielen ist und rechtsradikale Gruppierungen dieses Verbot am liebsten sofort durchsetzen wollen. Ich jedenfalls werde den Damen und Herren in der Politik meinen Denkzettel bei der nächsten Wahl mit auf den Weg geben und ich hoffe, es werden viele Zocker folgen. Denn wer im Jahr 2007 immer noch davon ausgeht, dass Fans von Computerspielen in erster Linie Kinder und Jugendliche sind, der wird hoffentlich bald auf den brutalen Boden der Tatsachen zurückgeworfen werden. Vielleicht sollten einige dieser Herrschaften auch langsam mal realisieren, dass hier ein erheblich großer wirtschaftlicher Schaden ins Haus stehen würde. Die Videospielindustrie in Deutschland war lange eine Randerscheinung und hat sich erst in den letzten Jahren vorsichtig zu einer internationalen Größe gemausert. Das verdanken wir nicht zuletzt Firmen wie CryTek, die mit ihrem grandiosen FarCry nicht nur technisch Weltstandards gesetzt haben. Deren Geschäftsführer, die Yerli-Brüder, haben bereits angekündigt, bei einschneidenden Verboten den Betrieb ins Ausland zu verlegen. Glückwunsch, Berlin - so unterstützt man aufstrebende Unternehmen! Ganz zu schweigen vom millionenschweren Umsatz der Spielebranche in Deutschland. Macht nichts; Zigaretten wieder zwei Euro teurer, den Spritpreis ein bisschen nach oben justieren und das holen wir locker wieder rein! Aber zum Glück sind nicht alle Politiker so verbotsgeil. Einige Vorschläge unserer Familienministerin sind durchaus gut. Ganz besonders der Aspekt der besser sichtbaren Alterskennzeichnung sollte in Zukunft schleunigst bearbeitet und ausgebaut werden - vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit Publishern und Entwicklern? Wenn so etwas überhaupt in die Köpfe unserer Landesväter geht, dass man mit dieser Branche durchaus auch einmal etwas konstruktives auf die Beine stellen könnte. Die Jugend zu schützen, ist wichtig. Das gibt einem jedoch noch lange nicht das Recht, alles zu verbieten, was einem nicht gefällt, zumal die angeprangerten Titel in Deutschland dank unseres bereits heute messerscharfen Jugendschutzes von Minderjährigen ohnehin nicht erworben werden dürfen. Und einem erwachsenen Menschen seine Selbstbestimmung zu nehmen - das kann es doch nicht sein. In einer Demokratie mit Verboten zu agieren, sollte immer das letzte Mittel und nicht das Allheilmittel sein.
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#1 h0ma, geschrieben am 27.02.2007 17:52:45
LINDIIIII hats geschafft :D gratz ^^ und sehr nette kolumne...ich wusste aus dir wird noch was ;)
#2 3DKing, geschrieben am 27.02.2007 17:53:40
Der Artikel gefällt :> *weiter-meditiert*
#3 poRter, geschrieben am 27.02.2007 18:32:53
word
#4 lindi^, geschrieben am 27.02.2007 18:52:06
danke homa;) ohne dich, wäre ich nichts:P
#5 e-BuSTer, geschrieben am 27.02.2007 19:02:00
hey, ganz guter artikel aber zum ende hin n bissl reiserisch!
#6 deebeejay, geschrieben am 27.02.2007 19:07:42
das habe vermutlich ich zu verantworten, da ist das gegenlesen ein wenig mit mir durchgegangen. :P
#7 lindi^, geschrieben am 27.02.2007 19:09:49
danke;)das du mich so schützt *knuddel*
#8 e-BuSTer, geschrieben am 27.02.2007 19:14:27
hey lindi. greez nach Uelzen meine Oma wohnt in Bevensen :D
#9 ms, geschrieben am 27.02.2007 19:16:17
Die Jugend zu schützen, ist wichtig. Das gibt einem jedoch noch lange nicht das Recht, alles zu verbieten, denn gerade das was verboten ist macht man oder? Iine sehr schöne kKolumne ! :)
#10 Amb3, geschrieben am 27.02.2007 19:18:00
schön geschrieben.. leider versteht nie jemand die jugend.. ausser der jugend.
#11 jeRRy.de, geschrieben am 27.02.2007 19:24:52
nice geschrieben gz und weiter so
#12 Nightmare, geschrieben am 27.02.2007 20:03:39
ich denke auch das wir in deutschland einen durchaus ausreichenden jugendschutz haben wenn ein spiel ab 18 ist oder gar indiziert und dann reihenweise minderjährige aufgrund dises spiels amoklaufen, wessen schuld ist das denn eigentlich ? ...
#13 swatch, geschrieben am 27.02.2007 20:19:29
nett geschrieben, leider jedoch völlige Zeitverschwendung :/
#14 Herminator, geschrieben am 27.02.2007 20:21:24
Am 27.02.07 20:03 schrieb Nightmare : ich denke auch das wir in deutschland einen durchaus ausreichenden jugendschutz haben wenn ein spiel ab 18 ist oder gar indiziert und dann reihenweise minderjährige aufgrund dises spiels amoklaufen, wessen schuld ist das denn eigentlich ? ... das ist eines der grössten unsitten in deutschland. immer wenn irgendetwas passiert wird sofort nach den schuldigen gesucht. die leute haben den aspekt des schicksals einfach aus ihrem gedankengut gestrichen. wenn sich heute ein kind im kindergarten das bein bricht wird sofort erstmal provisorisch der kindergarten verklagt.vor garnicht sovielen jahren hätte man sich in 99% der fälle damit abgefunden das es schicksal ist und ein kind sich nunmal beim spielen ein bein brechen kann. dieses verhalten ist komischerweise tief in unserer gesellschaft verankert.
#15 skywalker, geschrieben am 27.02.2007 21:01:10
danke herminator! guter beitrag!
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