Meinung live vom ESWC 2007
eSport ist geil!
[float=left][thumb]7475[/thumb][center][size=9]Man stelle sich das Ganze
gefüllt vor[/size][/center][/float]Du rollst mit leichter Verspätung die Rolltreppen rauf in Vorfreude auf das letzte große Spektakel des verlängerten Wochenendes. Nach ein paar durch allmählich eintretende Müdigkeit erschwerten Schritten passierst du den schwarzen Trennvorhang und traust plötzlich deinen eigenen Augen nicht mehr und dein Atem stockt. Nach kurzem Blickkontakt mit deinem Weggefährten merkst du eigentlich recht schnell, dass es ihm gleich ergeht, es muss also real sein. Vor dir eine gerammelt volle Halle gefüllt mit rund 3000 eSport-Begeisterten. Etwas verunsichert arbeitest du dich Schritt für Schritt durch den schmalen Gang vorwärts, die Hände prophylaktisch in der Höhe, um drohende Rempeleien rechtzeitig abwehren zu können.
Sitzen wär’ nicht schlecht denkst du dir, doch nur wo? Zwei freie Stühle im Augenwinkel eilst du auch schon hin, um sie dir unter den Nagel zu reißen. Doch in dem Moment, in dem du zupacken möchtest, macht dir der Herr am Nebenplatz klar, dass du sie nicht bekommst, auch wenn du gar nicht verstehst was er spricht. Die Jagd geht also weiter und beim nächsten Versuch hast du dann mehr Glück, endlich sitzen, völlig egal, dass du dich mitten im Gang positionieren musst. Ach ja, es geht dir um das CS-Finale, schnell die Augen nach vorne. Pentagram führt so wie du dir das erwartest hast, schließlich galten die Polen als große Favoriten, NoA hast du lediglich Außenseiterchancen zugestanden. Gutes Timing, exakt zum Start einer neuen Runde konzentrierst du dich aufs Spiel, de_nuke dient als Kulisse. Die Parteien treffen aufeinander, ein Raunen geht durch die Halle, es wird lauter, noch lauter und endet in tosenden Applaus. NoA hat die Runde gewonnen, Spieler zonic reißt auf der von dir doch recht weit entfernten Bühne die Hand in die Höhe. Er heizt das Publikum an, fordert es auf die fünf Dänen zum Sieg zu treiben. Für dich als Neuankömmling in diesem Hexenkessel wirkt das Ganze noch recht fremd, darum beschließt du erstmals die Jubelschreie auszulassen. Nach einer kleinen Aufholjagd der Dänen bist du diese schon gewöhnt und lässt dich langsam selbst anstecken. Dir tun die vier mit polnischer Flagge und Schal bewaffneten Burschen ein paar Reihen vor dir etwas Leid. Sie nutzen schon jeden Frag ihrer Idole, um die Fahne in die Luft zu reißen. Als sie nach „Team Pentagram“-Sprechchören von der Masse auch noch ausgebuht werden, erkennst du immer mehr Parallelen zu deinem ersten Besuch in einem Sportstadion.Vorne auf der Bühne, auf der die Spieler aufgefädelt sitzen, sind auch schon lange die Hemmschwellen gefallen. Der dänische Betreuer springt energisch hinter seinen Spielern umher, schleudert die Arme durch die stickige Luft und postuliert noch mehr Unterstützung für seine Schützlinge. Dann kracht, klirrt und bebt es hinter dir. Du weißt NoA ging gerade in Führung, aber kannst dir diese Geräusche dennoch nicht erklären. Um Gewissheit zu erlangen, wendest du dein Haupt und siehst beinahe die komplette Tribüne rhythmisch in den Boden stampfen und simultan „NoA! NoA!“ aus den Kehlen schreien. Da du dich selbst schon mit der leichten Instabilität dieser Konstruktionen vertraut gemacht hast, herrscht Erleichterung als Pentagram zum 15:15 ausgleicht. Diesmal springen nur die besagten Burschen vor dir, vereinzelte Mutige und der polnische Sektor direkt vor
[float=right][thumb]7476[/thumb][center][size=9]Gut ausgerüstete
polnische Fans[/size][/center][/float]Pentagram. Den vier Burschen wird es dann auch zu blöd. Sie schnappen sich ihre Stühle, hängen sich Fahne und Schal um die Schultern, und marschieren davon. Interessiert folgst du ihren immer kleiner werdenden Körpern, die sich im Polensektor niederlassen. Die Nachspielzeit beginnt und spätestens jetzt sitzt du auch wie elektrisiert auf deinem Sessel. Die Menge bleibt weiterhin auf der dänischen Seite und beklatscht jeden Frag lautstark. Dir fällt auch der etwa 12-jährige Junge auf, der neben seinem Vater auch im Alleingang immer wieder in kindlich hoher Stimme „NoAAAA!“, durch die riesige Halle brüllt. Um dem entgegenzuwirken siehst du diagonal von dir eine verhältnismäßig kleine Zahl polnischer Schlachtenbummler, ihr Team nach Kräften anfeuern. Du selbst schüttelst nur noch den Kopf als du einen Headshot nach dem anderen auf der Riesenleinwand aufnimmst und verloren geglaubte Runden noch umgedreht werden. Nach 40 gespielten Runden kennt dann der Freudentaumel kein Ende mehr und die Dänen liegen sich in den Armen und der Saal brodelt ein letztes Mal. Nach der zweiten Overtime glichen sie zum 1:1 aus und die dritte Map musste eine Entscheidung bringen.
Nach einem Blick auf die Uhr drängelst du dich währenddessen hektisch durch die Zuschauermasse und bahnst dir den Weg nach unten. Mit starkem Groll in dir packst du deine sieben Sachen zusammen und verabschiedest dich von Kollegen. Du könntest dich selbst dafür hassen, dass du ausgerechnet jetzt zum Flughafen fahren musst, doch schulterst trotzdem deinen Rucksack und ziehst deinen Trolly hinter dir her. Als du die Türschwelle des Pressebereichs passierst denkst du dir einfach nur „eSport ist geil!“.
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pod.hama cocor~, geschrieben am 09.07.2007 18:55:23
pod.hama cocor~, geschrieben am 09.07.2007 18:55:23Schön geschrieben. Muss geil gewesen sein, da vor Ort zu sitzen, aber um so dümmer, bei der finalen Map weg zu müssen. Kann es dir gut nachfühlen.
auf den EPS finals gings mir ähnlich:
das CS finale beginnt udn du musst nach der 6. runde los zum zug -__-\"
darum hau ich in der regel schon 2 stunden vor dem finale ab oder am tag dvor :P
Jo muss wohl hammer gewesen sein!
Ich frag mich wann die ESL mal drauf kommt auch die CS Spiele auf der Bühne austragen zu lassen. Diese abgeschotteten Gamerooms sind doch Stimmungskiller...
Die Kommentare sollte man dann auf den Stream beschränken und auf der Bühne vielleicht nur nach jeder Runde eine kleine Analyse abgeben. Wäre auf jeden Fall eine Bereicherung für die iFNGs, denn Matches auf der Leinwand angucken ist jetzt nicht so das Sportevent-Feeling.
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