Remake des Amiga-Klassikers SpeedBall
SpeedBall 2, ein Konkurrent für FIFA und Co?
Die Brutalität von Eishockey und American Football zusammen, schnelles Passspiel wie im Fußball und dem Handball ähnliche Sprungwürfe charakterisieren das neueste Werk von Frogster Interactive. In dem voraussichtlich im Oktober erscheinenden Remake des Amiga-Klassikers SpeedBall 2 geht es von An- bis Schlusspfiff knallhart her. In futuristischen Stadien jagen zwei Mannschaften bestehend aus neun Spielern einer Stahlkugel nach, Regeln und Schiedsrichter gibt es nicht, alles ist erlaubt. Ziel des Spieles ist nach abgelaufener Zeit mehr Punkte gesammelt zu haben als sein Gegenüber. Dabei wird wie im 1991 veröffentlichten und 2.000.000 mal verkauften Original gegrätscht und getacklet was das Zeug hält.

Was auf den ersten Blick als pures Gemetzel erscheint, erfordert – sofern man erfolgreich sein will – mehr Taktik und Spielkenntnis als gedacht. Da wir uns schon im Jahre 2326 befinden, herrscht Geschlechtergleichheit auf dem Spielfeld und es geht sogar noch darüber hinaus. Neben Frauen und Männern laufen auch Cyborgs in die Arenen ein. Die drei Klassen haben verschieden stark ausgeprägte Attribute, die sie im Spielgeschehen grundlegend unterscheiden. Frauen laufen schneller, haben aber weniger Körperkraft, Männer teilen die kräftigsten Tacklings aus und die Maschinen können am meisten Treffer wegstecken, erklärt Creative Director Yann Tambellini in den Kylotonn Lokalitäten in Paris. Daher erfordert schon die Startaufstellung taktische Finesse. Ein System mit vielen Frauen bringt zwar einen Schnelligkeitsbonus, werden sie aber zu oft in die Mangel genommen, sinkt die Ausdauer. Gerät diese unter die Hälfte des Startwerts kann beispielsweise der Power Shot, ein Schuss, der wie der Name schon sagt, kraftvoller als übliche Versuche ist, nicht mehr ausgeübt werden. Erreicht die Ausdauer gar den Null-Wert bleibt der Charakter regungslos am Boden liegen und kann eine Zeit lang nicht mehr am Geschehen teilhaben. Zusätzlich zum richtigen Mix aus den drei Klassen, muss das passende Spielsystem gefunden werden. Wie in gewöhnlichen Sportarten stellen sich die Fragen, mit wie vielen Stürmern man antritt oder wie dicht die Abwehrreihen gestaffelt sein soll. Abgerundet wird die Taktikabteilung mit der Möglichkeit die Einstellung seiner Truppe während des Spielens auf Angriff, Verteidigung oder Konter zu adjustieren, was Tambellini prompt vorführt.

Danach geht’s direkt in eine der momentan vier verfügbaren Arenen. Haben die 18 Athleten erstmals Aufstellung genommen, wird auch schon die Stahlkugel aus dem Boden geschleudert. Beide Parteien springen hoch, um sie für sich zu gewinnen. Die Partie hat begonnen. Prompt fällt auf, dass das Spielgeschehen langsamer als im Original vorangeht. Vor allem schnelles Umschalten von Verteidigung auf Angriff wirkt etwas träge, da die silberne Stahlkugel nur schleppend in die Angriffszone gebracht werden kann. In Tornähe angekommen, dann der erste Versuch eines Power-Shots. Die Umgebung fällt in Slow-Motion, die Stahl-Kugel beginnt golden zu strahlen, der stark gepanzerte männliche Athlet steigt imposant hoch, der leuchtende Spielball verlässt seine Hand und flitzt in Richtung gegnerisches Gehäuse, doch der Torhüter fängt den Angriff problemlos ab. Auch weitere Versuche ergeben dasselbe Prozedere, der Power-Shot besitzt einfach noch zu wenig Power, was sich aber bis zum Releasetermin sicher noch ändern lässt. Gutes Beispiel zur Orientierung wäre der aus FIFA Street bekannte Gamebreaker, bei dem der Torwart selten als Sieger aus dem Duell geht. Doch es dreht sich nicht nur alles um Tore schießen. Ein erfolgreicher Spieler muss die gesamte Arena kontrollieren, denn es existieren auch andere Wege, an Punkte zu kommen. So besitzen die Seitenwände der Arena spezielle Funktionen. Ungefähr in der Mitte des Spielfelds befinden sich auf beiden Seitenwänden Sterne. Werden diese vom Spieler angeworfen, erhält dieser zwei Punkte auf sein Konto, zum Vergleich ein Tor bringt zehn Zähler. Andere solcher Boni sind der Bumper, der mehr Punkte für ein anschließendes Tor bringt, oder ein Mauerabschnitt, der den Ball für die gegnerische Mannschaft schwerer zu kontrollieren macht.
Man sieht also, dass es tatsächlich ratsam ist, sich nicht ausschließlich auf den Torabschluss zu beschränken, was viel zur Spielspannung beiträgt. Dadurch ergeben sich auch bei der Taktik verschiedene Optionen sich auf den Gegner einzustellen, schildert PR-Manager Axel Schmidt, der eine spielt mehr auf Sterne etc. der andere nicht, das gilt es zu beachten.

Um den Interessen der alt eingesessenen Fans zu frönen und gleichzeitig ein neues modernes Spiel zu kreieren setzt SpeedBall 2 auf zwei Spielmodi. Der Classic Mode wird das Spiel weitestgehend originalgetreu belassen, während der Advanced Mode neuartige Features enthalten wird, die das Spiel noch spannender machen. Man will nämlich nicht nur den Casual Gamer ansprechen sondern auch den eSport`ler. Das frisch aus der Taufe gehobene Passsystem bringt wesentlich mehr Koordination in den Spielfluss, sodass die Kugel nicht mehr auf Chance gen Mitspieler geschleudert werden muss. Im Advanced Mode sind punktgenaue Zuspiele auf zwei Arten möglich, erstens der schnelle Kurzpass und zweitens ein weiter Ball in die Spitze oder zum Seitenwechsel. Aber selbst diese Innovation schafft keine Abhilfe gegen die zuweilen auftretende Orientierungslosigkeit auf dem Schlachtfeld. Noch fehlen Begrenzungs- oder Orientierungslinien, die sich der Spieler einprägen kann. Ohne diese lässt es sich nur schwer sagen, wie weit man tatsächlich noch vom Tor entfernt steht. Ebenso viel zur Konfusion des Akteurs am Gamepad oder an der Tastatur tragen die abfallenden Rüstungsteile der virtuellen Kontrahenten bei. Was als nette Animation gedacht war, sieht dem Spielball dermaßen ähnlich, dass man gerne mal ein paar Runden um einen verlorenen Schulterpanzer dreht, ehe man realisiert, dass der Gegner samt Stahlkugel schon lange auf und davon ist. Beides Kleinigkeiten, die aber dennoch entscheidend auf das Spielgeschehen wirken. Ersterem Problem will Yann Tambellini entgegenwirken, in dem Football-ähnliche Markierungen auf dem Boden angebracht werden sollen. Gesamt betrachtet fehlt dem Geschehen in der Arena noch der letzte Kick, um den Zocker wirklich vom Sessel zu hauen. Die Möglichkeit von Direktabnahmen in der Luft oder anderen Combos, die spektakuläre Torszenen garantieren, lässt SpeedBall 2 in der momentanen Fassung noch vermissen. Eher führt froschartiges Gehüpfe durch die gegnerischen Abwehrreihen am öftesten zum Torerfolg.

Wie schon angesprochen setzten die Macher primär auf den Online-Modus. Beste Vorraussetzungen bietet das hauseigene Game-Center, das eine Mischung aus „Clanintern“ und Ligensystem darstellt. Am besten lässt es sich mit dem von Blizzard-Spielen bekannten Battle.Net vergleichen. Das Game-Center wird direkt auf der SpeedBall 2-Webpräsenz zu finden sein und für alle Spieler frei zugänglich. Man kann darin Gegner finden, an Turnieren teilnehmen oder sich einfach mit anderen Spielern unterhalten. Jeder hat die Möglichkeit sich individuelle Spielerprofile anzulegen und in weiterer Folge eigene interne Clanbereiche zu erstellen. Gleichzeitig können über dieses Zentrum direkt andere Spieler observiert werden, oder die Ergebnisse über eine Art Livebot mitverfolgt werden. Wurde ein Match verpasst, gibt es die zugehörige Demo ebenfalls in den Matchdetails. Die Spielergebnisse gehen sofort über in die Tabelle. Um neue Skins, Arenen etc. zu erhalten, wird auch eine Onlinetauschbörse eingerichtet, in der die verschiedensten Erweiterungen angeboten sowie gekauft werden können. SpeedBall 2 wird außerdem das erste Sportspiel sein, dass auf Dedicated Server setzt, so dass Verbindungsprobleme wie sie aus FIFA oder anderen Titeln bekannt sind, der Vergangenheit angehören. Um an keinem Engpass an Servern zu leiden, wird eine bestimmte Anzahl gestellt. Geplant sind zusätzlich Turniere mit Preisgeldern. Ob das jedoch ausreicht, um sich in der harten Welt des eSport zu profilieren, sei dahin gestellt. In jedem Fall bringt SpeedBall 2 einen Kontrast zu gemeinen Sportspielen, der wesentlich mehr Action bietet. Für die neue Idee des zuschauerfreundlichen eSport, die von WSVG und CGS getragen wird, scheint der Titel perfekt zugeschnitten. Kurzweilige Unterhaltung und packende Zweikämpfe von der ersten Sekunde an gebündelt mit einem einfachen Spielprinzip eignen sich bestens für die neue Zielgruppe. Schwieriger wird es hingegen aktive Hobby-eSport’ler von FIFA oder Pro Evolution Soccer abzuwerben, da das gewisse Etwas für langfristige Fesselung an SpeedBall 2 noch fehlt. Noch dazu wird es gewiss auch eine Frage des Geldes sein, ob die Stahlkugel auf dem eSport Markt einschlägt.
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ovi, geschrieben am 13.08.2007 17:21:59

















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