Autor: Platin geschrieben am Samstag 25.08.2007 um 15:01 Uhr

Prof. Christian Pfeiffer und Vince Desi diskutieren

Wenn zwei Welten kollidieren


 
 
Viel Publikum beim game-tv Stand
Wer heute um 10:45 Uhr Game-TV.com für die mTw-News eingeschaltet hat, wird verdutzt in die Röhre geschaut haben. Statt unseres Redakteurs und Moderators Sven „bond“ Bublies waren es Prof. Christian Pfeiffer und Vince Desi, die ins Auge stießen. Das Krawall-Netzwerk hatte beide eingeladen, was wir erst kurz vorher erfuhren.  Die Sendeleitung von Game-TV.com war sichtlich angespannt, dem Moderator von Krawall standen die Schweißperlen auf der Stirn. „Wir haben jetzt die ganze Zeit über Spiele berichtet und Unterhaltungsfernsehen gemacht. Nun mussten wir von jetzt auf gleich umstellen und seriöses Fernsehen, auf einem Niveau von öffentlich-rechtlichen Sendern, präsentieren.“ sagte Lajos Rakow nach der Sendung „zum Glück ist alles gut gegangen.“ Das ist es wirklich: Bei vollem Stream und gut besuchten Stand diskutierten der schärfste Kritiker von Gewaltspielen und der Macher eines der gewalttätigsten Spiele der letzten Zeit. Pfeiffer vertrat, wie in der Vergangenheit, wieder eine harte Linie und machte Computerspiele für die Verrohung  der Jugend, schlechte Noten und  soziale Inkompetenz verantwortlich. Er berief sich auf „inzwischen 35 internationale Studien, die dieses zweifellos nachweisen.“ Desi hingegen führte andere Gründe auf die Computerspiele entlasteten, ganz entlasten wollte er sie jedoch trotzdem nicht. „Wenn jemand einen psychischen Knick hat, verzweifelt ist und keinen Ausweg  sieht, können Computerspiele ihn beeinflussen, das ist richtig. Aber genauso wie jedes andere Ding ihn in dieser Situation auch beeinflussen kann.” Pfeiffer brachte darauf hin einen Vergleich zur Tabakindustrie der 80er Jahre, die damals genau so argumentiert hätte wie die Spielelobby heute. „Ich sag ja gar nicht, dass jeder Spieler von solchen Spielen schaden nimmt. Es bekommt auch nicht jeder Raucher Krebs, doch erhöht es das Risiko um 14 Prozent. Bei Computerspielen schätzen wir den Wert, dass sie Einfluss auf den Konsumenten haben, noch viel höher ein. Wir glauben 35 Prozent ist eine realistische Zahl“

Professor Pfeiffer beim
Argumentieren
„Klar beeinflussen Spiele den Menschen, dass ist bei Brettspielen nicht anders“ erwiderte Desi „der Computer ist das neue Fernsehen. Ich weiß, nicht wie es bei ihnen in Deutschland ist, bei uns in Amerika hat sich das Familienbild stark verändert“ Auf der anderen Seite des großen Teiches sei die Bildröhre zum Babysitter geworden, wenn die Kinder älter werden, übernimmt diese Rolle der PC. Viele Jugendliche werden von nur einem Elternteil, oft sogar von den Großeltern erzogen. In Deutschland ist so etwas jedoch auch nicht unbekannt. Pfeiffer zitierte eine Studie dessen Ergebnis belegte, dass in den sozial schwachen Familien dreimal mehr Konsolen stehen als in denen von Akademikern. „Die Zweiklassengesellschaft wird durch Computerspiele gefördert” Desi hingegen sieht nicht das Spiel als Problem, sondern die Eltern. Folgen falscher Erziehung durch die Eltern könne man nicht auf die Computerspiele abwälzen.

Der Diskussionsstoff geht nicht aus
In zwei Punkten waren sich beide jedoch einig, wenn sie ihn auch anders argumentierten. Pfeiffer meinte Computerspiele werden so gestaltet, dass sie den Spieler nicht loslassen. Darum würden die Spieler unbeweglicher und dick. Auch Desi bestritt nicht, dass jemand, der viel spielt oft nicht gerade viel Sport macht, doch er geht hier abermals auf das Thema Erziehung ein: „Wenn die Leute nichts anderes kennen und nicht zum Sport motiviert werden, machen sie auch keinen.“
Der andere Punkt ist das Jugendschutzsystem. „Zwei von drei Minderjährigen bekommen Spiele verkauft, die nicht für ihre Altersklasse bestimmt sind. Ein Drittel der unter 14-Jährigen hat schon Erfahrung mit Titeln, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind.“, so Pfeiffer. „Daher halte ich die Indizierung als einzig wirksames Mittel. Diese Titel werden nur von 2,8 Prozent der Jugendlichen wahrgenommen.“ Desi stimmte zu, dass nicht jedes Spiel für jede Altersgruppe geeignet ist, doch ist er mit der aktuellen Regelung in Amerika und Deutschland zufrieden, sie müsse nur hart durchgezogen werden. „Ich kann ihren Humor nicht einschätzen, doch finde ich es lustig eine Katze auf eine Schrotflinte zu stecken und dann abzudrücken - zumindest am PC, in der Realität ist so was krank. Nur kranke Menschen würden solche Sachen machen und das dann auch ohne Spiele.“, fügte er hinzu.
Unterm Strich war es eine interessante Diskussion, die viele Zuschauer anzog. Beide Parteien konnten ihre Standpunkte klar formulieren und vertreten. Einen klaren Gewinner gibt es nicht, denn beide Standpunkte sind sicherlich nicht falsch. Das heißt aber auch, dass keiner von beiden ist vollkommen richtig. Das Recht auf Individualität und Freiheit selbst zu entscheiden, ob man solche Spiele will stand der Ansicht gegenüber, man müsse eine Vorauswahl treffen, was das Volk sehen darf und was nicht. In der Diskussion standen sich zwei völlig unterschiedliche Welten gegenüber, die zumindest eines deutlich machten: Es besteht noch viel Diskussionsbedarf.
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#1 Sh4d0wm4n, geschrieben am 25.08.2007 16:12:23
kann man den beitrag nochmal irgendwo runterladen ?
#2 TnB.Horny, geschrieben am 25.08.2007 16:56:18
Schöner Artikel. Vor allem finde ich die Zusammenfassung der beiden Standpunkte am Ende noch gut eingebracht. Allerdings kann es nich angehn, dass die Bürokratie und Verordnungen Amok laufen. Siehe z.B. auch Schäubles Ideen.
#3 Platin, geschrieben am 25.08.2007 17:14:16
wir werden das VoD sobald wie möglich zur verfügung stellen
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