eSport
eSports zum Beruf?
Sind eSportler eigentlich verwöhnt? Zugegeben, die Frage ist ein wenig zynisch, aber sie sei dennoch berechtigt. Fast jedes Wochenende gibt es irgendwo ein Event der Superlative. Teilweise sogar mehrere zeitgleich. Vor knapp zwei Wochen war es Leipzig, genauer gesagt die Games Convention, die dem professionellen Gamer aus Deutschland und allen, die gerne ein solcher wären, für ein paar Tage ein Zuhause bot. Auf vielen hundert Quadratmetern fanden sich die Besucher und Interessierten wieder. Meter hohe Banner und Sponsoren-Plakate, Beamer und Bühnenshows, die sonst nur bei TV-Großereignissen aufgebaut werden, Preise, Gewinnspiele, Autogrammstunden und vieles mehr gab es – und das ganze quasi zum Nulltarif! Welch eine Show wurde hier geboten.
Und zum Anfassen nah die Gaming-Rooms, in denen die besten und qualifizierten Spieler und Clans um für ihre Altersschicht astronomisch hohe Preisgelder kämpfen. Summen, bei denen der einfache Bürger die Augen verdreht. Ob nun ein Einzel- oder Teamwettbewerb, die Preisgelder haben mittlerweile Sphären erreicht, von denen selbst der durchschnittliche Familienvater träumt. „Davon würde ich uns endlich mal ein neues Familienauto kaufen“ oder „Unser Traum war schon immer eine Reise in die Karibik als ganze Familie“ würde wohl der eine oder andere sofort denken.
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SEC 2007 auf der CeBIT |
Die Zeiten ändern sich. Im Zeitalter von Hartz IV, Immobilienkrise, Bahnstreik, Online-Durchsuchung und Rauchverbot sind Preisgelder von 10.000 Euro schon wirklich Luxus. Und höhere Summen schon mehr als das. Bedenkt man die Tatsache, dass die Spieler und Akteure in der Regel auch noch ein Grundgehalt besitzen sowie sämtliche Kosten von Übernachtung, Fahrt bis hin zum Cola-Automaten erstattet bekommen, wird der Beruf eSportler in ein ganz neues Licht gerückt. Hier verdienen Schüler und Studenten sehr viel Geld! Und das fürs Zocken. Man mag es kaum glauben, aber der rüde Alltag scheint bei den professionellen Gamern nie wirklich angekommen zu sein.
Ferner sind derartige Events auch keine Einzelheit, sondern verteilen sich mit wenigen Ausnahmen über das ganze Jahr. Und dann wäre da noch eine kleine (große) Liga namens ESL, die kurz davor steht, ein 7-stelliges Preisgeld-Budget zu erreichen. Neben dieser reihen sich noch viele weitere Ligen ein, die auch bar ausbezahlen. Woche für Woche steht ein festes Programm an und verschiedene Wettbewerbe zwingen den Spieler dazu, nie wirklich Pause zu machen. Ganz im Gegenteil, er steht ständig unter Strom und darf scheinbar tagtäglich aktiv eingreifen.
Allein im Jahr 2007 können schätzungsweise an die drei Millionen Dollar weltweit erspielt werden, den asiatischen Raum dabei nicht mitgezählt. Ein Teil davon auch in Deutschland beziehungsweise von deutschen Spielern und Mannschaften. Abgesehen von gewissen Grenzen, die dem deutschen eSportler vor allem in Spielen wie WarCraft III oder weiteren Spielen mit großer Beliebtheit in Asien fast schon von Natur her gesetzt sind, ist er eigentlich in den meisten Fällen global wettbewerbsfähig. Und diverse Ligen und Veranstaltungen, die sowieso nur national gelten und dementsprechend eine nationale Zulässigkeit erfordern, reichen, um sich auch ohne je einen Flug oder eine Fahrt außerhalb der Landesgrenze zu machen ein gutes Zubrot zu verdienen.
Das gilt ins Besondere für all jene, die noch zur Schule oder Universität gehen oder zumindest dieses
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Massenphänomen: Der eSports als Beruf?
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Denn selbst die Nebenjober (Gaming statt Zeitungaustragen) dürften durchaus als solche anerkannt werden. Viel mehr wäre es gar absurd, die einem Nebenjob zu Grunde gelegte Tätigkeit in dieser Hinsicht zu leugnen.
Es ist eine zunehmende Professionalisierung zu erkennen. Einige Clans verfügen bereits jetzt über 6-stellige Jahresbudgets mit steigender Tendenz und selbst die Clans in der zweiten Reihe rücken den „Großen“ immer mehr auf die Pelle. Die Internetseiten füllen sich immer mehr mit Partnern, IT-Unternehmen und sogar eher untypische Trendmarken wie Adidas engagieren sich immer deutlicher im Gaming-Markt. Selbst herkömmliche Casual-Games wie Command & Conquer werden zu eSports-Titeln gepusht. Und das oftmals mit gleichen Preisgeldern wie ihre Vorväter CS, Quake und Co. Gleichzeitig sind neben den Anforderungen aber auch die Vorstellungen und Forderungen gestiegen.
Auch werden Nebenfelder wie der Journalismus, das Marketing und auch die PR im eSports immer ernsthafter und seriöser betrieben. Professionelle Fotographen, Kamerateams sowie Motivationstrainier sind bei den wichtigsten Events Seite an Seite mit den Spielern. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der eSports anderen Sportarten in Nichts nachsteht.
Und dennoch: Irgendwas haftet am eSport und das sollte ein wenig zum nachdenken anregen! Es scheint so, als wäre keiner wirklich zufrieden mit sich, diesem Job und der Art und Weise, wie es horente Summen zu verdienen gilt. Viele Spieler beklagen sich ständig über schlechte Spielzeiten, hohe Pings, unfähige Admins und fehlende Klimaanlagen. Andere üben Kritik an Veranstaltungen oder sprechen selbigen jegliche Kompetenz an, obwohl dieser eine halbe Messehalle mit Ständen, Partnern, Turnieren und Staff-Leuten gefüllt und organisiert bekommen hat. Auch gibt es einige Gamer, die sich selbst scheinbar nicht motivieren können, mehr als drei Monate konstante Leistung zu bringen, obwohl sie weit aus mehr verdienen (oder zumindest könnten) als ein Auszubildender in einer gängigen Firma Deutschlands. Und dieser darf dann auch noch unbezahlte Überstunden machen und bekommt die Cola am Automaten nicht bezahlt wie der Profi-Spieler.
Es ist ein wahnsinniger Prozess im eSports, der bereits in naher Zukunft als idealer Berufseinsteig gesehen werden kann. War es 2000 noch die Internet-Blase der "dot-com-Unternehmen", könnten es jetzt anstelle der Start-ups die Spieler und Akteure und sonstige Involvierte sein, die hiermit ihren Durchbruch erzielen. Die Möglichkeit besteht auf jeden Fall, das lässt sich nicht von der Hand weisen.
Nur wird sie genutzt und erkannt? Zeigen Spieler und freiwillige Helfer jederzeit gute Leistung? Die Frage muss zwar jeder für sich selsbt entscheiden, dennoch wird tendenziell der Eindruck erweckt, als wäre der Großteil der eSportler wenig motiviert und zukunftsorientiert.
Vorallem ist dieses bei den typischen eSports-Titeln zu beobachten, bei denen die Akteure und selbsternannten Stars trotz oder gerade wegen ihrer Aufgabe und Verpflichtung wenig Freude und Respekt zur Sache selbst ausstrahlen. Fast gezwungen sitzen sie an ihren Turnier-Rechnern, geben sie Interviews oder stehen sie auf der Bühne. Und das, obwohl sie in diesem Moment mehr verdient haben, als der durchschnittliche Zuschauer vor der Bühne monatlich in seinem Job verdient. Auch arbeiten viele Spieler und Organisatoren ineffizent, lassen sich zu sehr ablenken oder agieren mit "Sparflamme". "Man kanns ja ruhig laufen lassen, hat bisher auch immer geklappt" scheint vielen auf der Stirn geschrieben zu stehen.
Augenscheinlich wird die Situation verkannt. Auf das Event reisen in der Regel die Redakteure gleichsam wie die Spieler. Jedoch sind es primär Erstere, die dafür kein Geld bekommen und größtenteils mit dem vom Clan erstattetem Eintritt und den Fahrtkosten leben müssen. Gehälter in Redaktionen sind bis auf wenige Ausnahmen Fehlanzeige. Dabei sind es doch die eSports-Journalisten, die zu erst kommen und zuletzt gehen. Diese Tatsache ansich sollte dem Spieler schon den nötigen Respekt sowie die Erkenntnis, selbst besser gestellt zu sein, einräumen. Aber mit Nichten!
EPS Finals 2003, Köln |
Heutzutage finden große Events in großen Locations statt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Spieler noch in Nebenräumen zwischen Servern und Switchen spielten und ein Event im Keller bei 25 Besuchern stattfand. Nun finden die Events auf Messen wie die CeBIT, IFA oder Games Convention statt. Und statt 25 kommen 25.000 Zuschauer. Und statt 100 Euro gibt es 10.000 Euro zu gewinnen. Tatsachen, die nicht zu widerlegen sind. Aber lachen sieht man die Spieler eher selten. Viel mehr verbreitet sich eine ständige Unzufriedenheit auf ganzer Linie. Warum eigentlich? Die Antwort scheint es nicht zu geben. Oder vielleicht doch?
Leute packt an und verspielt nicht - im wahrsten Sinne des Wortes - diese Chance!
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veX, geschrieben am 10.09.2007 21:35:47




















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