Über die unfairen Matchups
Balance where?
Majestätisch hebt er die zusammengeballte Faust empor. Ein zufriedenes Lächeln huscht über das Gesicht von Eric „Eric“ Marten. Soeben hat er den favorisierten Untoten-Spieler Dennis „Hasu0bs“ Schneider ins Loserbracket der WCG National Finals geschickt. Ein Hauch von Arroganz blitzt bei dem als stärksten deutschen Ork gehandelten Spieler auf. Eine Runde später trifft Eric auf den nächsten Favoriten. Diesmal ist es mTw-Spieler Lars-Gerrit „Protois“ Reichelt – wieder ein Untoter. Vor dem Match gibt sich dieser in einem Interview sehr pessimistisch: „Er ist Ork, ich bin Untot. Das wird ein verdammt hartes Spiel.“ Ob er nicht mit den Menschen spielen würde? „Das entscheide ich kurzfristig“, kam prompt die Antwort. Als das Spiel losging, blieb Protois bei seiner Hauptrasse – und verlor eindeutig die erste Map. Dann entschied er sich doch um. Mit den starken Zauberern der Menschen kämpfte er sich zurück und drehte das Spiel zu seinen Gunsten. 2:1 lautete der Endstand und das Ticket nach Seattle war so gut wie gelöst.
Am Ende hatte Protois
die Nase vorne |
Die Balance-Diskussion ist so alt wie das Genre der Multiplayerfähigen Strategietitel. Doch in keinem Spiel wurde sie so oft geführt wie in WarCraft III. Dies liegt natürlich einerseits an der enormen Community die hinter Blizzards Meisterwerk steht. Andererseits an den vielen hoch dotierten Turnieren die einige dutzend Profispieler hervorgebracht haben, welche sich jahrelang mit jeder einzelnen Komponente des Spiels beschäftigt haben. Mittlerweile gibt es nichts was noch nicht ausprobiert wurde. Alle möglichen Helden- und Einheitenkombinationen wurden unzählige Male auf allen Karten durchprobiert um in einem langwierigen Prozess die optimalen herauszukristallisieren. Doch so wurde auch festgestellt, dass einige Rassen, wenn sie optimal gespielt werden gegen andere Rassen zwingend gewinnen. So paradox es klingt. Selbst der weltbeste Spieler könnte mit einer unterlegenen Rasse, wie die Untoten es gegen die Orks sind, nicht gewinnen, solange sein Gegner keine gravierenden Fehler macht. Hinzu kommen die Karten als verstärkende Faktoren. Auf welchen mit Heilbrunnen ist der Ork noch mal um einiges stärker. Nicht selten sieht man weitaus schlechtere Menschen- oder Nachtelfen-Spieler auf Lost Temple gegen einen starken Undead Ork spielen – und gewinnen.
Doch welchen Ausweg gibt es aus diesem Dilemma? Die Hoffnung an einen Allerheilbringenden Patch seitens Blizzard wurde längst aufgegeben. Zwar wurde in diversen Foren für in absehbarer Zeit einer angekündigt, doch dies seit einigen Monaten alle paar Wochen. Zudem ist schlichtweg nicht absehbar, wie stark selbst geringen Änderungen, sollten sie denn kommen, das gesamte Balancing verändern würden. Sollte Blizzard also nicht den besten Spieler jeder Rasse für einige Monate einsperren und den neuen Patch vorab intensiv testen lassen, wird der Traum vom perfekten Balancing weiterhin eine Seifenblase sein. Zudem ist der Zeitplan eines Lyn, Moon und Sky zu gefüllt um solch einer Einladung nachzukommen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Spieler mit derselben Rassen auf symmetrischen Karten spielen zu lassen. Faktoren wie Balancing und Startposition würden dadurch entfallen. Allerdings sind Mirror-Matches um einiges unattraktiver zum anschauen. Somit bleibt eigentlich nur eine Hoffnung: StarCraft II.
ChackZz, geschrieben am 11.09.2007 12:12:48

















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