US-Liga im Fokus
CGS - Messias oder Verräter?
Galileo Galilei, Jean d'Arc oder aber auch Jesus Christus. Personen der Zeitgeschichte die für ihr Wirken noch heute bewundert und verehrt werden. Noch ein Weiteres haben sie gemeinsam: Sie wurden in ihrer Zeit als Verräter beschimpft, verleumdet, oder sogar ermordet. Die jeweiligen Epochen waren noch nicht reif genug, ihr Handeln gebührend zu würdigen.
Geschichte wiederholt sich bekanntlich in allen Variationen und Subkulturen. In der eSports-Szene hat die Championship Gaming Series momentan den Stellenwert eines Verräters. Counter-Strike:Source und Fifa sowie World of WarCraft und selbst Konsolentitel wie Dead or Alive und Project Gotham Racing fanden ihren Weg in die CGS. Doch kein Counter-Strike 1.6, kein WarCraft III. Selbst auf ein Duell-Spiel wie Quake, Unreal oder Painkiller wurde verzichtet. Zusammengefasst: Die Spiele die der Großteil der Community spielt werden außer Acht gelassen, verpönte Spiele und Konsolentitel treten ins Scheinwerferlicht.
Dementsprechend gereizt ist die Stimmung im Lager des gemeinen eSport-Fans. Die einen reden von Verrat am eSport, die anderen versuchen die CGS schlichtweg zu ignorieren. Nur wenige können der CGS positives abgewinnen. Dabei ist diese eingeschränkte Sichtweise und Argumentation nicht besser als die mancher Politiker die Computerspiele per se verunglimpfen. Die positiven Aspekte und Chancen die sich für den gesamten eSport bieten, wollen nicht erkannt werden. Denn eigentlich bringt die CGS genau das, was alle seit Jahren fordern: Feste Gehaltsstrukturen, Übertragung im „richtigen“ Fernsehen und eine professionelle, massentaugliche Inszenierung.
Dass dies bei WarCraft III nicht klappt, sollte, bei aller Liebe zum Spiel, verständlich sein. Weder der durchschnittliche Deutsche mit seinem IQ von 100, noch der durchschnittliche Amerikaner mit seinem IQ von 90, würde nach kurzem Erklären ein derart komplexes Spiel verstehen können. Dementsprechend würde er umgehend umschalten. Dead or Alive oder FIFA sind hingegen selbsterklärend. Wenn der Balken komplett rot ist, hat der eine Spieler verloren, zappelt der Ball im Netz, wurde ein Tor erzielt. Auf Project Gotham Racing trifft im Endeffekt das gleiche zu.
Doch sind dies noch keine Argumente gegen Counter-Strike 1.6 und für Counter-Strike:Source. Vom Spielprinzip her sind beide Versionen gleich. Der Hauptunterschied liegt – für den Zuschauer – in der Grafik. Und da sollte es absolut verständlich sein, dass man diesem keine altbackene Grafik von vor 10 Jahren auftischt. Counter-Strike:Source hat sich mittlerweile zu einem wettbewerbstauglichen Spiel entwickelt, von daher ist die Entscheidung der CGS nachvollziehbar.
Man mag es drehen und wenden wie man will. Die CGS bringt den eSport in der gesamten Welt voran, wenn nicht sogar auf ein neues Level. „Was bringt uns das? Wir wollen Counter-Strike 1.6 sehen!“ werden nun einige empört aufschreien. Nun, das könnt ihr nach wie vor. Denn die anderen Wettbewerber, Ligen sowie Clans, werden sich natürlich nicht einfach die ganzen Topspieler abwerben lassen. Sie werden nachziehen müssen. Bei der ESL Pro Series hat man bereits gesehen was Fremdligen für einen Einfluss haben können. Nachdem die ESBL einige der Top-Spieler von der Pro Series „befreit“ hatte, zog diese nach, initiierte eine FIFA 1on1 EPS und stockte das Gesamtpreisgeld für FIFA gehörig auf. So konnten zum Beispiel die weltbekannten FIFA-Twins gehalten werden. In der Counter-Strike/-Source-EPS wird es in Zukunft wahrscheinlich ähnlich aussehen, hat sich die CGS erstmal etabliert und einige deutsche Topspieler unter Vertrag genommen.
Neben den Ligen müssen natürlich auch die Clans nachziehen. Einige Topspieler werden es sich zweimal überlegen doch nach Birmingham zu fahren um die Chance auf ein fünfstelliges Einkommen zu wahren. Es sei denn die Clans erhöhen deutlich die Gehälter. Dies ist natürlich nur mit mehr Sponsoren möglich. Da der Pool an konventionellen eSport-Sponsoren langsam ausgeschöpft ist, müssten sich die Managements nach neuen Sponsor-gebieten umschauen. Und da ist es nicht unwahrscheinlich, dass irgendwann so große Fische wie Red Bull oder Coca Cola ins Boot springen. Möglicherweise sogar erst durch die CGS auf den eSport aufmerksam geworden.
Daher sollte man die CGS nicht präventiv verurteilen, aus Angst einem könnte sein Lieblingsspiel weggenommen werden. Geschichte wird geschrieben um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Daher gebt ihr eine Chance. Wartet ab was sie bringt und ob sie sich überhaupt durchsetzt. Schaden wird sie dem eSport sicherlich nicht.
-b0!ng- <3 Supernatural, geschrieben am 14.09.2007 13:12:54

















1
