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mTw.PokerRoom.com Poker Academy - Semibluffs
Semibluffs
Was viele Leute nicht wissen: Fast immer wenn man blufft macht man eigentlich einen Semibluff. Ein Semibluff ist eben nur ein halber Bluff, zum Teil kommt sein Wert auch davon, dass man noch die Chance hat eines seiner Outs zu treffen. Dies mögen häufig nicht sehr viele sein, aber man ist ja auch selten wirklich drawing dead. So kann man also eigentlich nur auf dem River einen „echten“ Bluff ( auch pure Bluff genannt ) machen. Oft weiss man gar nicht ob man gerade semiblufft, da man zum Beispiel seinen Drilling für die beste Hand hält aber gegen einen Flush hinten liegt, und eben noch ein Fullhouse treffen muss bzw kann.
Wir wollen hier auf die Stärken des Semibluffs eingehen, und die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten beleuchten.
Was genau ist denn ein Semibluff?
Zu Beginn erst einmal die Klärung was genau ein Semibluff ist: Ein Semibluff ist ein Bet oder Raise (oft auch Allin), bei dem man entweder den Gegner zum folden bringt, oder aber im Falle eines Calls des Gegners noch Chancen hat die Hand mit den kommenden Karten für sich zu entscheiden. Ob man zu dem Zeitpunkt des Bets oder Raises wirklich hinten liegt oder nicht, ist für unsere Betrachtung unwichtig. Fangen wir mit einem Beispiel an:
Wir spielen 10$/20$ No Limit Hold Em, und halten JhTh. Preflop haben zwei Spieler gecallt, wir haben in Position ebenfalls gecallt und der Bigblind ist ebenfalls im Spiel. Der Flop kommt Ah9c8s. Der Bigblind bettet 40$ in den 90$ pot und alle Spieler folden zu uns. Wir raisen auf 150$.
Hier haben wir offensichtlich mit J high keine fertige Hand. Die kleine Bet des Bigblinds könnte allerdings Schwäche signalisieren, so dass er auf unseren Raise eventuell foldet. Selbst wenn er callt, haben wir noch 8 Outs für eine Strasse, 1,5 outs für den Backdoorflushdraw und eine geringe Chance noch einen Drilling oder zwei Paar zu machen.
Einer der wichtigsten Vorteile eines Semibluffs wird auch in diesem Beispiel deutlich. Wenn man seine Draws stets passiv spielt und callt, wird es dem Gegner leicht fallen seine Hände perfekt zu spielen. In dieser Hand könnte der Gegner auch ein sehr schwaches Ass oder eine 9 gegen euch betten. Durch euren Raise macht ihr es ihm viel schwerer und er muss hier diese Hände unter Umständen sehr oft folden! Am stärksten ist der Semibluff am Flop mit Position. Es kommen noch zwei Karten die euch helfen können, und wenn der Gegner callt und dadurch Stärke zeigt, könnt ihr oft am Turn mit einem check eine weitere Karte umsonst bekommen. Ihr habt aber auch die Möglichkeit am Turn nochmals zu semibluffen, was besonders wirkungsvoll ist, wenn der Turn eine Karte bringt, die dem Gegner wahrscheinlich nicht gefällt. Auf jedenfall behält man die Initiative und lässt sich viele strategische Möglichkeiten offen.
Was sollte man bei einem Semibluff beachten?
Die Stärke eines Semibluffs setzt sich wie bereits erwähnt aus der Stärke des eigenen Draws und der Chance den Gegner zum folden zu bringen zusammen. Der Semibluff wird also auch umso profitabler, je stärker und zahlreicher eure Outs sind, und je häufiger eure Gegner folden. Ersteres ist oft leichter zu bestimmen. So machen heutzutage viele Pokerspieler mit einem Nutflushdraw fast immer einen Semibluff am Flop. Auch starke kombinierte Draws, wie z.B. ein Straightflushdraw werden sehr häufig gebettet oder geraist, wobei hier aufgrund der hohen prozentualen Gewinnchance am Flop der Übergang zu einer „Valuebet“ fliessend ist. Wie oft der Gegner aber foldet, ist sehr viel schwerer zu ermitteln. Dies lernt man meistens mit der Zeit, wenn man die Gegner kennenlernt und es versteht das Board zu lesen.
Machen wir hierzu ein Beispiel: Ihr spielt ein Turnier, die Blinds sind bei 100/200 euer Stack ist 2800 und ihr sitzt im Button mit 7d7h und raised nachdem alle gefoldet haben auf 600. Der Bigblind callt und der Flop kommt Kc6h5d. Im Pot sind 1300 und der Bigblind setzt 650. Ihr schätzt dies als Versuch ein, den Pot zu klauen, denn mit einem König auf der Hand würde er wohl eher checken um euch zuerst betten zu lassen.
Also geht ihr allin für eure restlichen 2200 Chips. In diesem Beispiel wisst ihr nicht, ob ihr tatsächlich semiblufft, oder ob ihr die beste Hand haltet. Ihr hofft, dass die Chance den Gegner zum folden zu bekommen recht hoch ist. Wenn ihr gecallt werdet, seid ihr wohl fast immer weit hinten, und habt nur die Möglichkeit eine 7 zu treffen oder noch zwei Karten zur Straße zu erwischen. Trotzdem ist dieser Semibluff gegen viele Gegner profitabel, denn mit der hohen Chance, dass der Gegner seine Hand wegwirft, macht ihr hier im Schnitt Gewinn.
Semibluffs sind übrigends nicht nur bei No Limit Holdem ein beliebter Move, auch bei Fixed Limit Holdem, Omaha, Stud und fast allen anderen Pokervarianten werden sie angewendet. Beim Fixed Limit ist natürlich durch die beschränkte Bet/Raise Größe die Chance den Pot direkt zu gewinnen häufig nicht sehr gross. Deswegen werden hier eher starke Draws wie z. B. Flushdraws oder Straightdraws mit Overcards als Semibluff gespielt. Bei Omaha haben sehr oft viele Spieler sehr starke Draws, da jeder vier Holecards hält. Dadurch wird der Semibluff sehr oft verwendet, es kommt sogar sehr oft zu Semirebluffs und Semirerebluffs etc.
Der Semibluff scheint also durchaus in vielen Situationen ein wichtiges Werkzeug zu sein. Er verhindert, dass ihr leicht zu lesen seid und ihr macht aus euren Händen die als Draw nur eine anteilige Chance auf den Potgewinn haben eine starke Hand, die ihr vor allem in Position aggressiv spielen könnt. Damit macht ihr euren Gegnern das Leben schwer, und steigert euren Gewinn. Ganz unschlagbar ist der Semibluff jedoch nicht.
Versetzt euch in die erste Beispielsituation zurück und überlegt euch, was ihr auf keinen Fall sehen wolltet. Richtig, was euren Semibluff kaputt macht ist ein Rereraise eures Gegners. Auf einmal ist die Chance dass ihr hinten liegt extrem gestiegen und ihr müsst mir eurem Draw eventuell bei einem guten Preis nachbezahlen (siehe Odds&Outs Artikel). Damit habt ihr insgesamt am Flop sowohl euren Raise als auch den Call für euren Draw bezahlt, anstatt einfach nur die ursprüngliche Bet zu callen, was deutlich billiger gewesen wäre. Besonders schlimm wäre es, wenn der Gegner z.B. 76 hätte und einen rereraise als Semibluff macht. Gegen diese Hand seid vorne, müsstet aber bei ausreichend grossem Rereraise folden. Damit wird auch schnell offensichtlich:
Gegen einen Semibluff hilft ein Semibluff!
Wann sollte man den Semibluff also vermeiden?
Besonders wenn der Gegner sehr oft raised oder reraised, oder aber viel zu viel callt sollte man den Semibluff nicht anwenden. Der erste Gegnertyp wird mit seinen vielen Raises oft unseren Fold erzwingen, oder unseren Draw nachträglich zu teuer machen. Hier ist der Semibluff nur wirkungsvoll wenn man den Gegner z.B. dadurch, dass man mit einem passenden Stack allin geht, daran hindert nochmals zu raisen. Gegen den zweiten Gegnertyp muss man das Semibluffen oft unterlassen, da er durch seine vielen calls die Chance den Pot direkt zu gewinnen schmälert, und man schon einen recht starken Draw braucht um trotzdem einen Semibluff anzusetzen. Gegen diesen Gegnertyp hilft es mehr mittelstarke Hände zu betten, aber auch einfach nur starke Draws zu semibluffen.
- Autor: mTw.PR|Virus
Was viele Leute nicht wissen: Fast immer wenn man blufft macht man eigentlich einen Semibluff. Ein Semibluff ist eben nur ein halber Bluff, zum Teil kommt sein Wert auch davon, dass man noch die Chance hat eines seiner Outs zu treffen. Dies mögen häufig nicht sehr viele sein, aber man ist ja auch selten wirklich drawing dead. So kann man also eigentlich nur auf dem River einen „echten“ Bluff ( auch pure Bluff genannt ) machen. Oft weiss man gar nicht ob man gerade semiblufft, da man zum Beispiel seinen Drilling für die beste Hand hält aber gegen einen Flush hinten liegt, und eben noch ein Fullhouse treffen muss bzw kann.
Wir wollen hier auf die Stärken des Semibluffs eingehen, und die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten beleuchten.
Was genau ist denn ein Semibluff?
Zu Beginn erst einmal die Klärung was genau ein Semibluff ist: Ein Semibluff ist ein Bet oder Raise (oft auch Allin), bei dem man entweder den Gegner zum folden bringt, oder aber im Falle eines Calls des Gegners noch Chancen hat die Hand mit den kommenden Karten für sich zu entscheiden. Ob man zu dem Zeitpunkt des Bets oder Raises wirklich hinten liegt oder nicht, ist für unsere Betrachtung unwichtig. Fangen wir mit einem Beispiel an:
Wir spielen 10$/20$ No Limit Hold Em, und halten JhTh. Preflop haben zwei Spieler gecallt, wir haben in Position ebenfalls gecallt und der Bigblind ist ebenfalls im Spiel. Der Flop kommt Ah9c8s. Der Bigblind bettet 40$ in den 90$ pot und alle Spieler folden zu uns. Wir raisen auf 150$.
Hier haben wir offensichtlich mit J high keine fertige Hand. Die kleine Bet des Bigblinds könnte allerdings Schwäche signalisieren, so dass er auf unseren Raise eventuell foldet. Selbst wenn er callt, haben wir noch 8 Outs für eine Strasse, 1,5 outs für den Backdoorflushdraw und eine geringe Chance noch einen Drilling oder zwei Paar zu machen.
Einer der wichtigsten Vorteile eines Semibluffs wird auch in diesem Beispiel deutlich. Wenn man seine Draws stets passiv spielt und callt, wird es dem Gegner leicht fallen seine Hände perfekt zu spielen. In dieser Hand könnte der Gegner auch ein sehr schwaches Ass oder eine 9 gegen euch betten. Durch euren Raise macht ihr es ihm viel schwerer und er muss hier diese Hände unter Umständen sehr oft folden! Am stärksten ist der Semibluff am Flop mit Position. Es kommen noch zwei Karten die euch helfen können, und wenn der Gegner callt und dadurch Stärke zeigt, könnt ihr oft am Turn mit einem check eine weitere Karte umsonst bekommen. Ihr habt aber auch die Möglichkeit am Turn nochmals zu semibluffen, was besonders wirkungsvoll ist, wenn der Turn eine Karte bringt, die dem Gegner wahrscheinlich nicht gefällt. Auf jedenfall behält man die Initiative und lässt sich viele strategische Möglichkeiten offen.
Was sollte man bei einem Semibluff beachten?
Die Stärke eines Semibluffs setzt sich wie bereits erwähnt aus der Stärke des eigenen Draws und der Chance den Gegner zum folden zu bringen zusammen. Der Semibluff wird also auch umso profitabler, je stärker und zahlreicher eure Outs sind, und je häufiger eure Gegner folden. Ersteres ist oft leichter zu bestimmen. So machen heutzutage viele Pokerspieler mit einem Nutflushdraw fast immer einen Semibluff am Flop. Auch starke kombinierte Draws, wie z.B. ein Straightflushdraw werden sehr häufig gebettet oder geraist, wobei hier aufgrund der hohen prozentualen Gewinnchance am Flop der Übergang zu einer „Valuebet“ fliessend ist. Wie oft der Gegner aber foldet, ist sehr viel schwerer zu ermitteln. Dies lernt man meistens mit der Zeit, wenn man die Gegner kennenlernt und es versteht das Board zu lesen.
Machen wir hierzu ein Beispiel: Ihr spielt ein Turnier, die Blinds sind bei 100/200 euer Stack ist 2800 und ihr sitzt im Button mit 7d7h und raised nachdem alle gefoldet haben auf 600. Der Bigblind callt und der Flop kommt Kc6h5d. Im Pot sind 1300 und der Bigblind setzt 650. Ihr schätzt dies als Versuch ein, den Pot zu klauen, denn mit einem König auf der Hand würde er wohl eher checken um euch zuerst betten zu lassen.
Also geht ihr allin für eure restlichen 2200 Chips. In diesem Beispiel wisst ihr nicht, ob ihr tatsächlich semiblufft, oder ob ihr die beste Hand haltet. Ihr hofft, dass die Chance den Gegner zum folden zu bekommen recht hoch ist. Wenn ihr gecallt werdet, seid ihr wohl fast immer weit hinten, und habt nur die Möglichkeit eine 7 zu treffen oder noch zwei Karten zur Straße zu erwischen. Trotzdem ist dieser Semibluff gegen viele Gegner profitabel, denn mit der hohen Chance, dass der Gegner seine Hand wegwirft, macht ihr hier im Schnitt Gewinn.
Semibluffs sind übrigends nicht nur bei No Limit Holdem ein beliebter Move, auch bei Fixed Limit Holdem, Omaha, Stud und fast allen anderen Pokervarianten werden sie angewendet. Beim Fixed Limit ist natürlich durch die beschränkte Bet/Raise Größe die Chance den Pot direkt zu gewinnen häufig nicht sehr gross. Deswegen werden hier eher starke Draws wie z. B. Flushdraws oder Straightdraws mit Overcards als Semibluff gespielt. Bei Omaha haben sehr oft viele Spieler sehr starke Draws, da jeder vier Holecards hält. Dadurch wird der Semibluff sehr oft verwendet, es kommt sogar sehr oft zu Semirebluffs und Semirerebluffs etc.
Der Semibluff scheint also durchaus in vielen Situationen ein wichtiges Werkzeug zu sein. Er verhindert, dass ihr leicht zu lesen seid und ihr macht aus euren Händen die als Draw nur eine anteilige Chance auf den Potgewinn haben eine starke Hand, die ihr vor allem in Position aggressiv spielen könnt. Damit macht ihr euren Gegnern das Leben schwer, und steigert euren Gewinn. Ganz unschlagbar ist der Semibluff jedoch nicht.
Versetzt euch in die erste Beispielsituation zurück und überlegt euch, was ihr auf keinen Fall sehen wolltet. Richtig, was euren Semibluff kaputt macht ist ein Rereraise eures Gegners. Auf einmal ist die Chance dass ihr hinten liegt extrem gestiegen und ihr müsst mir eurem Draw eventuell bei einem guten Preis nachbezahlen (siehe Odds&Outs Artikel). Damit habt ihr insgesamt am Flop sowohl euren Raise als auch den Call für euren Draw bezahlt, anstatt einfach nur die ursprüngliche Bet zu callen, was deutlich billiger gewesen wäre. Besonders schlimm wäre es, wenn der Gegner z.B. 76 hätte und einen rereraise als Semibluff macht. Gegen diese Hand seid vorne, müsstet aber bei ausreichend grossem Rereraise folden. Damit wird auch schnell offensichtlich:
Gegen einen Semibluff hilft ein Semibluff!
Wann sollte man den Semibluff also vermeiden?
Besonders wenn der Gegner sehr oft raised oder reraised, oder aber viel zu viel callt sollte man den Semibluff nicht anwenden. Der erste Gegnertyp wird mit seinen vielen Raises oft unseren Fold erzwingen, oder unseren Draw nachträglich zu teuer machen. Hier ist der Semibluff nur wirkungsvoll wenn man den Gegner z.B. dadurch, dass man mit einem passenden Stack allin geht, daran hindert nochmals zu raisen. Gegen den zweiten Gegnertyp muss man das Semibluffen oft unterlassen, da er durch seine vielen calls die Chance den Pot direkt zu gewinnen schmälert, und man schon einen recht starken Draw braucht um trotzdem einen Semibluff anzusetzen. Gegen diesen Gegnertyp hilft es mehr mittelstarke Hände zu betten, aber auch einfach nur starke Draws zu semibluffen.
[kasten]94[/kasten]
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