GAMESCom
Nur noch 42 Kilometer
Es ist schon eine Art Ritual geworden, sich wenigstens einmal im Jahr der immer noch komplett anderen Welt auszusetzen, andere Sprache, andere Architektur. Häufig hört man heute noch von Freunden, die gerade im östlichen Teil Deutschlands waren: „Sieht das da krass aus.“ Zum Culture-Clash zwischen Ost und West wird es zumindest für uns Gamer von nun an seltener kommen. Ab 2009 ist Leipzig abgemeldet und Köln in den Startlöchern. Einziger Wehrmutstropfen: Die beiden Dialekte, in voller Ausprägung, geben sich nicht wirklich viel.Auf die Plätze
Am 25. Februar besiegelte der Handschlag zwischen Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbands für Interaktive Unterhaltungssoftware, und Oliver Kuhrt, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH, endgültig den Umzug der Games Convention von Leipzig nach Köln. Unter dem Namen GAMESCom wird die Computerspielmesse erstmals vom 9. bis zum 13. September 2009 auf dem Gelände der Koelnmesse stattfinden. Keine Frage, ein herber Schlag für den Standort Leipzig. Seit die Messe im Jahr 2002 dort zum ersten Mal hausierte, gab es kaum Beschwerden. Sie wurde von Jahr zu Jahr größer und auch des Interesse der breiten Öffentlichkeit nahm stetig zu. Insgeheim freute man sich auch über die Anerkennung, die der Stadt in Ostdeutschland zu Teil wurde. Aber mit der Zeit wurde das Küken zu groß und es musste ein neues, ein größeres Nest gefunden werden.


Mit insgesamt 284.000 Quadratmetern bietet Köln das viertgrößte Messegelände der Welt und übertrifft damit die Leipziger Messe fast um das Dreifache. Das Ruhrgebiet, die Rheinschiene und die Beneluxländer bieten ein optimales Umfeld, um die Kapazitäten voll auszuschöpfen. Allein der berühmteste deutsche Ballungsraum zählt 5,3 Millionen Einwohner. Eine Anbindung an internationale Verkehrswege liefert Köln mit dem eigenen Flughafen sowie Düsseldorf und Frankfurt in der Nähe. Weiterhin stehen im näheren Umkreis ungefähr 80.000 Hotelbetten zur Verfügung – in Leipzig sind es gerade mal 12.000. Die Stadt am Rhein beherbergt neun TV und zehn Radiosender; ein mediales Potenzial, das auch nötig sein wird: Denn die GAMESCom hat gute Aussichten, die Besucherzahlen zu verdoppeln.
Fertig?
Eine derart große Messe kann im täglichen Nachrichtengeschäft nicht unerwähnt bleiben – allein der Internationalität wegen. Dadurch bieten sich naturgemäß große Chancen für den E-Sport.
Denn nicht zuletzt hat auch die Electronic Sports League (ESL) in Köln ihr Zuhause und war bereits in den letzten Jahren neben vielen anderen E-Sport-Veranstaltern sehr aktiv auf der Games Convention. Bei diesem großen medialen Treiben rückt der E-Sport zwangsläufig ins Scheinwerferlicht der TV- und Rundfunkanstalten und damit in die Mitte unserer Gesellschaft. Bisher beschränkte sich die Aufmerksamkeit auf wenige Beiträge bei Frontal & Co sowie 45-sekündige, spärlich kommentierte Videos in privaten Nachrichtensendungen. Das wird sich in den paar Tagen im September ändern. Denkbar wären etwa größere Reportagen über den Alltag eines Gamers oder die Maschinerie, die mittlerweile hinter einem Clan steckt. Als Vermittler kommen dabei nicht nur Fernsehen, sondern auch Zeitungen und Magazine in Frage.
In diesem Zusammenhang steht besonders der Deutsche eSport-Bund (ESB) in der Pflicht. Er muss sich endlich hinaustrauen aus den Hinterzimmern und für kurze Zeit die Politiker vergessen, die er gerne als Hauptziel seiner Arbeit angibt. Der ESB brüstet sich zwar mit Kontakten zu Staatsmännern, aber was sollen diese bewirken, außer das Phänomen E-Sport zur Kenntnis zu nehmen? Damit ist nichts gewonnen. Denn letztlich muss als erstes die Gesellschaft gewonnen werden, bevor irgendein Politiker auch nur den Finger krumm macht. Andersherum funktioniert es nicht. Die GAMESCom bietet optimale Voraussetzungen dafür, eine breit angelegte Aufklärungskampagne zu starten und dem E-Sport endlich die Hornbrille von der Nase zu setzen. Daher sollte der ESB auch erster Ansprechpartner für Journalisten fachfremder Medien werden und auf diese Weise öffentlichkeitswirksam etwas dazu beitragen, seine Interessengruppe zu vertreten. Das würde auch ihm selbst gut tun, nachdem in letzter Zeit vermehrt Fragen über die Methoden und Ziele der Gamer-Vertretung aufkamen.
Los!
Auch wenn der Umzug E-Sport-Deutschland und den persönlichen Radius vieler Gamer schrumpfen lassen, kann man der Entscheidung auch Positives abgewinnen. Es werden Ahnungen heraufbeschworen, die sich auf viele Arten auslegen lassen. Wenn diese letztlich erfüllt werden sollten, stehen uns ein paar aufregende Jahre bevor. Öffnet sich die Gesellschaft gegenüber dem E-Sport? Wie entwickelt sich die Fankultur? Wie groß wird die mediale Aufmerksamkeit und verträgt der E-Sport diese überhaupt? Nachdem der E-Sport Köln zu seiner Hauptstadt gemacht hat, ist es nur logisch, dass hier 2009 der Startschuss fällt - Für den lang ersehnten Marathon! Denn durch schiere Aufmerksamkeit ist noch nichts gewonnen. Die Herkulesaufgabe wird die Aufklärung, die viel Disziplin und vor allem das richtige Personal erfordert.
Knese, geschrieben am 10.03.2008 21:06:20

















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