Autor: geschrieben am Freitag 25.04.2008 um 17:06 Uhr

Gamestar und Game-TV im Gespräch

Interview mit GameStar

Anlässlich des baldigen Starts der GameStarLiga führte Sven „bond" Bublies ein Interview mit dem Chefredakteur von Game-TV, Lajos „Lalle" Rakow und dem Chef der Ligaleitung, Walter Reindl.

mymTw.de: Bevor wir uns dem aktuellen Anlass widmen, kurz noch mal ein Rückblick: Wieso hat Game-TV damals die GSL übernommen?

Lajos „Lalle" Rakow: Game-TV hat die Organisation der GSL im August 2007 übernommen, da die GameStar redaktionsintern andere Schwerpunkte setzen musste. Die GameStar ist aber immer noch Hauptinitiator der Liga.

Walter Reindl: Außerdem ist die Synergie zwischen einem IPTV-Sender und einer Online-Liga auch naheliegend.

mymTw.de: Das beantwortet zwar wieso die GameStar die GSL abgegeben hat, nicht aber wieso ihr euch entschlossen habt gerade die GSL zu führen. Könnt ihr diesen Punkt bitte noch näher erläutern?

Rakow: Für uns ergab sich die Möglichkeit sowohl unser Angebot als auch unsere Reichweite zu erweitern. Dazu kommt, wie Walter schon gesagt hat, dass dadurch, dass die Liga und der IPTV Sender in der selben Hand sind, ein beständiger Fluss an Inhalten zur Verfügung steht. Dies resultiert unter anderem in kürzeren Kommunikationswegen was aber nicht bedeutet, dass wir andere Ligen aus unserem Streamingangebot ausschließen werden.

mymTw.de: Wieviele Stunden pro Woche wird man in Zukunft die GSL auf Game-TV zu sehen bekommen? Gibt es schon fest eingeplante Programmplätze?

Rakow: Im Schnitt werden wir pro Woche 10 Stunden live aus der GSL und deren Matches berichten. Im Moment ist geplant Montags und Dienstags abends zu senden sowie vierzehntägig am Sonntag.

mymTw.de: Was hat sich seit der Übernahme bei der GSL verändert?

Rakow: Als alter GSL Hase sollte das am ehesten Walter beantworten können.

Reindl: Eigentlich alles. Die GSL war im Rahmen der Redaktionsarbeit immer nur eine Nebenbaustelle, da sie nicht zum Kerngeschäft der Zeitschrift gehörte. Mittlerweile konzentrieren wir uns mit dem Team von game-tv wesentlich mehr auf die Ausstattung und den Ablauf der GSL als das vorher möglich war. Der Adminstamm wird deutlich vergrößert, der Vertrieb wird anders organisiert, generell gehen wir ganz anders an das Projekt heran, als es früher im Rahmen der Redaktion möglich war.

mymTw.de: Wenn ich recht informiert bin, wird der Name GameStarLiga aber beibehalten. Was verbindet euch denn noch mit der GameStar, bzw. wie werden da in Zukunft Synergieeffekte genutzt?

Reindl: Die GSL wird weiterhin auf der Webseite gamestar.de abgebildet, auch die monatliche Berichterstattung im Heft wird aufrechterhalten. Generell bleibt also die Verbindung zum Haus und dem Heft erhalten, lediglich Planung und Steuerung der Liga erfolgen nicht mehr aus der GameStar-Heftredaktion.

mymTw.de: Wieso habt ihr euch für die fünf bisher genannten Spiele entschieden? Oder andersrum: Warum kein Counter-Strike, WarCraft III und FIFA?

Reindl: Bei Counterstrike ist die Diskrepanz zwischen den mittlerweile beachtlichen Preisgeldern und der Möglichkeit einer lukrativen Vermarktung einfach zu groß. Die häufig schlechte Presse über Counterstrike der letzten Jahre fördert natürlich auch kein Interesse in der Industrie. Dazu kommt, dass Counterstrike mittlerweile schlappe neun Jahre auf dem Buckel hat. Kaum eine Firma will ihre aktuelle Hardware mit einem alten Spiel bewerben. Wobei wir nicht abgeneigt sind, einen modernen Taktik-Shooter in die Liga aufzunehmen. Dieser Umstand ist aber abhängig von den noch laufenden Verhandlungen mit Sponsoren.

Rakow: FIFA hat schlichtweg keinen Spectator-Modus, der es zulässt Online-Übertragungen wie erwähnt medial aufzuarbeiten. Bei WarCraft III und Counter-Strike liegt der Hund woanders begraben. Hier gab es in den letzten Saisons mit Spielern, Spieltagen und Organisation des Öfteren vieldiskutierte Probleme. Dazu kommt, dass die GSL in diesem Zusammenhang von den Clans, Spielern und der Szene nicht so ernst genommen wurde, wie andere Ligen. Es wurde nicht trainiert, sondern die GSL Spiele wurden selber eher als Training gesehen. Dann muss man natürlich noch darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, unter den eben beschriebenen Gesichtspunkten eine weitere Liga mit diesen Spielen ins Leben zu rufen, wenn andere Anbieter hier besser positioniert sind.

mymTw.de: Aus dieser Aussage und der Spieleauswahl entnehme ich, dass ihr einen direkten Konkurrenzkampf mit der ESL fürchtet!?

Rakow: Wir haben die Spiele unter bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt: Wirtschaftlichkeit, Community, Möglichkeit der medialen Berichterstattung, Zukunftsperspektive und Vertretbarkeit gegenüber Sponsoren. Die Entscheidung für die bekannten Spiele haben nichts mit einem "Konkurrenzkampf" mit der ESL zu tun, den wir weder wollen noch sehen.

mymTw.de: Unter dem Gesichtspunkt der Community? Das klingt etwas paradox, so gilt die CS-Community als die größte im deutschsprachigen Raum, gefolgt von der WC3-Community.

Rakow: Bei der Community muss man aber auch eine klare Unterscheidung machen: Alle Spiele, die wir aufgenommen haben, werden den vollen Rückhalt der jeweiligen Fan-Gemeinde haben, da es hier national wenig bis gar keine anderen Übertragungen oder Ligen gibt. Wir haben die Diskussion hierzu natürlich verfolgt. Aber es geht eben nicht um die Größe der Community. Ich frage noch mal: Warum sollen wir eine weitere Liga mit WC3 und CS an den Start bringen? Die Community, die Clans und die Spieler haben bereits eine maximale Auswahlmöglichkeit an Ligen und Übertragungen. Da vor allem die Priorität der Clans und Spieler auf anderen Ligen liegt, wie die Vergangenheit ja bewiesen hat, erscheint es uns derzeit nicht wirtschaftlich, die alten Probleme weiter lösen zu wollen. Ein reibungsloser Ablauf an Organisation war dadurch nicht möglich. Da wir aber Verpflichtungen gegenüber Sponsoren haben, Berichterstattung Online/Offline/Print, wollen wir uns nicht weiter mit Unzuverlässigkeiten herumschlagen. Die Beantwortung deiner Frage findest du zum Teil auch in dem Statement zur NGL ONE von Michael Haenisch. Ich war zwar selten einer Meinung mit ihm, aber da hat er größtenteils Recht.

mymTw.de: Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Nachdem fragster.de gestern schon über die Nicht-Berücksichtigung von CS und WC3 berichtet hat, waren die meisten Stimmen über die GSL u.a. auf readmore.de negativer Art. Inwieweit tangiert euch dieser Teil der Community?

Reindl: readmore hat sich seit jeher kaum an der Berichterstattung der GSL beteiligt. Insofern haben wir in den letzten Jahren auch keine besondere Rücksicht auf sie genommen. Ausnahmen waren lediglich die Finals zweimal im Jahr, bei denen meistens Beeemit eine Coverage machte. Aber sicher nicht wegen der GSL, sondern lediglich wegen der großen Namen wie mouz, attax oder SK. Die readmore-Community hat eine eigene Sichtweise auf ihre beiden Lieblingsspiele, die sehr idealistisch, aber nicht wirklich realistisch ist. Das muss nichts schlechtes heißen, aber generell sollte man sie so behandeln wie jedes andere Special-Interest-Forum, sei es jetzt für Autos oder Briefmarken. Es tangiert uns in soweit, dass uns diese Meinungen natürlich interessieren, aber nicht unbedingt unsere Meinungsbildung beeinflussen.

Rakow: Das mit den Briefmarken klingt vielleicht etwas hart. Sicherlich hätten wir gerne die Communities für Counter-Strike und WarCraft berücksichtigt, aber so lange uns 50% der Spieler nicht bei einer reibungslosen Organisation unterstützen und die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist, muss die Community leider akzeptieren, dass wir diese Titel derzeit nicht supporten können.

mymTw.de: Wie sieht euer Konzept für die erste Saison aus? Welche Zielgruppe wollt ihr neben den Partizipanten ansprechen, über welche Wege, neben des Game-TV Streams, wollt ihr diese erreichen?

Rakow: Die derzeitige Auswahl an Titeln ist auch so angelegt, dass eine relativ hohe Reichweite gegeben ist. Viele der Titel sind auch Neulingen oder Zufallszuschauern schnell nahe zu bringen. Gerade Titel wie Live for Speed haben neben einer grossen Community auch den Vorteil, dass die Berichterstattung ähnlich derer ist, die man auf TV-Sendern wie z. B. Eurosport oder DSF zu sehen bekommt. Konzeptionell werden wir sicherlich auch andere Wegen gehen. Zum einen geht eine Saison über 9 Monate und auch die Ausschüttung der Gelder ist so überarbeitet worden, dass nicht nur die Bestplatzierten einer kompletten Saison, sondern alle Teilnehmer einer Premium Liga davon profitieren können.

mymTw.de: Am 14. August 2007 habt ihr mittelfristig eine neue Seite angekündigt. Wann kann endlich mit dieser gerechnet werden?

Reindl: Die gamestar.de-Seite soll aller Voraussicht nach am 1. Februar starten.

mymTw.de: Könnt ihr schon grobe Informationen zur Preisgeldstruktur verraten?

Rakow: Es wird Antritts- und Matchprämien geben, d. h. für gewonnene Spiele werden zusätzlich Gelder ausgeschüttet. Hinzu kommen die Preisgelder für die vier Bestplatzierten, welche dann in den Finals ermittelt werden. Zum Verständis: Am Ende einer Saison werden die vier Bestplatzierten einer Premiumliga gegeneinander spielen und so werden die Positionen ermittelt. Die Höhe der Preisgelder und Prämien sowie Sponsoren werden wir spätestens am Wochenende des 15. und 16. Februar bekanntgeben, an dem das GSL Kickoff stattfinden wird.

Reindl: In jeder Premium League (Starcraft, UT 3 und Guild Wars) gibt es jeweils 10 Spieler bzw. Teams, die um den Gesamtsieg spielen. Bei Live for Speed planen wir momentan mit 28 Spielern, die alle zwei Wochen einen Grand Prix austragen, der über ein ganzes Wochenende geht. Auch hier wird das Prinzip der Matchgelder angewandt, das heißt, dass pro Grand Prix Rennen die fünf Bestplatzierten zusätzliche Prämien erspielen können.

 

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