Autor: geschrieben am Freitag 02.05.2008 um 20:18 Uhr

"LOL" ist keine Emotion

Mehr Persönlichkeit bitte!

Biep-Biep-Biep! Fahr zur Hölle... - es ist sechs Uhr morgens. Verlockt von der Aussicht auf eine belebende Dusche, schleppe ich mich wankenden Schrittes ins Badezimmer. Grell reflektiert der Spiegel das künstliche Licht der Deckenbeleuchtung und bestätigt meinen gefühlten Zustand, leider. Der große Abdruck auf meiner linken Backe könnte von meiner Leertaste stammen - muss aber nicht - allenfalls ein zugegeben dürftiger Ersatz für mein Kopfkissen. Zurück liegt ein ereignissreicher Abend. Unzählige Livestreams und Übertragungen des letzten großen Events sollten mir die Begegungen der Weltelite versüßen. Doch während besagte Elite mein Herz auf spielerischer Ebene höher schlagen ließ, bin ich mir auch am nächsten Tag noch immer nicht sicher, ob dort R2D2 und Konsorten oder Susiria und fnatic vor der Kamera posierten. Verzückt, einzig durch pre´s fabelhafte Analysen und zynischen Kommentare bin ich mir dennoch sicher - der Abend hat sich gelohnt. Das weitestgehende Fehlen von zügellosen Aufschreien und erhitzten Gemütern stört mich da nicht im Geringsten. Oder eben doch? Ausgelassenes Lachen, hitzige Diskussionen oder Freudenschreie gibt es nur abseits des Spielfelds - man ist ja schließlich Profi. Vielleicht ist es aber an der Zeit, einen neuen Appell an die Sportler der Neuzeit zu richten, einen Appell nach mehr Emotionen und Begeisterung. Niemand möchte auf der CeBiT die sprichwörtlichen Kellerkinder bestaunen, die den Eindruck erwecken, ein dezentes "gg" oder "lol" seien Emotion genug. Denn ist es nicht genau das, was die Basis einer jeden Sportart begründet? Ob Fan oder Spieler, wir sollten das Bild des E-Sports prägen - ich spreche von Leidenschaft.


Emotionale Einöde 

 

Zurück am Vorabend. Einer der Koreaner, ich möchte mir nich anmaßen seinen Namen zu erraten, steht kurz vor einem Allkill, dem glatten Sieg über sämtliche Gegner des gegnerischen Teams. Die Übertragung der Kameras gibt jedoch wenig Aufschluss darüber ob es sich nur um eine gemütliche Runde DotA oder das Overall-Finale handelt. All die Professionalität in Ehren, doch mein Sportler Herz lechzt nach Action und sei es ein Skandal. Abermals erwische ich mich, wie mein Blick zum Fernseher hinwandert. Die vom DSF ausgestrahlte Wrestling Inszenierung reisst mich mehr in ihren Bann als das Nightelf-Mirror im Stream oder die Sparrunde auch de_inferno. Vor zwei Jahren, ja, da konnte man mich noch mit einem Livebild meines Lieblingsspielers locken. Heute locken mich sogar die Bilder-Kommentare einiger minderjährigen readmore-Leser mehr. Einziger Lichtblick ist nur allzu oft die Tonspur der Geschichte. Wo die alten Hasen Knochen und Khaldor einen sagenhaften Job leisten, schlafen die simultan gefilmten Spieler vor ihren Bildschirmen nicht selten nahezu ein. Ganz speziell die Koreaner haben es verstanden die Zuschauer durch ihre gekonnt reizvolle Mimik in ihren Bann zu ziehen. So klebt mein Blick förmlich am guten alten Röhrenmonitor sobald der Mitschnitt von Moon aufflimmert. Obwohl es für uns Europäer bereits schwierig wird, wenn es darum geht Lyn im Stream optisch von Soju zu unterscheiden, sieht die Sache Live schon anders aus. Durch ihren auffälligen und individuellen Verhaltensmuster gleicht natürlich kein Überseeler dem Anderen: "Lyn, may I have a few questions about your recent success?" - "Me not Lyn!" - Autsch, Lucifer aus dem anderen Team erwischt, hätte man aber an der Clanwear immerhin erkennen können. Nunja, der Mann mit den wohl meisten Words-per-Minute und seine Kollegen von GameSports retten den Strategie Titel schlussendlich vor der absoluten Einschläferung. Kein Wunder also, dass sich sie gesamte Szene auf einige wenige, sonderbare, Individuen stürzt. Auffälligkeiten wie ToDs übergroßes Riechorgan oder Grubbys scharfe Freundin sind da für die Meisten schon absolute Sensation.

 

Counter-Strike mit Potential

 

Spieler mit außergewöhnlicher Persönlichkeit sind Mangelware - zumindest augenscheinlich. Doch bei der aktuellen Anzahl an Profispielern ist ein derartiger Schluss äußert unwahrscheinlich. Wie kommt es also, dass sie sämtlich sehr verhalten wirken? Der Ausweg aus dieser Situation ist reichlich verzwickt, denn ob sich die Spieler von fnatic plötzlich das Trikot vom Leib reissen, ein gewisser Herr Lenski nun Progamer wird oder von Lyn Partybilder vom Kiez auftauchen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Der Schlüssel zu mehr Emotionen liegt vielmehr im Image des E-Sports. Das Bild von einer echten Sportart muss sich dringend intensivieren. Und auch wenn sich schon heute grobe zweihundert User dem Alternate Fanclub auf fragster.de angeschlossen haben, so wäre es bei den Meisten doch sehr gewagt, von leidenschaftlichen Fans zu sprechen. Nichtdestotrotz geht mein Lob klar an die Counter-Strike Community wo für mich ein Aufwärtstrend erkennbar ist. So werten etwa TBH-Fangesänge auf den iFNGs in Stuttgart oder München die Stimmung um ein Vielfaches auf. Entsprechend belohnt werden solche Aktionen allerdings äußerst selten. Vielmehr hagelt es von der "Ich-bin-immer-Kontra"-Fraktion verachtende Blicke. Das Ergebnis ist daher klar: Auch wenn sich die Spieler durch derartige Unterstützung motiviert fühlen ersterben sämtliche Bemühungen in der Regel schnell. Es bleibt also bei der sterilen Atmosphäre und die Luft brennt nur äußerst selten.

 

Paradoxerweise, scheint sich für die Teams jedoch der verhaltene und ruhige Spielstil auszuzahlen. Beispiel fnatic: Nach dem Sieg auf den NGL ONE Finals, kritisiert cArn scharf die Disziplin der Mäuse, welche eigenhändig und resigniert im Nachhinein als ihre Schwäche, Lautstärke und Emotionalität ausmachen. Schade, denn genau dafür liebt Deutschland Kapio und seine Jungs. Niemand verlangt, dass ein hochkarätiges Match zum Gather mutiert - Konzentration ist das A und O, doch gibt es sicher auch noch einen Mittelweg. Den scheint bislang aber kaum ein Team zu finden. Dabei wirkt es fast, als unterdrückten viele Spieler ihre Emotionen um sich dem Bild vom perfekten Pro-Gamer anzupassen. Aber warum, denn genau das ist es, was das Publikum immer mehr sehen möchte. Fotografen und Presse zieht es nämlich nicht zu den favorisierten Schweden, welche sich zum Sieg die Schultern klopfen - nein, wesentlich attraktiver ist die Chance, einen tobenden gob b abzulichten, der wild fuchtelnd in Richtung seiner Rivalen gestikuliert. Das was der Fan möchte ist keine Puppe, darauf bedacht das professionelle Image zu wahren - nein, es sind leidenschaftliche Spieler wie walle, der seine Tastatur im Zorn zerlegt. Am Ende sind es doch die kleinen, die unscheinbaren Dinge, die den Reiz am E-Sport für mich ausmachen. Sieg oder Niederlage hin oder her, ich fahre nicht nach Köln, Berlin und München um mir Spiele anzusehen, die sich im Vergleich von Live zu Online nichts schenken. Wenn sich jene sterile Atmosphäre behauptet, dann sollten die nächsten Fanbusse vielleicht lieber die Schachweltmeisterschaft in Bonn ansteuern, denn Stimmung gibt es dort genauso.

 

Bilderquelle: readmore.de

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#1 Sh4d0wm4n, geschrieben am 02.05.2008 21:30:45
viel machen mMn nach die kommentatoren aus ... grade bei livespielen leider müssen in diesen die spieler immer schalldicht abgeschottet werden - sei es durch extra gaming rooms oder übergroßen kopfhöhrer. im letzteren fall könnten diese vllt noch von der gestik und mimik der fans angestachelt werden. sind die spieler aber visuell von den fans getrennt sieht die sache schon anders aus um auf den 1. punkt den kommentatoren zurückzukommen ich find es schade das zB khaldor nicht live bei der esl castet ... stimmung kommt bei dem immer auf... ob man ihn mag oder nicht ;) leider sind die wc3-pseudo-lustig livecasts derzeit nicht so der bringer, finde ich aber auch so ein realtiv langweilig anzuschauendes spiel wie fifa kann intressant rüber gebracht werden - ich erinner mich noch an sev der auf den letzten eps finals gecastet hat. war richtig spannend das anzuhören, vorallem da er die gegner auch ab und zu provozierte :P auf jedenfall sprangen die zuschauer darauf an ... und das was wir eigentlich sehen wollten entstand zumindest auf der fanseite: emotionen. zu cs muss ich nich viel sagen ... die deutschen sind eigentlich durch die bank weg: einfach nur laut :P
#2 griSu, geschrieben am 02.05.2008 21:42:05
Schön geschriebener Artikel - ich bn schon seit Ewigkeiten raus aus der Materie und das einzige Team mit dem ich je mitgefiebert habe war rund um Cracken und Co. Man muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass sich die heutigen Spieler auch gegenüber potentiellen Fans ziemlich abschotten. Mir kann niemand erzählen, dass diese Leute nicht mal 10-20 Minuten am Tag Zeit haben um sich einmal mit der Communty zu beschäftigen, Fragen zu beantworten und was nicht alles dazugehört. Und zudem trägt das derzeitige Medium der Übertragung auch nicht sonderlich zu einer emotionalen Bindung bei - nur durch Artikel und Fotos reißt man niemanden wirklich vom Hocker und bringt erst recht niemanden zum mitfiebern. Da ist auf jeden Fall noch jede Menge Ausbaupotential..
#3 chefcook, geschrieben am 03.05.2008 15:59:45
-----------EDIT: Lustig, Absätze werden hier nicht erkannt. Na viel Spass beim Lesen, falls sich einer die Mühe macht.----------- " Dabei wirkt es fast, als unterdrückten viele Spieler ihre Emotionen um sich dem Bild vom perfekten Pro-Gamer anzupassen." Sorry, aber finde ich eher nicht so zutreffend. Was für eine Auslegung.. Als ob diese auf so viel Spieler passen würde. Ist deine Meinung , dann ists OK. Aber generell würd ich sagen, dass viele spieler vermutlich einfach nervös sind, vielleicht unsicher. Sind ja nicht geborene Superstars, die alltäglich vor Menschenmengen stehen. Sie stehen vielleicht auch unter Druck. Sind darum verhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand aktiv denkt "ich muss jetzt nix wirklich nach aussen bringen, weil ich professionell wirken will". Da hol dir bitte mal Meinungen von solchen Leuten rein. Das bezweifle ich immens. Ausserdem ist es einfach von der Persönlichkeit abhängig, ob man zu Ausbrüchen neigt oder eher nicht so... Schlussendlich stellt man auch fest, dass man sich das Spiel durch Emotionalität erschweren kann. Je länger man kühl ist, desto besser ist man zu wirklich hoher Leistung und Konzentration in der Lage. Wer nach einer gewonnenen runde aus sich ausbrechen kann und SOFORT wieder ruhig wird, der kanns machen. Aber wer sich zum Beispiel Provozieren lässt, und dann noch nen Anflug davon IM Spiel hat und nicht ganz kalkulierend spielen kann sondern sich aufregt, der verliert was von seiner Effizienz. Es sei denn man sei haushoch überlegen, dann kann man sich vielleicht einen Spass daraus machen. Aber normalerweise haben IM Spiel Emotionen wenig verloren (ausser das Jubeln mal. Aber wie gesagt, die Kiste insgesamt kann man nicht so gut generalisieren, siehe Argumente oben).-------------- Noch ein Verbesserungsvorschlag zu einem Satz: ---------------"Nach dem Sieg auf den NGL ONE Finals, kritisiert cArn scharf die Disziplin der Mäuse, welche eigenhändig und resigniert im Nachhinein als ihre Schwäche, Lautstärke und Emotionalität ausmachen."----------- "Nach dem Sieg auf den Finals kritisiert Carn scharf die Disziplin der Mäuse. Dabei schätzt er ihre Lautstärke und Emotionalität als Schwäche ein."---------- So ist der Satz doch viel besser verständlich, oder? Ist nur ein Vorschlag. Ich hab absichtlich was weggelassen, weil ich da gar nicht sicher war, was du mit eigenhändig und resigniert meinst in dem Kontext. Das kann sich ja nur auf Carn oder Fnatic beziehen. Dann müsste es heissen : --------------"...CARN..., welcher eigenhändig und resigniert Lautstärke und Emo. als DEREN schwäche ausmacht."------------- Oder bezieht sichs auf die Disziplin? Kann ja auch net sein eigentlich. Grüße, Chefcook
#4 confuser, geschrieben am 04.05.2008 16:00:21
Danke für das Feedback Chefcook. Der Satz heisst ja: "Nach dem Sieg auf den NGL ONE Finals, kritisiert cArn scharf die Disziplin der Mäuse, welchE (!!) eigenhändig und resigniert im Nachhinein als ihre Schwäche, Lautstärke und Emotionalität ausmachEN (!!) ." Daher kann es sich nur auf mouz beziehen. Den Satz auf zwei Teile aufzuteilen wäre aber trotzdem ein sinnvoller Vorschlag, geb ich zu. Im Artikel handelt es sich natürlich um meine Meinung, anderfalls müssten solche Aussagen, wie du schon sagtest, selbstverständlich durch Statements etc. belegt sein. Trotzdem glaube ich aber das Emotionen in gewisser Weise auch hilfreich sein können um sich und das Team beispielsweise zu "pushen". Da ich aber kein Profi in der inGame-Materie bin kann ich nicht sagen wie sehr es genau störend ist, ich als Fan wünsche mir hingegen Action und das ist es was ich zum Ausdruck bringen wollte :)
#5 chefcook, geschrieben am 05.05.2008 18:56:32
Hi confuser. Ich hätte auch gern mehr emotion, aber was will man machen. Man muss nur vorsichtig sein mit Mutmaßungen, warum diese fehlen, sonst kann man Leuten Unrecht tun ;). Aber du hast das ja klar gestellt im Kommentar. Zu dem Satz, ich raffs wirklich nicht. Ich dachte Mouz hat gewonnen, und Carn geht hin und meckert im NAchhinein noch rum, dass Mouz zu laut war und so weiter.--------- Aber dann würde das mit dem "welche eigenhändig und resigniert" nicht passen. denn dann wären entweder die Mäuse eigenhändig und resigniert( aber sie haben ja gewonnen), oder die Disziplin der Mäuse(die ja kritisiert wird).----------- Erklär mir das ma bitte so rundherum, ich bin jetz einfach neugierig und würds gern raffen :) . Hier auch, resigniert ist klar, enttäuscht. Aber was heisst den eigenhändig? Mit den eigenen Händen?--------Wenns dir passt wärs cool wenn dus nochma erläuterst , wenn nicht ist auch ok :). Bis bald
#6 confuser, geschrieben am 06.05.2008 11:29:22
Also es war so, dass mouz verloren hat. Ob es jetzt direkt gegen fnatic war oder nur gegen roccat weiß ich nichtmehr genau. Jedenfalls fragte danach jmd cArn in nem Interview, ob sie deswegen so erfolgreich sind, weil sie so diszipliniert sind (also so in der Art auf jeden Fall was^^) und er meinte halt ja. Und sagte noch dass mouz vermutlich deswegen verloren hat weil sie immer so brüllen. Und muoz selber hat dass dann nach dem Turnier auch so eingesehen, dass es möglicherweise an der Lautstärke und dem Gequassel gelegen haben könnte :)
#7 chefcook, geschrieben am 06.05.2008 17:53:55
jetzt hab ichs gerafft. Oh Mann, na gut, wenn man weiss, wie genau wer was warum gemeint hat , dann leuchtets ja ein. Aber ich wusste von Anfang an net wer gewonnen hat, wer jetz laut war und wer was einsieht :D LoL, dann ists echt schwer ^^. Ich würd vorschlagen, bei sowas vielleicht mehr Sätze. Aber vielleicht wars dir ja von der Info nich so viel wert,so dass du´s kurz gemacht hast. Aber dann ists auch wieder net so leicht zu raffn ^^. Naja mach wie du denkst :D
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