Autor: geschrieben am Freitag 27.06.2008 um 19:02 Uhr

Die Kolumne von csc

Kolumne: Was wir lernen sollten

Da ist es wieder, dieses „Wir-Gefühl" auf den deutschen Straßen. Wie schon während der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zeigen Millionen von Autofahrer im wahrsten Sinne des Wortes Flagge. Schwarz-Rot-Gold weht es an vielen Autos oder auch Fensterscheiben. Aber auch die türkischen, russischen oder spanischen Fans, die in den Großstädten Deutschlands natürlich und zur Freude der kulturellen Offenheit in großen Mengen vorhanden sind, dürfen nicht fehlen.

Eigentlich der beste Zeitpunkt um eine, wenn es um Studien und Verkaufsgespräche geht, so oft zitierte Parallele vom Sport zum Esport zu ziehen. Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten, die einen Vergleich ermöglichen?

Unabhängig von Teilnehmerzahl und auch Medien-Interesse gibt es durchaus Faktoren, die sich als solche gegenüberstellen lassen. Natürlich wäre das Kräftemessen mit Deutschlands Sportart Nummer 1 absurd, aber darum geht es auch gar nicht, denn Niemand möchte dem DFB den Rang ablaufen. Aber auch wir Esportler bzw. wir Computerspieler haben unsere Turniere, Berichterstattungen und Idole. Letzteres sind natürlich auch Spitzensportler, die tagtäglich trainieren und ein bestimmtes Ziel vor Augen haben. Selbst wenn die Halbwertszeiten eines Zockers nur ein Bruchteil die des Fußballers ausmachen, lassen sich Training, Liga-Systeme, Regeln und Organisationen wie Vereine, Gehälter und Meisterschaften konstatieren. Sogar Ablösesummen sind in den Kreisen der Top-Clans längst Gang und Gebe, die gemessen an den Gehältern bei großen Transfers eine nicht ganz geringe Summe ausmachen. Die Verdienstmöglichkeiten der Spieler sind ebenfalls angemessen und bei den internationalen Berufs-Gamern bereits über jenem eines normalen Angestellten.

Eine weitere Parallel lässt sich ziehen, die allerdings weniger positiv ist und eher bedrohlich. Das Gefälle zwischen Spitzen-Mannschaft mit viel Geld im Nacken, Infrastruktur und Marktwert und den zweitklassigen Vereinen lässt sich wohl oder übel im Esport sehen. Trotz guter Ergebnisse und leidenschaftlichen Mannschaften mit viel Training ist der Sprung an die Spitze nahezu unmöglich - es sind immer wieder die selben Teams, quasi die Grundpfeiler des elektronischen Sports, die um die Meisterschaft spielen. Das „FC Bayern"-Phänomen ist auch in den Ligen der EPS, WCG oder ESWC zu erkennen. Mag es noch Überraschungen geben, gibt es genauso viel Vorhersehbarkeit. Auch die Gehaltsspirale ist an einem ähnlich gefährlichen Moment angekommen, wo Jungstars bereits Forderungen aufstellen, die nur wenige Mannschaften überhaupt lösen können. Ganz zu schweigen vom Marketing und der Abhängigkeit zu Sponsoren. Der Verlust des Hauptsponsors kann oftmals einen Clan in die Ruinen treiben - nur die Gehälter der Spieler stehen im Vordergrund. Wir kennen diese Entwicklung bereits vom Vorzeigekind „Fußball", wo sich viele Vereine verschulden, um sich Spieler zu leisten, oder nur dank Investoren überleben.

Viele verkennen jedoch dabei den eigentlichen Sinn der Sportart. Die Fans laufen wöchentlich ins Stadion und zahlen ihren letzten Groschen um jugendliche Profis mit Millionen-Gehältern zuzuschauen und anzufeuern. Und auch auf den iFNGs treffen sich teilweise 1000 Zuschauer zum abendlichen Beisammensein mit Counter-Strike, WCIII oder FIFA. Der Großteil der Besucher weiß sicherlich nicht mal, dass die Spieler ein monatliches Gehalt beziehen oder was die Stars der Szene verdienen. Da sind uns die Fußballer leider ein Schritt voraus oder anders gesagt: Die Kids und Esportler sind Gott sei Dank noch gesund naiv und gutgläubig. Es ist und bleibt ein Hobby oder nicht?

Doch um den Kreis wieder zu schließen: Trotz all dieser Infrastruktur, Zuschauer, Fans und Profi-Zocker fehlt es immer noch an der Popularität Letzterer. Die Clans sind ein Namen, einige Topspieler auch, aber dann? Bis auf wenige Ausnahmen wie das beispielhafte Projekt TBH mit „mitgebrachten Fans" ist die regionale oder nationale Bindung und Identifikation bei weitem nicht so ausgebaut, wie wir es im Fußball kennen. „Der Esport steckt noch in den Kinderschuhen" ist eine dieser Floskeln, die man in diesem Zusammenhang gern hört. Oder auch das Wechselkarussell sei Schuld an dieser Tatsache meinen viele. Aber ist man als redlicher Bürger Fan von einer Mannschaft wegen eines Spielers oder der Herkunft? Sind es nicht eher regionale Bezüge, die den Grundstock des Fan-Daseins gelegt haben? Zumindest lässt sich dies kulturell bzw. geschichtlich belegen.

Insbesondere auf internationaler Ebene sollte man doch eigentlich für sein eigenes Land sein. Betrachten wir Großereignisse wie die Fußball-WM, die Olympischen Spiele oder auch die 4-Schanzen-Tournee, so hält eigentlich jeder zu seinem eigenen Land, auch wenn die Namen der Sportler oftmals unbekannt sind. Bei Einzelsportarten wie Tennis oder Radfahren ist der Zuschauer primär für die Akteure seines eigenen Landes, sofern kein überrangiges Interesse besteht. Und selbst in dem Zeitalter des Multi-Kultis feiern die türkischen Fans zusammen mit den Deutschen - trotz Halbfinale im UEFA Euro 2008. Die Einschaltquoten der Sender ARD und ZDF beweisen diesen Trend: Noch nie haben so viele Zuschauer in Deutschland eingeschaltet - und für ihr Land gefeiert. Selbst diejenigen, die keine großen Fussball-Fans sind, feiern und nehmen Teil an der größten Party des Jahres. Alles in Allem ist es ein bunter Mix aus Fan-Dasein, multikultureller Verständigung und trotz der vermeindlichen Feindschaften eine großes Fest.

Sieht dies beim Esports genauso aus? Man stelle sich die paar Mega-Events des Jahres vor, bei denen die Stars und Qualifikanten aus vielen Teilen der Erde anreisen und ihr Land vertreten. Der Flaggen-Einmarsch der WCG macht es vor. Aber halten wir Deutsche dann wirklich zu den deutschen Teams und Spielern? Oder sind wir eher gleichgültig für den besseren, feuern wir nicht eher die guten Asiaten oder Skandinavier oder Amis an? Natürlich muss es jeder für sich selbst entscheiden. Dennoch wäre es in meinen Augen wünschenswert und gewiss auch förderlich für die Akzeptanz, wenn mehr Bezug und Verbundenheit herrschen würde. Idole gibt es nur da, wo es auch Fans gibt.

Vielleicht ist es gerade das, was vor allem uns Deutschen im Esports noch fehlt und uns im Vergleich zu anderen Nationen ausbremst. Regionale Konkurrenz versus Verbundenheit. Warten wir es ab und lassen wir uns bis dahin weiter von Poldi, Ballack und Co. inspirieren.

 

Conrad „csc" Conrad

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#1 siiic, geschrieben am 29.06.2008 17:17:09
Solange es beim eSport keine Ultras gibt die sich gegenseitig die Köpfe einhauen...
#2 griSu, geschrieben am 05.07.2008 13:10:11
Schön geschriebener Artikel Conrad, ging irgendwie ein wenig unter und hätte mehr Feedback verdient gehabt. Sind zwar einige sprachliche Mängel dabei, aber sonst gefällt mir dein Stil :) Ich kann insgesamt nur von mir als relativ außenstehende Person sprechen, von daher kann ich nicht beurteilen wie viel Aussagekraft das wirklich hat. Das Hauptproblem des modernen Esports ist nicht die fehlende regionale Zugehörigkeit, sondern die fehlenden Charaktere, verbunden mit einer recht starken Anonymität. Ich kenne einen Weltstar wie Rafael van der Vaart besser als einen durchschnittlichen Esportler. Fernsehen und Radio bringen ein viel persönlicheres Bild eines Menschen rüber, als das auch nur irgend eine Internetseite dieser Welt könnte. Esportler können sich immer in der Anonymität des Internets verstecken, man sieht mehr ihre virtuelle Figur handeln als den Menschen dahinter. Natürlich zeigen sie sich auch mal auf Lans oder anderen Esportevents, aber für mich kommt dabei trotzdem nichts rüber. Ein van der Vaart ist nun weitaus populärer als jeder Esportler und trotzdem kann ich ihm jeden Tag beim Training die Hand schütteln, wenn ich das gerne möchte. Was ich damit sagen will: Selbst Weltstars des Fußballs haben meist einen besseren Kontakt zur Fanbase als eigentlich ziemlich unbedeutende Esportler. Ich weiß mit dem dieser Star verheiratet ist, ich weiß über seine kleinen Skandale und Fehler Bescheid, ich bekomme Informationen wie viel er ungefähr verdient, ob es Knatsch mit den Mitspielern oder dem Trainer gab etc - dieser ganze Backround und damit auch das zelebrieren von Fußball als Event fällt hier einfach komplett weg.
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