Der Blog von csc
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Piep-Piep, Piep-Piep. Schon wieder hat das Handy vibriert und hat eine neue Kurzmitteilung empfangen.
Die Telekommunikation ist eine der größten Errungenschaften
der Moderne. Was einst Rauchsignale oder Brieftauben waren, sind heutzutage das
Telefon oder die E-Mail. Längst ist das Handy mehr als nur Luxusobjekt, es ist
ein unabdingbarer Bestandteil unseres Lebens. Insbesondere in der Geschäftswelt
ist man praktisch aufgeschmissen ohne Handy. Aber auch die Millionen SMS, die
täglich innerhalb der Netze verschickt werden, helfen uns untereinander im
alltäglichen Austausch von Informationen und dies losgelöst von unzumutbaren
Kosten und innerhalb von einem Bruchteil von Sekunden.
Man ist geneigt zu sagen, dass noch nie in der Menschheit sooo
schnell Emotionen, Meinungen und auch Bilder übertragen wurden, wie im 21.
Jahrhundert. Innerhalb von wenigen Sekunden können die schönsten Bilder, Worte
und Textzeilen quer über den Globus geschickt werden. Eine Entwicklung, die mit
der Erfindung des Rads vergleichbar ist.
So wollen laut einer Studie von der ARIS
Umfragenforschung „rund 70 Prozent" der Befragten „per Handy erreichbar" sein,
fühlen sich jedoch aufgrund der Informationsflut oftmals gestört. Gepaart mit
Festnetz, Internet, Fernsehen und Skype und Co. sind wir ständig und an jedem
Ort erreichbar - und live und mitten drin statt nur dabei.
Schnell gleich gut?
Der Vorteil liegt auf der Hand: Dank der schnellen
Kommunikation und der quasi ständigen Erreichbarkeit funktionieren nahezu alle
Abläufe in der Gesellschaft schneller und einfacher: Dates, Urlaubsgrüße,
Geschäftsgespräche und auch die Bestellung von Kinokarten lassen sich
problemlos und ohne zeitliche Zensur von überall aus erledigen.
Das erfreut den „homo technicus", ist er doch überall erreichbar und kann sofort reagieren, sowohl aktiv als auch passiv. Und das beste: Er ist unabhängig und bestimmt alles selbst.
Aber die Sache hat einen Haken. Will man eigentlich immer und überall erreichbar sein? Führt solch technische Entwicklung, spinne man sie mal weiter, nicht zum so genannten und längst gängigen „gläsernen Menschen"? Ständig erreichbar zu sein, bedeutet auch, ständig antworten zu müssen. Privatsphäre und Pausen gibt es genauso wenig wie eine ruhige Minute, vorausgesetzt man lässt sein Telefon während der ganzen Zeit an.
Die Krux dieses Fortschritts liegt in der Sache selbst. Der blitzschnelle Kontakt steigert einerseits die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung in unserem Kopf, anderseits aber auch die Erwartungen. Wer innerhalb von wenigen Augenzwinkern eine SMS verschicken oder ein Anruf tätigen kann und dank Sendebericht oder Rufton ein indirektes Feedback seines Gegenüber erhält, gibt sich ungern mit dem stundenlangen Warten auf die Antwort zufrieden. „Hey ich hab dir vorhin fünf SMS geschickt, wieso antwortest du verdammt noch mal nicht?" ist ein bekanntes Streitthema einer Beziehung. Kontroll-Anrufe a la „Wo bleibst du?" oder emotionsgeladene SMS kommen häufig vor und hat sicherlich jeder von uns schon einmal erlebt. Diese und andere unpassende, durch sinnesraubende Mittel beeinflussten Momente zeigen die negative Seite der Live-Kommunikation. Keiner kann sich verstecken, alles ist real und live.
Schnell wird zu voreilig oder ohne groß nachzudenken reagiert. Aufbrausende, böse oder unpassende Nachrichten oder Anrufe sind die Folge. Mag die Tragweite solch Worte auch oftmals zu vernachlässigen sein oder durch ein vernünftiges, klärendes Gespräch am nächsten Tag bereinigt sein, bleibt für manch einen doch die Frage, ob diese Tendenz der Live-Kommunikation wirklich sinnvoll ist.
Mobilität ist das
Zauberwort
Es entsteht ein (Zeit)Druck für all jene, die an diesem
Wandel teilhaben. Dank der oftmals undurchdachten und jederzeit möglichen
Kommunikation reagiert der Mensch schon lange nicht mehr gelassen und
kontrolliert. Vielmehr verlangt er von sich und seiner Umgebung eine schnelle
Antwort, die ständige Verfügbarkeit und auch das sofortige Reagieren. Wer da
nicht mitspielt, ist „out" oder langweilig oder wird benachteiligt, indem es „das
letzte Mal" angeschrieben bzw. angerufen wurde. Das war´s!
Ferner wird durch die Methode Mobiltelefon die räumliche Flexibilität, Kurzfristigkeit und die sofortige Entscheidung forciert. Planung war gestern. Wer nicht sofort reagiert, ist ein Fehler im System, wer nicht antwortet verliert kurz oder lang den Anschluss. Viele solcher Fehler führen zu Problemen, Gehaltskürzungen oder dem Verlust von Freundschaften. Wer davon gänzlich unbetroffen bleiben will, muss immer mitspielen und immer zum Hörer greifen.
Heutzutage läuft jeder Mensch mit seinem Handy in der Hand durch die Stadt und schaut alle paar Sekunden auf das Display, so dass von Ausruhen wirklich nicht die Rede sein kann. Durch die schnelle Physik der Übermittlung wird der Mensch ungeduldiger und unzufriedener bei Wartezeiten, das fördert nach für nach den Stress.
Die Freizeit, der Beruf und auch das „Immer-Da-Sein" für die besten Freunde verschwimmen ineinander; klare Grenzen sind praktisch unmöglich. Dabei sind es doch gerade diese Grenzen, die einen richtigen Plan und ein System wie den persönlichen Tagesablauf ausmachen. Klare Linien, die die 24 Stunden am Tag in einzelne und voneinander getrennte Bereiche teilen, lassen sich kaum noch ziehen. Das Resultat ist ein ständiger Leistungsdruck, das gezwungene Lächeln rund um die Uhr und auch die verlorene Privatsphäre. Letzteres zeichnete sich (früher) durch Abgeriegeltheit, Ruhe oder einfach nur durch Freiheit aus. Die Informationsflut ist es, die uns jetzt belastet und immer mehr nervt.
Was wir daraus lernen sollten
Sind wir nur noch Sklaven unserer selbsterschaffenen Technik? Der immer schneller drehende Kreisel von Erwartungen, Erreichbarkeit und Leistungsdruck wird auch in Zukunft nicht aufhören. Nein, er wird sich eher noch schneller drehen, das ist kein Geheimnis.
Wer meint sich davon zu trennen, in dem er sein Handy oder Outlook einfach „mal ausmacht", irrt sich. Diese vermeintliche Stille ist nur von kurzer Dauer und kann, wie bereits erörtert, böse Folgen haben. Wer an diesem System teilnimmt und damit einhergehend selbiges auch fördert und verlangt, kann sich dem kaum entziehen.
Die Kommunikation beruht auf gegenseitigen Signalen, die selten nur in eine Richtung funktionieren. In allen Bereichen, mögen sie doch so unterschiedlich sein, beruht das System auf eine Ein- und Ausgabe, auf ein In- und Out oder auf eine Frage und Antwort. Es ist das Gleichgewicht des Austausches, die versteckte Waage der Kommunikation, die virtuelle Fernbedienung.
Daran müssen wir uns gewöhnen, damit müssen wir umzugehen lernen. Ein Geheimrezept gibt es nicht, wenngleich die Lösung sicherlich bei der wohlbekannten „gesunden Mitte" liegt: Verlange nur das vom Nächsten, was du selbst leisten kannst. Versetze dich in die Lage des Anderen oder versuche den objektiven Blick zu schärfen. Bremse dich selbst aus, um nicht eines Tages zu stolpern. Akzeptiere Wartezeit und poche nicht auf die sofortige Erledigung.
Das häufig lapidar dahergesagte „Bleib Locker" ist nicht unbeachtlich.
In diesem Sinne,
Conrad „csc" Conrad
hellusw, geschrieben am 16.09.2008 02:22:27
















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