Ein Blog von griSu
Generation gleichgültig?
21 Jahre weile ich mittlerweile schon auf dieser Welt – und spätestens mit dem Beginn des Studiums vor einem Jahr, hat für mich ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Zeit einmal auf die vergangenen Jahre zurückzublicken, aber natürlich auch den Blick in die Zukunft zu wagen.
Vor einigen Wochen war es wieder einmal so weit: Silberhochzeit meiner Eltern, die üblichen mehr oder weniger interessanten Leute, die üblichen und immer gleichen Fragen beantworten. Einige Gesprächsfetzen sind mir dann doch noch im Gedächtnis geblieben, auch wenn merkwürdige schwedische Trinkspiele dies vermutlich verhindern sollten.
Wenn zwei Alt-68er in gemeinsamen Erinnerungen ihrer Jugend schwelgen, am Nebentisch alte Feindseligkeiten zwischen Punkern und Poppern in mittlerweile feinstem Zwirn erneut aufleben, wenn alte Fotos von Verwandten mit bösen Blicken vor Anti-Atomkraft-Transparenten die Runde machen und Diskussionen über den kalten Krieg und Flowerpower wieder entflammen, stelle ich mir eine entscheidende Frage:
Was hält meine Generation eigentlich zusammen? Gab oder gibt es bestimmende Themen in der Jugend der jetzt 20-25 Jährigen?
Selbst die Medien scheinen sich mit dieser Thematik schwer zu tun. Von Generation Google oder Generation iPod ist da etwa die Rede – wahrlich nicht kreativ. So einfallslos sich die Schreiberlinge zeigen, so unspektakulär scheint das Leben in der Jugend der 90er und 2000er doch gewesen zu sein. Große politische Konflikte, für die die Jugend auf die Straße gegangen wäre? Fehlanzeige. Die Anschläge des 11. Septembers 2001 stellen vielleicht die erste halbwegs spektakuläre Wende in unserem noch jungen Leben dar und dennoch fanden nur verhältnismäßig wenig junge Menschen den Weg zu den Demonstrationen. Und außer einigen Anti-Terror-Maßnahmen hat sich doch letztlich auch nichts im Alltag geändert – wen jucken schon die paar Einschränkungen der Bürgerrechte?
Leistungsdruck statt Individualität
Der Lebensstil der Jugend scheint immer angepasster geworden zu sein: Für Jugendsünden oder außerschulisches Engagement ist in der heutigen Jugend längst kein Platz mehr. Leistungsdruck bestimmt heute vom ersten Schuljahr an die Kindheit, wer nicht mithalten kann, bleibt eben auf der Strecke. Wenn die heutige Jugend noch etwas verbindet, dann ist es der permanente Leistungsdruck. Das Abitur nach acht Jahren und die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge verschärfen die Problematik weiter.
Wo diese Entwicklung in vielen Fällen enden kann, sehen wir tagtäglich bei einem Blick durch die Innenstädte dieses Landes oder in die Zeitung: Perspektivlosigkeit, Gewalt, Drogen- und Alkoholprobleme bestimmen in vielen Fällen das Leben der Zurückgebliebenen. Doch auch die vermeintliche Elite bleibt davon nicht verschont. Alkohol- und Medikamentenmissbrauch haben auch unter Studenten massiv zugenommen.
Zweifellos, das Leben in dieser Generation ist auch von großen Freiheiten und weitgehender Toleranz geprägt. Differenzen im Musikgeschmack bestehen bis heute, aber sie prägen keine ganzen Generationen mehr. Wir sollten aber gewaltig aufpassen, dass die neu gewonnene Freiheit in Kindheit und Jugend, verbunden mit immensem Leistungsdruck, nicht irgendwann in puren Egoismus umschlägt.
griSu
michilol, geschrieben am 17.09.2008 21:21:31
















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