Wie uns Reklame beeinflusst
Wir machen jetzt ein bisschen Werbung...
Ich kenne kaum einen Menschen, der nicht wenigstens einmal pro Woche
von nichts und niemanden gestört werden will, um seine über alles
vergötterte Lieblingsserie im Fernsehen zu verfolgen. Die einen
favorisieren Dr. House, so wie ich, andere sind versessen auf die
amerikanischen Dramedyserien à la Eli Stone, Desperate Housewives und
was sonst noch alles aus Übersee rübergeschifft wird. Doch all diese
tollen Episoden unserer wöchentlichen Lichtblicke haben einen
gravierenden Schwachpunkt: die Werbung.
"Nicht schon wieder Werbung!"
Die Werbung ist etwas Wunderbares - zumindest aus Sicht der
Rundfunk- und Fernsehanstalten. Durch Werbeblöcke, deren Länge fast 50 Prozent
einer Soap oder Arztserie ausmachen, werden fast die gesamten
Produktionskosten der Ausstrahlung refinanziert. Singende
Baumarktangestellte, Pinguine auf Schatzsuche, Starfußballer mit
Erektionsproblemen. Das sinkende Niveau der akutellen TV-Spots ist mehr
als ernüchternd: Ein sprechendes Baguette erzählt mir, wie frisch es
sei, um mich zum Kauf zu verführen, Hobby-Basketballer trinken
Zuckerwasser, um dann voller Motivation in das vermeintliche
Basketballfeld zu springen. Der Sinn hinter solchen Clips bleibt für
mich noch immer schleierhaft.
Niveau ist keine Creme
Doch es war ja zum Glück nicht immer so. Wie viele Großväter sagen
würden: "Früher war alles besser." So war die Werbung nicht auf
zwanghaften Humor beschränkt, sondern rückte immer das Produkt in den
Fokus. Man erinnere sich nur an die Werbung, wo der so tolle
Schulfreund zum Schulabschluss einen Roller geschenkt bekam, um verachtend
festzustellen, dass sein Kollege "nur" einen Bausparvertrag erhielt.
Jahre später wendete sich das Blatt: Der zum erstaunen des ehemaligen
Rollerbesitzers mutierte Streber entwickelte sich zum gemachten Mann
mit ansehnlichem Eigentum. Solche Werbung ist heutzutage eine wahre
Rarität geworden, wodurch die minderwertigen Spots zunehmend die
Oberhand gewinnen, um den geneigten Zuschauer weiterhin in die Dummheit
zu flimmern. Allein die Tatsache, dass manche Werbeclips keinerlei Informationen über das Produkt veräußern, nein, sie stellen wirklich nur das Produkt selbst ins Rampenlicht, so dass in mancher Autowerbung keinerlei Daten über das Fahrzeug als solches bekannt werden, sondern man nur einen Eindruck des Äußeren erhält. Eine solche Publikation ohne wirkliche Information entzieht sich mir jeglichen Verständnisses.
Werbung aus, Verstand ein!
Der Grund für eine solche Niveausenkung im Bereich der Reklame ist
simpel: Das liebe Geld. Dass darunter die Qualität beträchtlich zu
leiden hat, scheint die Fernsehanstalten nur minder zu interessieren.
Der Verbraucher nutzt die nervigen Passagen zwischen der Weiterführung
ihrer preferierten Sendungen, um das stille Örtchen aufzusuchen oder
die Snackbestände neu aufzufüllen. Dass die Mehrheit der Zuschauer so
handelt muss der Grund sein, weshalb auch die Wichtigkeit sinnvoller
Werbung häufiger in den Hintergrund geraten ist. Aber es gibt doch auch
noch Menschen, die während der Werbung im Wohnzimmer sitzen bleiben,
weil sie wunschlos glücklich sind. Was ist mit denen? Umschalten? Naja,
die Werbeblöcke sind häufig ziemlich parallel, also kann man das
sinkende Niveau nicht abschalten, sondern nur austauschen. Somit
verbleibt als letzte Konsequenz nur, sich der Verstandsbefreiung dieser
geldhungrigen Firmen in den Weg zu stellen, um sie im gleichen Moment
zu kritisieren. Alles andere wie die einfache Hinnahme solcher Idiotie
wäre eine Beleidigung des eigenen Intellekts. Von daher sollte jeder
Clip ruhig hinterfragt werden, auch wenn man sich eigentlich nur vom
Programm berieseln lassen will, denn schließlich muss man sich nich
jeden Schwachsinn gefallen lassen. Fragen wie: "Werde ich im Baumarkt jetzt nur noch singend bedient?" oder "Leben Pinguine in Iglus mit Kühlschränken?" rauben vor allem dem kleineren Publikum jeglichen Sinn der Realität, wodurch sich selbiges schnell ins Abseits befördern kann.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Spots der heutigen Zeit ihrem Namen alle Ehre machen: Man spottet über die Zuschauerschaft, indem man ihr alle Möglichkeiten der Intelligenzbefeiung visuell serviert, um zu prüfen, wo die Grenzen des Publikums liegen. Bisher scheinen sie nicht gefunden worden zu sein, doch bleibt abzuwarten, wann der erste Aufschrei in einer durch die Medien kontrollierte Gesellschaft auch in der politischen Hochebene hörbar wird. Schließlich muss man sich nicht jede Art und Weise der medialen Verdummung gefallen lassen.
Matthias "Crysma" von Lachner
Nazgul, geschrieben am 21.09.2008 14:04:45
















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