Eine Meinung von csc
Bitte keine "Fußball-Verein"-Vergleiche mehr!

Wenn du etwas erreichen willst, dann geh ins Fernsehen und treffe die, die schon was erreicht haben. Dieser klugen Botschaft ist auch unser FIFA-Weltmeister und Vorzeige-Gamer Daniel Schellhase von SK-Gaming gefolgt. Er hatte die große Ehre, auf dem Sofa bei TV-Total neben Deutschlands bekanntestem Moderator Stefan Raab zu sitzen und im Übrigen „live" gegen Elton eine Partie FIFA zu spielen.
(Die ganze Geschichte möchte ich an dieser Stelle vernachlässigen und dient eher als Beispiel)
Eigentlich ein voller Erfolg für uns Esportler mag man meinen. Wir sind nicht nur im Fernsehen, sondern diesmal sogar auf einem Hauptsender zum Abendprogramm. Ja wir sind sogar endlich da angekommen, wo wir immer hinwollten: Im medialen Mainstream.
Doch man sollte diesen Schritt auch mit einem kritischen
Blick beäugen. Der Mainstream ist gut und birgt schier unendlich Potential.
Jeder spricht darüber oder kennt zumindest die neuesten Neuigkeiten. Wer in
diesem schwimmt, sollte sich in der Regel keine Sorgen um seine (kurzfristige)
Prominenz machen. Egal ob als Popstars-Teilnehmer, Klamauksänger a la Alexander
Marcus oder VIVA-Moderator, man ist gefragt
und zumindest in einem gewissen Rahmen begehrt. Mit Glück reicht es sogar zu
einem 8-Zeiler Text auf Seite 12 in der Bildzeitung.
Aber diese Prominenz hat auch seine Schattenseiten. Diese
Erfolge sind meinst von kurzer Dauer und das Medieninteresse oftmals nur auf
die aktuellen Anlässe beschränkt. Es dauert nicht lange und man ist wieder „Weg
vom Fenster" und es kennt dich keiner. Dieses Phänomen gibt es so lange wie die
Zeitung und doch scheint es in der Neuzeit immer häufiger aufzutauchen.
Vielmehr ist sogar das Tempo auf der endlosen Straße zwischen Unbekanntheit und
„Star" und umgekehrt deutlich höher als noch vor vielen Jahren. Dank der
technischen Möglichkeiten kann man in der Nacht zum Star werden, aber auch in
der darauf folgenden Nacht alles wieder verlieren.
Wir wollen dabei sein..
Und genau in diese mediale Sphäre versuchen die so genannten
„Esportler" seit Jahren einzutauchen. Es scheint so, als sei es der Traum
eines jeden Gamers, einmal im Fernsehen zu sein oder auf Seite 1 der lokalen
Tagespresse zu stehen. Dieser Wunsch ist auch verständlich, denn nur so könnte
man seinen Nachbarn oder Klassenkameraden endlich einen Beweis für die
(unsichtbare) Leistung bringen und endlich selbst dem konservativsten
Klassenlehrer eine Begründung für die dunklen Augenränder geben, ohne dabei
sich schämen oder entschuldigen zu müssen.
Ferner dient solch Aufmerksamkeit nicht nur der Begründung (Rechtfertigung?) für sein Hobby, sondern es ist darüber hinaus sogar ein Drang zur Gleichstellung. Man möchte nicht immer hinter Hobbys, Jobs oder Plus-Punkte der Mitschüler oder Freunde zurückstehen oder sich gar verstecken. Denn eSports als Sport anzuerkennen ist eins der großen Ziele eines jeden Beteiligten an diesem jungen Markt und hat sich selbst der ESB als vermeintlicher Vertreter der jungen und aktiven Spielerschaft auf die Fahne geschrieben.
Unter diesen Gesichtspunkten war der Auftritt eines leidenschaftlichen eSportlers bei TV Total ein voller Erfolg.
Ein wahres "Rollen"-Spiel
Jedoch werden die Gefahren und auch ein wenig die harte
Realität der Medienwelt verkannt. Zum einen ist, wie bereits erörtert, diese
Bekanntheit sehr kurzlebig, zum anderen aber auch nur ein Schein. Welche Rolle
nimmt denn der eSportler im TV ein? Wird er wirklich anerkannt und geschätzt
wie ein einfacherer Fußballer oder Hockey-Spieler oder ist er nicht nur ein
Symbol für das unbekannte etwas und wird in diese Schublade gerückt?
Gestiken, Andeutungen und unsichere Formulierungen der
Moderatoren, die selbst ein Stefan Raab nicht verstecken konnte, was für sich
genommen schon zu nachdenken anregen sollte, machen deutlich: der eSportler ist
schwer zu „fassen", es fällt einem herkömmlichen Journalisten oder
TV-Moderatoren schwer den jungen Zocker einzustufen. Einerseits ist da
natürlich die Tendenz, ihn als „Computer-Freak" abzustempeln oder durch
Aufmerksam machen seiner eigenen Unwissendheit als „Nobody" zu bezeichnen. Auf
der anderen Seite ist aber auch das Interesse an „Neuem" da, das sich selbstverständlich
nicht verstecken lässt.
Doch wollen wir „Gamer" eigentlich wie Versuchskaninchen oder Außerirdische
behandelt werden? Sind wir nicht einfach
ganz normale Leute, die täglich am PC hocken (wie so quasi jeder) und statt
„chatten" oder „Musik hören" oder „Beschwerden eintippen" einfach nur Spiele
zocken und dieses sicherlich um einiges gezielter und Wettbewerbsbewusster als
der Otto-Normal-Bürger. Dennoch sind wir kein bisschen anders als dieser.
Aber warum denunzieren wir uns oftmals selbst und gehen mit gesenktem Haupt in eine
TV-Sendung? Die angestrebten Vergleiche
a la „Ist im Prinzip wie beim Fußball-Verein", Vergleiche von Clans mit
„Sportvereinen" und EPS-Ligen mit
„Bundesliga", aber auch Formulierungen wie „selbst ich bin eigentlich ein
normaler Mensch" oder „Mit dem Hobby ein bisschen Geld verdienen" zeigen wenig
Selbstbewusstsein, sondern lassen einen eher wie ein Ausländer in einer fremden
Welt erscheinen, in der man sich mit Fingern und Füssen zu erklären versucht.
Zugespitzt gesagt wirkt es eher so, als würde sich der eSportler durch die
beispielhaft genannten Gestiken und Attitüden eher zu rechtfertigen versuchen
als stolz von sich und seiner Tätigkeit zu erzählen. Krampfhaft versucht er
sich bestmöglich darzustellen und zu erklären, was allerdings so gut wie immer
in die Hose geht.
Entschuldigen..aber wofür?
Warum und erst Recht: Wofür müssen wir uns denn
entschuldigen? Dass wir das machen, was
jeder andere auch macht, nämlich „spielen"? Mit dem kleinen Zusatz, dass wir es
ernsthaft betreiben oder organisiert und gar ein wenig Geld damit verdienen?
Während unsere Eltern früher „Mensch ärgere dich nicht" gespielt haben oder
billige „Kneipen-Spiele", zocken wir eben Counter-Strike, Warcraft III oder
FIFA und bekommen dafür noch mehr als unsere Eltern damals, die noch um Knöpfe
oder ein Korn in der Eckkneipe gespielt haben.
Zudem sind unsere Games deutlich mitreißender, globaler (und
teamfähiger) sowie interaktiver.
Also hört auf mit diesem ewigen Rechtfertigungen und Entschuldigungen, lasst es
euer Hobby ständig mit einem „Fußball-Verein" zu vergleichen und geht nicht mit
gesenktem Kopf durchs Leben! Erklärt den Menschen was ihr macht, was ihr
bekommt oder bekommen könntet und dass es nicht nur modern ist, sondern auch
Spaß macht!
Zum Glück gibt es auch positive Beispiele, die durch ihren Charakter und ihrer besonderen Art bereits durch ihr Auftreten dafür sorgen, dass sie gar nicht erst als "Nerds" abgestempelt werden, sondern locker rüber kommen. Nimmt euch an diesen ein Beispiel und dann wird das schon!
In diesem Sinne,
Conrad / csc
tyco, geschrieben am 26.09.2008 23:58:22
















1
