Autor: geschrieben am Montag 06.10.2008 um 13:20 Uhr

Eine Einführung

Chat-Slang

Wofür nutzt ihr eigentlich das Internet? Auf diese Frage gibt es viele Antworten: Lesen, Surfen, Informieren. Doch neben der „Informationsbeschaffung" steht auch das Thema Kommunikation, insbesondere das „Chatten" an oberster Stelle.  Nichts ist einfacher und irgendwie auch „cooler" als diese Form der kostenlosen Kommunikation. Nahezu jeder ist heute mit MSN oder ICQ online und auf Partys wird mittlerweile nicht nur nach der Handy-Nummer gefragt. „Ey gib ma MSN" lautet oftmals die vermeintliche Anmache.

Natürlich ist das „Chatten" als eine Art der Unterhaltung auch im Gaming-Bereich und E-Sport ein Grundpfeiler des täglichen Daseins. Nicht nur im IRC, eines der ältesten „Chat-Programme"  der Welt, sondern auch auf herkömmlichen Wegen wie ICQ sowie MSN oder neuerdings per Skype werden Meinungen ausgetauscht, Redaktionen geleitet und Clanwars verabredet. Natürlich vermischt sich diese Kommunikation auch mit persönlichen Gesprächen und privaten Worten. Das lässt Freundschaften entstehen und verbessert das Klima.

Der Vorteil dieser Verständigung liegt auf der Hand: Es geht schnell, ist kostenlos und durch diverse Features wie „Gruppen-Räume", Passwörter, Einzelgespräche auch gut planbar. Doch die Kehrseite der Medaille ist der so genannte „Chat-Slang". Im Zuge der modernen Unterhaltung mittels der Chat-Programme entwickelte sich eine eigene Sprachkultur. Abkürzungen, englische Kürzel und eine schwammige Rechtschreibung sind längst Gang und Gäbe. Wer achtet noch auf die „Groß und Kleinschreibung" oder Satzzeichen im Chat?

Dies mag zwar auf den ersten Blick „normal" oder „brauchbar" sein, hat jedoch auch weitreichende Folgen. Durch den weniger sachgerechten Umgang mit der Rechtschreibung entstehen förmlich „Wissenslücken" im Sprachgebrauch der meist jugendlichen Internet-Anwender, die sich maßgeblich in schlechten Noten im Diktat und vielen roten Anstreichungen in der Deutsch-Klausur widerspiegeln. Doch nicht nur in der Schule, sondern auch im beruflichen Alltag sind diese Mängel oft zu beobachten.

Es wäre natürlich abwegig, diese Mängel und den schlechten Bildungszustand in den deutschen Schulen allein auf die Internet-Kommunikation per Chat zurückzuführen. Auch die im Internet kursierenden Screenshots und Scans von „Klausuren", die mit der Chat-Sprache gelöst und infolgedessen durch den Lehrer scharf gerügt worden sind, haben wenig Beweiskraft. Doch ein gewisses Fünkchen Wahrheit haftet an dieser Sache.

Wer kennt es nicht,  dass man sich selbst während einer Klausur oder einem Artikel dabei ertappt, ein Wort nachzuschlagen oder einfach nur Flüchtigkeitsfehler macht. Oftmals schreibt man auch voreilig die englische Form des Wortes oder einfach nur inkorrektes Deutsch. Anglizismen lassen grüßen, es lebe die moderne Sprache.

Schlimm wird es nur, wenn selbst bei Bewerbungsschreiben scheinbar kein großer Wert  mehr auf die Einhaltung der deutschen Sprache gelegt wird. Tipp- und Rechtschreibfehler in Bewerbungsmappen führen zum sofortigen Ausschluss, schwammige Formulierungen in der Regel ebenso. Man muss kein Messias sein, um zu verstehen, warum die Auswahlkriterien im Bewerbungsverfahren deutlich verschärft wurden mit den Jahren.

Und auch wir als Redaktion bekommen diese Phänomene des Öfteren zu spüren, was intern für ein kleines Schmunzeln sorgt. So scheinen viele, meist junge und selbsternannte Redakteure im wachsenden Gaming-Markt die Ernsthaftigkeit der Rechtschreibung zu übersehen.

So sind Bewerbungsanschreiben oder gar eigens in einem PDF gestaltete „Bewerbungsmappen" derartig oft gefüllt mit Fehlern, dass es einem teilweise die Sprache verschlägt. Fehlende Satzzeichen, falsche „Groß- und Kleinschreibung", verdrehte Formulierungen oder einfach schlechtweg nicht existierende Wörter sind längst keine Seltenheit mehr. Zwar gibt es immer noch die „Kunstfreiheit" im Grundgesetz als festen Bestandteil der deutschen Wertordnung, doch fallen solche Fehler leider nicht unter selbige. Und zu guter letzt wäre da noch das Phänomen, dass viele Schreiber durch die Aneinanderreihung von wichtig klingenden Worten meinen, sich besonders seriös und nahezu allwissend zu geben.


Unter anderem sind uns folgende, nette „Entgleisungen" bereits begegnet:
( Zitate aus Bewerbungsschreiben per Mail oder den Bewerbungsmappen sind unverfälscht!! )

„Ich war jetzt bei 2 Clans schon als Redakteur tätig, habe mich aber entschlossen zu gehen, weil dort immer wenig visits auf der Page waren und ich als Readakteur will ja, dass man meine News liest."

„Wenn ich möchete schreibe ich euch auch eine Testnews."

„Ich selbst spiele selbst seit ca. 3 Jahren Counter Strike und finde dieses Spiel sehr interessant und spannend vor allem in den Ligen der Profis.
Ich möchte mich hiermit um diesen Platz bewerben, da ich mich für diesen Platz geeignet sehe. Ich selbst mag es sehr Texte zu verfassen und rundum mit Counter Strike zutun zu haben."

„Meine Flexibilität in verschiedenen Bereichen und mein aktives Mitverfolgen von Veranstaltungen und Geschehnissen im eSports-Bereich zeigen auch für ein aktives Arbeiten am Projekt."

„Ihre Anzeige habe ich in Die gewünschten Eigenschaften, wie zum Beispiel ein hohes Maß an Menschlichkeit und Verständnis, bringe ich mit."

„Ich hoffe mit dem Alter lässt es sich machen,weil ich bald 17 werde,und ich über eine Geistige Reife verfüge."

„Meine gebündelte Energie muss sich irgendwo entladen können J"
„Nunja, wie wohl viele Andere, möchte ich mich als Redakteur mTw
bewerben, um mich dort einer neuen Herausforderung, welcher ich mich auf
meinem Werdegang als Redakteur, qualifiziert habe, bestreiten"

„Meine Hobbies sind Fussball spielen (aktiv), Tischtennis, Kino, Freunde treffen und allgemein mein RL genießen (Ja! Ein Real Life ist vorhanden).
Trotz alledem bin ich sehr aktiv im e-Sport tätig."

„Ich bin der Richtige für Euch, weil ich das mache, was mir aufgetragen wird"

„Da ich gerne Schreibe und auch von mir denke, dass ich die deutsche Sprache und alles was dazu gehört, gut beherrsche, habe ich mir zum Ziel gemacht, fuer einen Clan auch zu schreiben oder andere Dinge, die erledigt werden müssen zu machen."

 

Natürlich sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass solche Texte die Minderheit sind und selbstverständlich auch viele positive Texte abgeliefert wurden. Generell lässt sich jedoch festhalten, dass die Unterschiede zwischen „gut" und „schlecht" immer größer werden und sich somit mindestens eine 2-Klassengesellschaft entwickelt.

Nichtsdestotrotz bleibt das vorgestellte Problem, namentlich die „Verdummung" der Gesellschaft durch eben solche Chat-Slangs und dazugehörige Unachtsamkeit im Umgang mit der Sprache, natürlich aktueller denn je. Ein jeder sollte selbst entscheiden, inwieweit er Umgangssprache und Chat-Slang in seinen eigenen Wortschatz übernimmt oder ob er sich gegen diesen Einfluss wehrt.

Schlussendlich passt sich die Sprache der Gesellschaft und deren Modernisierungen und Änderungen an und wird über kurz oder lang auch die neuen Worte bzw. Auslegungen übernehmen. Längst steht „googlen" im Duden und auch diverse Abkürzungen und Formulierungen aus den Welten des Internets haben ihren Einzug in die Medienwelt gefunden. Findige und trendbewusste Journalisten werden sich diesem Trend ebenfalls nicht entziehen können. Die Konvergenz der Medien ist allgegenwärtig und hinsichtlich des Sprachgebrauchs kaum zu steuern.

Doch solange dies noch nicht erfolgt ist und die deutsche Sprache trotz gegenteiliger Meinung einiger Wissenschaftler noch nicht zerfallen ist, sollte man seine Liebesbriefe mit „Auf Wiedersehen" beenden und nicht mit „cu".


In diesem Sinne,
Conrad "csc" Conrad

tags
#1 hellusw, geschrieben am 03.10.2008 16:20:41
Lol, du hast Rofl gesagt :D :D :D Geiler Artikel. Ich versuche ja immer annähernd Satzzeichen und Rechtsschreibung richtig hinzubekommen :P
#2 michilol, geschrieben am 03.10.2008 16:27:08
ich kann dir nur zustimmen ^^ aber ich hab selbst oftmals das problem, dass ich nich auf groß/kleinschreibung achte oder kommatas usw ;)
#3 griSu, geschrieben am 03.10.2008 16:42:44
Also meine Liebesbriefe würde ich nun auch nicht unbedingt mit "Auf Wiedersehen" beenden, aber das sei nur am Rande erwähnt :) Da sich ja bei mir im Studium ohnehin viel darum dreht: Chat-Slang ist im Prinzip keine schlimme Sache, schließlich verwenden wir tagtäglich verschiedene Formen von Sprache und passen sie unserer Umwelt an. Wir wechseln unbemerkt und manchmal sogar spielerisch zwischen den einzelnen Stufen. In einem Moment tragen wir förmlich einen Antrag beim Vorgesetzten vor und kurz darauf erzählen wir den Kollegen die Erlebnisse vom Wochenende im normalen Jargon vor. Wichtig ist nur, die verschiedenen Codes zu kennen und im richtigen Moment anzuwenden. Es ist sogar ein elementarer Bestandteil unseres Lebens, dass wir uns in vielen Bereichen mit der Sprache von anderen Menschen abgrenzen; die Fachsprache an der Uni macht im Prinzip nichts anderes oder man denke nur an die vielen regionalen Unterschiede. Dialekte machen für viele Menschen erst die Heimat aus letztlich spricht sogar jeder Mensch bestimmte Laute und Wörter so aus, wie sonst keine zweite Person auf dieser Welt. Chat-Slang ist einerseits funktional, weil viele Abkürzungen verwendet werden und außerdem grenzen sich viele Menschen damit ab. Meine Eltern würden in einem normalen Chatgespräch vermutlich nicht allzu viel verstehen. Und es kann auch wunderbar entspannend sein, wenn man einmal schreiben kann, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Man könnte sich vielmehr sogar darüber unterhalten, ob wir wirklich die strengen Regeln brauchen, die uns der Duden vorgibt - unterwerfen wir uns da nicht einem Ästhetikempfinden, obwohl wir auch sonst in den meisten Fällen verstehen würden, was die Menschen von uns wollen?
#4 Missgunst, geschrieben am 03.10.2008 16:43:29
ich achte beim chatten auch kaum auf rechtschreibung muss ich zugeben ^^
#5 otacon, geschrieben am 03.10.2008 16:55:36
Wenn man sich schon aus dem Fenster lehnt und sogar echte Textstücke aus Bewerbungen zur Schau stellt, sollte man beim eigenen Artikel auf Nummer sicher gehen. das/dass-Fehler oder "schlechtweg" sind mir allein beim Überfliegen des Artikels aufgefallen.
#6 griSu, geschrieben am 03.10.2008 18:30:30
Warum sollte man sich denn über andere Leute erheben? Niemand ist perfekt, jeder macht täglich einige Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler. Hier wurden eben ein par Beispiele ausgewählt, die dann doch stärker aus der Reihe treten als ein das/dass Fehler.
#7 Guanidin, geschrieben am 03.10.2008 19:48:38
Chat-Slang?!? Kann ich auch: [X] cbses ;D Ansonsten ist es doch beim Chatten auch eher so, dass man schnell tippt und auch schnell seine Nachrciht loswerden will, weshlb ich da auch die Rechtschreibung eher vernachlässige. :)
#8 michilol, geschrieben am 04.10.2008 02:30:23
Kommentar von otacon (03.10.2008 04:55)
Wenn man sich schon aus dem Fenster lehnt und sogar echte Textstücke aus Bewerbungen zur Schau stellt, sollte man beim eigenen Artikel auf Nummer sicher gehen. das/dass-Fehler oder "schlechtweg" sind mir allein beim Überfliegen des Artikels aufgefallen.

Also ich sehe weder "das/dass" fehler, noch finde ich dass "schlechtweg" falsch geschrieben ist? Du sagst ja auch nicht "schlecht hin" sondern "schlechthin"? Falls du mir nicht glaubst:
schlecht|weg [mhd. slehtis weg, zu: slehtes = gerade[aus], einfach]: geradezu, einfach, →schlechthin.
#9 kainer, geschrieben am 04.10.2008 20:34:36
Naja, es gibt tatsächlich ein falsches "das". Und "schlechtweg" gibt es meiner Meinung nach gar nicht. Ich denke darauf wollte otacon hinaus. Und beim "sagen" merkt man den Unterschied zwischen "schlecht hin" und "schlechthin" schon mal gar nicht. Auf jeden Fall würde ich mal tippen, dass er eigentlich "schlichtweg" schreiben wollte. Würde zumindest passen.
#10 michilol, geschrieben am 05.10.2008 02:20:46
es würde mich ehrlich gesagt sehr interessieren, wo das sein soll. Könnte mich jemand aufklären? entweder verraff ich gerade alles oder bin einfach nur übermüdet :D
#11 kainer, geschrieben am 05.10.2008 19:41:09
Auch wenn es eigentlich ja völlig belanglos ist ;) "Und zu guter letzt wäre da noch das Phänomen, das viele Schreiber durch die Aneinanderreihung von wichtig klingenden Worten meinen, sich besonders seriös und nahezu allwissend zu geben." Am Ende des Absatzes direkt über den Zitaten. Wobei es eigentlich völliger Blödsinn ist solch einen "das"-Fehler zu bemängeln. Es muss ja nicht zwangsläufig ein Denkfehler sein, sondern es kann sich ja auch schlichtweg um einen Tippfehler handeln...
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