Eine Einführung
Chat-Slang
Wofür nutzt ihr eigentlich das Internet? Auf diese Frage
gibt es viele Antworten: Lesen, Surfen, Informieren. Doch neben der
„Informationsbeschaffung" steht auch das Thema Kommunikation, insbesondere das
„Chatten" an oberster Stelle. Nichts ist
einfacher und irgendwie auch „cooler" als diese Form der kostenlosen
Kommunikation. Nahezu jeder ist heute mit MSN oder ICQ online und auf Partys
wird mittlerweile nicht nur nach der Handy-Nummer gefragt. „Ey gib ma MSN"
lautet oftmals die vermeintliche Anmache.
Natürlich ist das „Chatten" als eine Art der Unterhaltung
auch im Gaming-Bereich und E-Sport ein Grundpfeiler des täglichen Daseins.
Nicht nur im IRC, eines der ältesten „Chat-Programme" der Welt, sondern auch auf herkömmlichen Wegen
wie ICQ sowie MSN oder neuerdings per Skype werden Meinungen ausgetauscht,
Redaktionen geleitet und Clanwars verabredet. Natürlich vermischt sich diese
Kommunikation auch mit persönlichen Gesprächen und privaten Worten. Das lässt
Freundschaften entstehen und verbessert das Klima.
Der Vorteil dieser Verständigung liegt auf der Hand: Es geht
schnell, ist kostenlos und durch diverse Features wie „Gruppen-Räume",
Passwörter, Einzelgespräche auch gut planbar. Doch die Kehrseite der Medaille
ist der so genannte „Chat-Slang". Im Zuge der modernen Unterhaltung mittels der
Chat-Programme entwickelte sich eine eigene Sprachkultur. Abkürzungen,
englische Kürzel und eine schwammige Rechtschreibung sind längst Gang und Gäbe.
Wer achtet noch auf die „Groß und Kleinschreibung" oder Satzzeichen im Chat?
Dies mag zwar auf den ersten Blick „normal" oder „brauchbar"
sein, hat jedoch auch weitreichende Folgen. Durch den weniger sachgerechten
Umgang mit der Rechtschreibung entstehen förmlich „Wissenslücken" im
Sprachgebrauch der meist jugendlichen Internet-Anwender, die sich maßgeblich
in schlechten Noten im Diktat und vielen roten Anstreichungen in der
Deutsch-Klausur widerspiegeln. Doch nicht nur in der Schule, sondern auch im
beruflichen Alltag sind diese Mängel oft zu beobachten.
Es wäre natürlich abwegig, diese Mängel und den schlechten Bildungszustand in
den deutschen Schulen allein auf die Internet-Kommunikation per Chat
zurückzuführen. Auch die im Internet kursierenden Screenshots und Scans von
„Klausuren", die mit der Chat-Sprache gelöst und infolgedessen durch den Lehrer
scharf gerügt worden sind, haben wenig Beweiskraft. Doch ein gewisses Fünkchen
Wahrheit haftet an dieser Sache.
Wer kennt es nicht, dass man sich selbst während einer Klausur oder einem Artikel dabei ertappt, ein Wort nachzuschlagen oder einfach nur Flüchtigkeitsfehler macht. Oftmals schreibt man auch voreilig die englische Form des Wortes oder einfach nur inkorrektes Deutsch. Anglizismen lassen grüßen, es lebe die moderne Sprache.
Schlimm wird es nur, wenn selbst bei Bewerbungsschreiben scheinbar kein großer Wert mehr auf die Einhaltung der deutschen Sprache gelegt wird. Tipp- und Rechtschreibfehler in Bewerbungsmappen führen zum sofortigen Ausschluss, schwammige Formulierungen in der Regel ebenso. Man muss kein Messias sein, um zu verstehen, warum die Auswahlkriterien im Bewerbungsverfahren deutlich verschärft wurden mit den Jahren.
Und auch wir als Redaktion bekommen diese Phänomene des Öfteren zu spüren, was intern für ein kleines Schmunzeln sorgt. So scheinen viele, meist junge und selbsternannte Redakteure im wachsenden Gaming-Markt die Ernsthaftigkeit der Rechtschreibung zu übersehen.
So sind Bewerbungsanschreiben oder gar eigens in einem PDF gestaltete „Bewerbungsmappen" derartig oft gefüllt mit Fehlern, dass es einem teilweise die Sprache verschlägt. Fehlende Satzzeichen, falsche „Groß- und Kleinschreibung", verdrehte Formulierungen oder einfach schlechtweg nicht existierende Wörter sind längst keine Seltenheit mehr. Zwar gibt es immer noch die „Kunstfreiheit" im Grundgesetz als festen Bestandteil der deutschen Wertordnung, doch fallen solche Fehler leider nicht unter selbige. Und zu guter letzt wäre da noch das Phänomen, dass viele Schreiber durch die Aneinanderreihung von wichtig klingenden Worten meinen, sich besonders seriös und nahezu allwissend zu geben.
Unter anderem sind uns folgende, nette „Entgleisungen" bereits
begegnet:
( Zitate aus Bewerbungsschreiben per Mail oder den Bewerbungsmappen sind
unverfälscht!! )
Ich möchte mich hiermit um diesen Platz bewerben, da ich mich für diesen Platz geeignet sehe. Ich selbst mag es sehr Texte zu verfassen und rundum mit Counter Strike zutun zu haben."
bewerben, um mich dort einer neuen Herausforderung, welcher ich mich auf
meinem Werdegang als Redakteur, qualifiziert habe, bestreiten"
Trotz alledem bin ich sehr aktiv im e-Sport tätig."
Natürlich sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass solche Texte die Minderheit sind und selbstverständlich auch viele positive Texte abgeliefert wurden. Generell lässt sich jedoch festhalten, dass die Unterschiede zwischen „gut" und „schlecht" immer größer werden und sich somit mindestens eine 2-Klassengesellschaft entwickelt.
Nichtsdestotrotz bleibt das vorgestellte Problem, namentlich
die „Verdummung" der Gesellschaft durch eben solche Chat-Slangs und
dazugehörige Unachtsamkeit im Umgang mit der Sprache, natürlich aktueller denn
je. Ein jeder sollte selbst entscheiden, inwieweit er Umgangssprache und
Chat-Slang in seinen eigenen Wortschatz übernimmt oder ob er sich gegen diesen
Einfluss wehrt.
Schlussendlich passt sich die Sprache der Gesellschaft und deren
Modernisierungen und Änderungen an und wird über kurz oder lang auch die neuen Worte
bzw. Auslegungen übernehmen. Längst steht „googlen" im Duden und auch diverse
Abkürzungen und Formulierungen aus den Welten des Internets haben ihren Einzug
in die Medienwelt gefunden. Findige und trendbewusste Journalisten werden sich
diesem Trend ebenfalls nicht entziehen können. Die Konvergenz der Medien ist
allgegenwärtig und hinsichtlich des Sprachgebrauchs kaum zu steuern.
Doch solange dies noch nicht erfolgt ist und die deutsche
Sprache trotz gegenteiliger Meinung einiger Wissenschaftler noch nicht
zerfallen ist, sollte man seine Liebesbriefe mit „Auf Wiedersehen" beenden und
nicht mit „cu".
In diesem Sinne,
Conrad "csc" Conrad
hellusw, geschrieben am 03.10.2008 16:20:41Wenn man sich schon aus dem Fenster lehnt und sogar echte Textstücke aus Bewerbungen zur Schau stellt, sollte man beim eigenen Artikel auf Nummer sicher gehen. das/dass-Fehler oder "schlechtweg" sind mir allein beim Überfliegen des Artikels aufgefallen.
Also ich sehe weder "das/dass" fehler, noch finde ich dass "schlechtweg" falsch geschrieben ist? Du sagst ja auch nicht "schlecht hin" sondern "schlechthin"? Falls du mir nicht glaubst:
schlecht|weg [mhd. slehtis weg, zu: slehtes = gerade[aus], einfach]: geradezu, einfach, →schlechthin.

















1
