Ereignisse der WCG
Blog von Samstag
Und täglich grüßt das Murmeltier
Es ist Samstag – könnte man meinen. Denn normalerweise verbindet man mit einem Samstag langes Ausschlafen und ein ruhiges Frühstück. Doch dem ist nicht so. „Aufstehen!“ brüllt meine Oma, als sie die Tür zu meinem Zimmer aufreißt. Da stellt man sich das Hotel Oma doch ganz anders vor. Keine Spur von Frühstück am Bett und den dauernden Fragen, ob man denn noch eine Tasse Kaffee haben mag. Also schnell aufgesprungen, geduscht und beim RTL Frühstücksfernsehen noch 2 Tassen der heißen, schwarzen Brühe herunter geschlungen.
Gegen 11:10 Uhr (bitte jetzt nicht denken „Hey, das ist ja gar nicht so früh!“) befinde ich mich schließlich am S-Bahn Bahnhof und warte munter auf die Bahn, welche mich zum Messegelände befördern soll – heute ausnahmsweise mal ohne Verspätung.
Die Erde bebt
Würstchen… nein, halt! Ich sollte meine Aufmerksamkeit wohl nicht so stark auf den GameSports Redakteur gegenüber von mir lenken.
Nach einem kurzen, aber strammen Fußmarsch fand ich mich also im Pressebereich der World Cyber Games wieder. Sachen auf den Boden geschmissen, kurz jedem hallo gesagt und ran ging es an die Arbeit. Das Leben als Redakteur auf der WCG ist hart. Ausruhen oder sich ein Match anschauen ist leider nicht drin. Entweder befindet man sich mit seiner Kamera auf Streifzug nach interessanten Motiven oder man versucht vergeblich, die ca. 15 geöffneten Tabs in Firefox alle gleichzeitig zu managen.
Anders als gestern war der Bereich vor der Bühne schon von Anfang an gut gefüllt. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn um 13:00 Uhr stand bereits der erste Kracher auf dem Programm: Jaedong gegen stork in StarCraft. Da man StarCraft schon als Nationalsport in Süd Korea ansehen kann und bei eben diesem Match zwei Koreaner gegeneinander spielten, konnte man hier als Zuschauer einiges erwarten.
Obwohl ich mich zur Zeit des Matches im Pressebereich befand, konnte man selbst bis dorthin die Atmosphäre spüren. Das Publikum explodierte förmlich bei den vielen genialen Aktionen der beiden Kontrahenten. Zu gerne hätte ich in diesen Augenblicken im Publikum gesessen, doch meine Arbeit verwehrte es mir.
China ist überall
Nach einigen Stunden – welche erstaunlich schnell vorüber gingen – verzwickter Arbeit am Laptop schnappte ich mir schließlich die Kamera und machte mich auf die Suche nach interessant aussehenden Motiven. Und siehe da: Neben den Messe Babes fand sich tatsächlich einiges Interessantes. Direkt neben den Sitzplätzen für die Hauptbühne befand sich ein kleiner aber feiner Stand, wo sportlich aktive Menschen sich in Käfigfußball, Torgolfen und sogar Fechten messen konnten.
Nur wenige Schritte weiter fand sich das nächste kleine Easter Egg, welches mich zum Lächeln brachte. Inmitten der ganzen gemütlichen ‚Fat-Bags‘ entdeckte ich eine große Horde schlafender Asiaten – wahrscheinlich Studenten, die extra aus China oder Süd Korea angereist waren, um ihre Idole zu bewundern.
Nach meinem Rundgang und weiteren interessanten Motiven fand ich mich schließlich an der Bühne wieder, wo gerade das Viertelfinalmatch TeD gegen Moon startete. Passend zu den Spielern, verteilten äußerst gut aussehende Frauen kleine Plastikfähnchen an die Zuschauer, damit diese ihre Landsmänner unterstützen konnten. Und das waren nicht gerade wenige: Besonders die chinesische Flagge war gefragt und ganze Menschentrauben von Chinesen rangelte im wahrste Sinne des Wortes darum, eines der begehrten Plastikteile abzustauben.
Als TeD es dann schließlich schaffte, sich auf der ersten Map Turtle Rock durchzusetzen, explodierte die Zuschauermenge. Menschen sprangen hoch, Flaggen wurden geschwenkt – und allesamt waren es Chinesen. Selbst die Tatsache, dass wir uns hier eigentlich weit weg vom fernen Osten befinden, ändert nichts daran, dass die Zuschauermenge von den Chinesen relativ dominiert wurde.
Mit der nächsten Map riss die Spannung nicht ab – im Gegenteil. Bei einem unglaublichen Schlagabtausch auf Terenas Stand, welcher diese Map definitiv zur spannendsten und besten der bisher gespielten machte, steigerte sich das Publikum abermals. Auch wenn sich der Chinese im Endeffekt nicht gegen Moon durchsetzen konnte: Dieses Match MUSS man einfach gesehen haben!
Dänemark rollt
Die Zeit läuft unaufhaltsam weiter und schon steht das nächste große Ereignis vor der Tür. Unsere schießwütigen Dänen mussten bereits im Viertelfinale gegen die Polen von MeetYourMakers ran. Ein knappes und langes Match also – könnte man meinen. Doch das Team rund um das AWP Wunder Sunde machte kurzen Prozess mit seinem Gegner. Ein 16:02 auf de_inferno und ein 16:09 auf de_train zeigten deutlich, dass man auf diesem Event klar die Goldmedaille vor Augen hat.
Doch mit dem eben erwähnten WarCraft III Match kann man dieses keineswegs vergleichen. Die Kommentatoren waren so gut wie gar nicht zu hören und von den Zuschauerrängen kam nur ab und zu respektables Geklatsche. Einzig bei "Nicht-0815-Situationen" wie dem double Headshot von Sunde mit der USP hörte man vereinzelte Schreie. Die Spieler hingegen waren in diesem Fall der totale Gegenpol. Während und vor allem nach dem Match konnte man einen Emotionsausbruch nach dem anderen begutachten – einen Umstand, der bei WarCraft III immer noch vermisst wird, besonders im asiatischen Raum.
Das perfekte Finale
Gesehen habe ich nun immer noch viel – ist aber auch egal. Viel zu tun ist schließlich immer noch, besonders nachdem sich Tobias aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes nach Hause verabschiedet hatte und wir nun zu zweit mit einem Laptop die ganze Arbeit erledigen mussten. Freier PC? Fehlanzeige. Diese werden dauernd belagert. Entweder von arbeitenden Redakteuren oder Leuten, die auf irgendeine Art und Weise an einen Presseausweis gekommen sind und nun einfach ein paar Minuten im Internet surfen wollen.
Während ich diesen Blog schreibe, läuft vorne auf der Bühne das Halbfinalspiel Grubby gegen HoT. Auch wenn ich nicht mit meiner Kamera vorne bei den Zuschauern sein kann, verfolge ich das Match trotzdem. Links Stream, rechts die Word Datei – läuft! Auch wenn ich immer erst ca. 30 Sekunden später erfahre, warum das Publikum gerade wieder einmal ausgetickt ist, gebe ich mich mit dem momentanen Zustand zufrieden.
Vor gut 15 Minuten konnte Grubby den Sack zumachen und direkt danach zerrte man Moon neben mich, um ihn wieder einmal als Interviewobjekt zu missbrauchen. Inzwischen befinden sich viele Spieler im Pressebereich, was aber natürlich keinen stört.
Ich will ins Bett!
Bleibt nur noch das Halbfinalspiel unserer Dänen gegen die Norweger von CB Team. Wenn dieses vorbei ist, werden Matthias und ich so schnell wie möglich abhauen – er in Richtung Hotel Posthof und ich in Richtung Hotel Oma. An Party ist heute leider nicht zu denken. Matthias ist es deutlich anzusehen, dass er übermüdet ist und auch ich könnte die eine oder andere Tablette gegen Erkältung vertragen.

















1
