EPS Skandinavien
Ein Traum einer Liga?
Seit Jahren machte sich die Community stark für eine gemischte EPS aller skandinavischen Länder, doch die ESL verfolgte damals noch andere Ziele. Man wollte in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen eine nationale EPS etablieren und damit die bisherigen nationalen Ligen vom Markt verdrängen - man wollte eine Vormachtstellung wie in Deutschland. Nötig war dies vor allem wegen der Extreme Masters, schließlich qualifizieren sich die beiden besten Teams der normalen Saison direkt für das weltweite Turnier, abhängig vom jeweiligen Länderranking rutschen dann noch weitere Teams aus der nationalen EPS in die Qualifikationsrunden.
Als Versuchskaninchen für den Norden musste Dänemark den Kopf hinhalten, als man im letzten Jahr eine nationale EPS mit dem Partner Regroup Esports aus dem Boden stampfte. Dänemark kannte zwar das Ligaformat EPS bereits - einige Jahre vorher gab es bereits zwei Seasons mit Teams wie The Titans und Incredible Teamaction, allerdings wurde die Liga wegen zu geringem Interesse eingestellt. 2007 sollte alles anders werden. Mit Regroup Esports hatte man augenscheinlich den richtigen Partner, der sich in den nordischen Ländereien auskennt, glaubte man seitens Turtle jedenfalls. Mit nur 10 Teilnehmern anstatt 16 Teilnehmern startete die EPS und es zeigte sich bald, dass es doch nicht so einfach ist, in einem fremden Land eine EPS zu etablieren.
Während der laufenden Saison stiegen vier von zehn Teams aus der Liga aus, darunter auch Gravitas Gaming. Weiterhin wurden in den wenigsten Matches von allen Spielern Aequitas verwendet oder Screenshots hochgeladen, geahndet wurde dies jedoch kaum. Die anfangs eingesetzten Admins waren mittlerweile entweder anderweitig beschäftigt oder hatten das Interesse an der Liga verloren. Dazu kam dann auch noch ein Cheatvorfall, wenn man es so nennen darf. Der Spieler nexiz von Ideal Gaming wollte nach eigenen Aussagen „einfach mal einen Aequitas Blocker ausprobieren" und prompt hagelte es 12 Penalty Points für den Dänen. Zuletzt fand man denselben Spieler bei Team mates oder Ivans, die Sperre ist nicht mehr vorhanden.
Schaut man sich nun die einzelnen Qualifikationscups für die skandinavische ESL Pro Series an, findet man sehr schnell Parallelen zur EPS in Dänemark. Aequitas wird zwar von einem Großteil der Spieler benutzt, wenn man sich die Logdaten unter den ESL Matches anschaut, hochgeladen werden sie meistens nur vom Team, das gewonnen hat oder von international erfahrenen Teams. Trotzdem findet man auch in den Playoff-Turnieren mehrere Matches, bei denen Aequitas-Dateien fehlen. Am meisten enttäuscht hierbei das Team Lag blank, das trotz internationaler Erfahrung sich wohl noch nicht an die Regeln der ESL gewöhnt hat und es mehrmals versäumt hat, die entsprechenden Aequitas Files hochzuladen. Würde so etwas in Deutschland passieren, würde es keine 48 Stunden dauern, bis die entsprechenden PPs bei den Spielern und Teams angekommen sind und sicher einige Matches wiederholt worden wären, wie es in der Season 12 der deutschen EPS der Fall war. Bei der EPS Skandinavien ist davon bisher nichts zu sehen.
Allerdings muss man auch hier sagen, dass die Schuld nicht ganz alleine bei der ESL bzw. Regroup Esports zu suchen ist, sondern auch bei den Spielern. Der Esport will als professioneller Sport gesehen werden, und das weltweit ohne irgendwelche Ausnahmen. Doch hier tragen die Spieler einen großen Teil der Verantwortung. In Deutschland und den Alpenländern hat niemand mehr ein Problem mit Aequitas, der Demopflicht oder dem Upload von Screenshots mit dem Scoreboard nach den Matches. Wieso funktioniert das aber bei unseren skandinavischen Nachbarn nicht? Eigentlich müssten diese es teilweise auch von ihren lokalen Ligen gewohnt sein, solche Standards einzuhalten. Außerdem bietet Aequitas nach jedem Match die Möglichkeit, es sofort zu uploaden. Eigentlich ist es kinderleicht, man muss sich nur daran gewöhnen und das wollen wohl viele der nordischen Spieler noch nicht. Sollte sich die EPS Skandinavien etablieren, führt aber kein Weg daran vorbei und das sollten die Spieler bereits jetzt lernen, um später den Ärger mit Penalty Points zu vermeiden.
Trotzdem macht es den Anschein, dass man immer noch auf der Suche nach passenden Admins für die neue Liga ist, und diese hoffentlich bis zum Start am Montag gefunden sind. Aber auch hier gibt es noch viele offene Fragen: Haben die eingesetzten Admins genug Erfahrung in Sachen EPS? Sind die mit den sehr detailierten Regeln vertraut? Das sind nur einige der vielen Fragen, die ich mir im Augenblick stelle. Sinnvoll wäre hierbei sicherlich, wenn die ESL einige der erfahrenen Extreme Masters Admins in die neue Liga versetzt, oder gar deutsche EPS-Admins, die wohl am meisten Erfahrung in dieser Richtung haben, nach Skandinavien abkommandiert. Diese müssten dann nichts weiter tun, als die lokalen Admins eine Saison lang „auszubilden" und ihnen eintrichtern, wie ein Match genau abzulaufen hat, wie Wildcards und Proteste gehandhabt werden oder auf welchen Servern die Matches gespielt werden.
Doch nicht alles an der neuen Liga ist schlecht, sie hat eigentlich sogar sehr viel Gutes an sich. Sie vereint endlich als einzige Liga die besten Teams aus Skandinavien und wird damit sicher einige Krachermatches bieten. Sicherlich hat die ESL auch vor, das ein oder andere IFNG abzuhalten, erinnert man sich zurück an die erste Extreme Masters Saison ist sicher Stockholm eine geeignete Stadt. Wichtig hierbei ist jedoch, dass man lokale Partner in den einzelnen Ländern findet. Schaut man sich nämlich heute Bilder vom ersten EMFNG an, erkennt man sehr schnell, dass es für deutsche Verhältnisse nur sehr spärlich besucht war. Wichtig ist auch, dass die ESL schnell die lokalen Szeneseiten wie fragbite oder XplayN an sich bindet. Denn diese bieten neben den internationalen Esportseiten den Fans die meisten Informationen und sind wie readmore oder Fragster in Deutschland der Treffpunkt der Community. Denn ohne die Unterstützung der Community würde die skandinavische EPS nach einigen Seasons genau so enden wie die EPS in Dänemark, wer will das schon?
Auch die Stars werden sicherlich nicht zu kurz kommen - endlich sind Spieler wie f0rest, walle, zet, Sunde, lurppis, ins, zonic, ruuit, whimp, plastE, dsn, elemeNt, REAL und wie sie sonst noch alle heißen in einer Liga vereint. Doch wer steht Ende Januar ganz oben in der Tabelle und qualifiziert sich für die Finals? Die Favoriten sind wie immer Altbekannte - mTw.AMD, SK-Gaming, Gameplay und fnatic, auch wenn letztere im Augenblick ein bisschen schwächeln. Danach folgen dann HAHA, XpreZ und lanklan als Kandidaten für das Mittelfeld, wobei man auch hier ganz klar sagen muss, dass diese Teams so manchem Favoriten ein Bein stellen werden. Die beiden Teams von playzone werden am Ende der Saison wohl das Schlusslicht bilden. Dass man damit die wohl spannendste Liga in Europa aus dem Boden gestampft hat, wiederhole ich hier nur zu gerne.
Bleibt also nur zu hoffen, dass am Ende alles klappt und ein guter Start ohne Probleme gelingen wird. Ob Regroup Esports bzw. ESNation allerdings einer solchen Herausforderung als Lizenznehmer gerecht wird und man aus den Fehlern, die man in der dänischen EPS gemacht hat, gelernt hat, bleibt weiterhin abzuwarten. Mit 24.000 Euro Preisgeld hat man die dänische Königsklasse weit hinter sich gelassen, aber im Vergleich mit Deutschland noch einiges zu tun. Für den Anfang jedoch ist diese Summe genau richtig und somit kann jeder gespannt sein, wie die erste Saison der EPS Skandinavien verläuft. In den kommenden Tagen wissen wir mehr.
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krafti, geschrieben am 17.11.2008 15:13:06
















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