Autor: geschrieben am Dienstag 18.11.2008 um 16:56 Uhr

Meet Your Makers

Unschlagbar durch Grubby und Moon?

Der Esport rückt dieses Verhältnis in ein ganz anderes Licht, indem zwei Vertreter dieser Staaten ein beinahe perfektes Duo in einem Clan darstellen, der sich durch stetigen Erfolg als Nummer eins in der Welt etabliert hat. Es ist ein offenes Geheimnis, dass hierbei die Rede von MeetYourMakers und ihren Starspielern Grubby und Moon ist, welche bei den World Cyber Games das Wunschfinale aller Fans bildeten und auch als solches verkauften. Es scheint insbesondere jetzt ein Ding der Unmöglichkeit, die Mannschaft zu schlagen, in der die beiden aktuell besten WarCraft III-Spieler der Welt unter Vertrag stehen. Aber reichen zwei individuelle Ausnahmetalente aus, um ein ganzes Spiel für sich zu entscheiden?

Der Beste

Da wäre zuerst der Holländer Manuel Schenkhuizen, den meisten bekannter unter seinem Nickname Grubby. Für ihn ist zumindest der vierte Platz ein Fremdwort, denn seine Karriereleiter zieren ausschließlich Sprossen, auf denen die Plätze eins bis drei vermerkt sind. Der zweite Sieg der World Cyber Games war in diesem Jahr die Belohnung für eine konstante Verbesserung, die mit seinem Erfolg gegen Moon in einem mehr als untypisch emotionalen Finale endete. Als das letzte „gg“ des Turniers von Moon die Monitore und Leinwände zierte, sprang der Holländer in seiner Kabine auf und bejubelte seinen wohl bis dahin größten Geniestreich. Als bester Spieler der Welt, der sogar mit Deutschkenntnissen von sich reden macht, ist er das Sinnbild für die ideale Karriere eines Progamers.

Im Spiel zeichnet sich der 22-Jährige durch eine einzige Stärke aus: Er besitzt kaum Schwächen, macht selten Fehler und bestraft selbige seiner Konkurrenten mit tödlicher Präzision. In der WC3L konnte er unseren besten Nachtelfen, Hyeong Ju „mTw.AMD|Check“ Lee auf nur zwei Maps in weniger als 20 Minuten eine herbe Niederlage beibringen. Sofern die Seedings diesmal ein Treffen zweier Orcs gestatten, ist die Begegnung zwischen Du Seop „mTw.AMD|WhO“ Chang und Grubby zu begutachten. Das Mirror könnte hierbei Grubbys einzige „Schwäche“ sein, schließlich sind speziell die Itemdrops hier ein wichtiger Faktor für den Sieg.

Ein Kind aus dem Mutterland des Esport

Wenn man beim koreanischen Qualifikationsturnier für die World Cyber Games in der Disziplin WarCraft III den ersten Platz holt, kann man mit Fug und Recht behaupten, bereits eine kleine Weltmeisterschaft gewonnen zu haben. Schließlich ist Südkorea die Hochburg der Progamer, besonders in RTS-Spielen, wodurch auch vermeintlich unbekannte Spieler aus dem asiatischen Raum sich als Stolpersteine für die Großen herauskristallisierten (wie schon bei den WCG). Doch wenn man als bester aus dieser Region zu den olympischen Spielen des Esport geschickt wird, kann man sich schon als Favorit des Grand Finals sehen. Auch in diesem Jahr war Moon ein Aspirant auf den Titel, da seine Leistungen in vergangenen Turnieren wie auch bei Grubby für die Top drei ausreichend waren, wodurch selbiger als einziger Konkurrent mit ins Rennen um den Titel ging. Souverän beendete der 21-Jährige Moon die Gruppenphase, ohne eine Map abzugeben. Spielend kegelte er den deutschen Vertreter S.o.K.o.L aus den Playoffs und bezwang auch den hervorragend auftretenden Untoten TeD von World Elite in einem der besten Matches des Turniers. Nur eine einzige Niederlage sollte die lupenreinen Statistiken des sonst so emotionslosen Koreaners beflecken, und das ausgerechnet im Finale. Nach der dritten und letzten Map ließ er den Kopf hängen, während die jubelnde Menge beide Finalteilnehmer mit stehenden Ovationen ehrten.

In seinen Matches besticht Moon vor allem durch Ruhe und Gelassenheit, indem er selbst selten die Initiative ergreift, sondern eher den Konter sucht, weshalb viele Gegner durch überhastete Angriffe schnell zu Fehlern gezwungen werden und in ihr Verderben rennen. Kaum zu glauben ist, dass Moon eine gravierende Schwäche besitzt, die ihm auch in der WC3L zum Verhängnis wurde, dabei handelt es sich um Mirrormatches. Im 1on1 gegen unseren Nachtelfenvertreter Jin Woo „mTw.AMD|WinNerS“ Kim konnte Moon keinen Stich landen, was sein Defizit in diesem Matchup einmal mehr bestätigte.

Was tun gegen Platz eins und zwei in einem Team?

Einzeln sind beide Spieler aus Sicht des Gegners schon eine Plage, denn allein Grubby befindet sich zurzeit in der Form seines Lebens, was ihn so gut wie unbesiegbar erscheinen lässt. Moon zeichnet sich durch seine spielerische Klasse und Routine aus, was beide als Team im 2on2 optimal ergänzt. mTw.AMD hingegen hatte in der laufenden WC3L Saison bisher immer einen Makel, der ein Punktegarant für unsere Konkurrenz war: Das Teamplay. Zu Beginn pflegte man einfach die beiden besten Solospieler, Check und WhO, in einen Topf zu werfen, um zu beobachten, was passiert. Da diese Methode immer häufiger zu Misserfolgen führte, sollte mit einer Umbesetzung dieses Duos Abhilfe geschaffen werden. Doch auch dieses Vorhaben brachte bis dato kein ergiebiges Resultat. Von daher kann man nur schwarzseherisch in die Zukunft blicken und in Gedanken schon jetzt den Punkt im 2on2 abgeben.

Die Seedings als Schlüssel zum Sieg

Man muss kein Szeneguru sein, um zu wissen, dass die Matches im WC3L-System nicht länger nur durch die beiden Namen entschieden werden, die gegeneinander antreten, vielmehr ist es ein Poker um die optimalen Seedings. Und Poker ist dabei wörtlich zu nehmen, schließlich versucht man sich in die Lage des Gegenübers zu versetzen und sich nicht in die eigenen Karten schauen zu lassen. Ohne die Leistung mTw’s zu schmälern, aber die Seedings waren das entscheidende Quäntchen Glück, das uns den Sieg bescherte. Dabei nahm man es in Kauf, dass Check auf Gnoll Wood gegen einen starken Grubby opfert, um im Gegenzug mit WhO gegen Lucifer auf Melting Valley den sicheren Punkt zu erkämpfen. Moons Mirrorschwäche gegen WinNerS konnte ebenso gut ausgenutzt werden wie Dae Hui „mTw.AMD|FoV“ Chos Stärke im Mirror gegen Susiria. Auch diesmal wird der Seedingpoker wieder die Entscheidung über Sieg und Niederlage bringen. Man kann zwar nicht von Vornherein sagen, welcher Clan siegreich den Kampfplatz verlässt, doch die Map- und Gegnerkombinationen lassen eine Tendenz zu, die mit einer vergleichsweise hohen Wahrscheinlichkeit zutrifft. Doch dies muss nicht immer so sein, da auch jeder noch so gute Spieler durch eine schlechte Tagesform seinen sicher geglaubten Sieg verschenken kann. Auch den beiden Paradebeispielen für Progamer in WarCraft III, Grubby und Moon, kann ein temporärer Leistungseinbruch den Triumph kosten. Mit Sicherheit sind die beiden ein großer und starker Teil des Teams, aber spielentscheidend ist das nicht, da beide durch kleine Fehler oder Unachtsamkeiten scheitern können. Zu großer Respekt würde nur hemmend wirken und beide Spieler noch besser werden lassen. Doch was hilft all die Theorie, wenn am Ende das Ergebnis über Ruhm oder Schmach entscheidet? Nichts. Insofern sollte bis zum Ende des Matches zwischen mTw.AMD und MeetYourMakers Geduld geübt werden, um jenes Theoriegerede in Schweigen zu verwandeln und das Endergebnis für sich sprechen zu lassen.

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