Autor: geschrieben am Mittwoch 03.12.2008 um 18:28 Uhr

Man kann sich irren!

Ist mouz unschlagbar?

Man nehme ein Blatt Papier, schreibe vier Namen darauf und verpacke das ganze sorgfältig in einem Umschlag, der erst am Ende der ESL Pro-Series XIII wieder geöffnet werden darf. Bei den vier besagten Namen handelt es sich natürlich um die Finals-Teilnehmer in Counter-Strike, welche nun bekanntlich feststehen. Zeit, das Vermutete mit dem Eingetretenen zu vergleichen. Hättet ihr es gewusst? Wir schon!

In gewohnter Manier haben wir euch in unserer EPS-Coverage alle Teilnehmer im Vorfeld der Saison vorgestellt und dabei oben beschriebenes Experiment in ähnlicher Art und Weise durchgeführt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: neben den richtigen Teams haben wir auch deren Platzierung exakt vorhergesagt (siehe: CS - Die Favoriten). Mousesports, Team Alternate, Team Bavarian Heaven sowie n!faculty heißen die Kandidaten für den großen Showdown in Köln. Finals, die schon jetzt definitiv anders sein werden, als ihre Vorgänger.

DIE SACHE MIT DEM SPIELMODUS

Bislang galt der Grundsatz: "Auf den Finals werden die Karten neu gemischt". Dies mag nach wie vor richtig sein, sollte doch ein würdiger Champion, damals wie heute, in der Lage sein, alle vermeintlichen Gegner zu schlagen. Allerdings entsteht mit der Abschaffung des altbekannten Loserbrackets ein ganz neuer "Endspielcharakter". Bislang hatte ein Team stets die Möglichkeit, trotz eines eventuell misslungenen Starts (sei es, weil man noch nicht den Spielfluss gefunden hat oder für einen einzigen Patzer bitter bestraft wurde) doch noch den Sprung ins Finale zu schaffen - und damit um den Titel zu spielen. Am kommenden Wochenende hingegen ernten die Teilnehmer die Früchte ihrer Saat, welche sie während der Saison gestreut haben. Im Nachgang - oh Wunder - wird sich manch einer sicher fragen, wie das Turnier wohl verlaufen wäre, hätte man es von einer anderen Startposition aus begonnen.

DIE MÄUSE: MEHR ALS NUR EINEN SCHRITT VORAUS?

Zum dritten Mal in Folge fahren die Jungs von mousesports als Tabellenerster auf die Finals - einzig vergangenen Sommer ging es allerdings als Sieger wieder nach Hause. Doch diesmal soll beim Titelverteidiger alles anders werden, versteht sich. So hat man sich abseits der Pro-Series vor allem international stark präsentiert. Nachdem es auf der GameGune und dem ESWC zwar schon gut lief, der Erfolg jedoch ausblieb, platzte Ende Oktober der Knoten in Dubai. Mit einer beeindruckenden Leistung sicherte man sich bei der Extreme Masters Global Challenge den Sieg im Finale gegen MYM. Dies konnte man wenige Tage später auf den World E-Sports Masters mit einem 2. Platz unterstreichen. Doch gerade dann, als schier alles gelang, war man zum Zuschauen verdammt: auf den World Cyber Games wurde Deutschland von Alternate vertreten - und das mehr schlecht als recht. Die EPS-Finals-Teilnahme unter Dach und Fach, ging es vor einigen Tagen auf die Dreamhack in Schweden, wo man international mit einem guten Ergebnis das Jahr abschließen wollte. Dies gelang mit dem Viertelfinal-Aus gegen WCG-Sieger mTw.AMD nur bedingt, zumal es zuvor gegen mibr eine deftige Niederlage gab. Es zeigt sich also: die Erfolge der vergangenen Wochen und Monate machen mousesports keinesfalls zum unangefochtenen Favoriten. Auf dem IFNG in Hannover musste man sich jüngst mit einem Unentschieden gegen Dauerkonkurrent Alternate begnügen. Die einzige Niederlage in dieser Saison gab es wiederum offline gegen TBH, welche in Köln nun zur Neuauflage bitten. Was für die Mäuse auf jeden Fall spricht ist ihr Ehrgeiz, notfalls auch über drei Maps den Sieg einzufahren. Da kommt das neue Turniersystem doch gerade recht, oder?

WAS IST LOS IM HAUSE ALTERNATE?

Es war keinesfalls eine zufriedenstellende Saison für das Werksteam von Alternate. Zwar sicherte man sich mit einem zweiten Platz und nur drei Punkten Rückstand auf mousesports relativ souverän die Finals-Teilnahme, doch außerhalb der EPS waren Achtungserfolge Mangelware. In der laufenden Gruppenphase der Intel Extreme Masters III verlor man u.a. gegen n!faculty. Jenes Team, welches mooN & Co. auf den letzten Finals vorzeitig aus dem Turnier warf. Bahnt sich ein Deja-Vu an? Andererseits ist n!faculty der einzige Gegner in Köln, den man in der regulären EPS-Saison bezwingen konnte. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Betrachtet man die Leistung auf der diesjährigen WCG, so verblasst das Team geradezu neben dem großen Widersacher mousesports. Am kommenden Wochenende gilt es zu beweisen, dass die Luft noch lange nicht raus ist. Im Gegensatz zur letzten Saison findet man fleks anstatt CHEF-KOCH im Lineup wieder. Den Erfolgen in der EPS scheint dieser Wechsel nicht geschadet zu haben. Und trotzdem lastet gerade Alternate ein enormer Druck auf den Schultern. Sollte man erneut nicht ins Finale einziehen, so muss man mit Veränderungen rechnen. Dazu muss zunächst der Bezwinger vom letzten Mal geschlagen werden. Doch insbesondere von einem Team wie Alternate erwartet man, dass sie sich entsprechend darauf vorbereiten werden.

NEVER CHANGE A WINNING TEAM

Mit einem erfolgreichen Auftakt beim IFNG in Leipzig gegen TBH setzte n!faculty seine Erfolgsgeschichte in der EPS fort. Doch es waren eben jene IFNGs, welche den amtierenden Vize-Champion fortan ins Stolpern brachten. Nach sieben Siegen in sieben Spielen folgte dreimal hintereinander der "schwarze Freitag" gegen mTw sowie mouz und Alternate. Letztere haben bekanntlich noch eine Rechnung mit dem Team rund um chrizzo offen, welche am kommenden Samstag beglichen werden soll. Anders als ihre Kontrahenten zeigte sich n!faculty neben der Pro-Series auffallend stark in dieser Saison. Bei den aktuellen Intel Extreme Masters III dominiert man zusammen mit SK Gaming die Gruppe A, ist nach vier Spielen noch immer ungeschlagen. Die Quintessenz des Erfolgs ist sicher das unveränderte Lineup, welches bewiesen hat, dass die letzte Saison kein positiver Ausrutscher war.

VOM GLÜCKSKIND ZUM ÜBERRASCHUNGSTEAM?

Das Team Bavarian Heaven wagte mit der Verpflichtung von Hanso, bara und blizker einen Neuanfang, nachdem letzte Saison ein Punkt zur erneuten Finals-Teilnahme fehlte. Auf der GameGune in Spanien gelang der neuen Formation auf Anhieb der Sprung in die Playoffs und auf den WCG National Finals schaffte man es einen Monat später immerhin schon bis ins Finale. In der IEM Gruppenphase konnte man zumindest lag-blank schlagen, auch wenn es ansonsten gegen andere große Namen nicht gereicht hatte. Auch national überzeugte man mit Siegen gegen mousesports und Alternate. Trotzdem konnte man das Ticket erst in allerletzter Sekunde lösen, nachdem das bis dato an Platz 3 gelistete mTw.AMD an einem fulminanten letzten Spieltag gegen gamed!de Nerven, Spiel und Finals-Teilnahme verlor. So ist man also nun dort, wo einen viele vor der Saison gesehen hatten, wenngleich auch nicht mit der vermuteten Souveränität. Und doch stehen die Chancen nicht schlecht, auch wenn der Gegner mousesports heißt. TBH hat gezeigt, dass in einem Best-of-Three immer mit ihnen zu rechnen ist.

WER SOLL'S MACHEN?

Jedes einzelne Team hat sich auf seine ganz eigene Weise für die Finals empfohlen. n!faculty hat vergangene Saison gezeigt, dass das Finale nicht immer automatisch mousesports vs. Team Alternate heißen muss. Und auch wenn gerade diese Kombination von den meisten erwartet wird, so muss man sich doch eingestehen, dass ein überraschend anderer Turnierverlauf nicht minder interessant sein würde. Und da könnte das neue Single-Elimination-System greifen: ein Fehler und du bist raus. Esport kann so einfach sein. Der Zuschauer hingegen wünscht sich einfach weiterhin spannende, "finalswürdige" Spiele. Und vielleicht auch mal einen Sieger, der noch nie den Pokal in die Luft strecken durfte. Da irren auch wir als Redaktion uns gerne einmal.

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