Interview mit mouz|Blizzard
Der Kakerlakenkiller
Es gibt bisher nur wenige ganz Große, die der deutsche Esport hervorgebracht hat und welche ihren Ursprüngen noch heute treu sind. Doch mit Gewissheit kann man sagen, dass es mousesports war, wo einige von ihnen ihre Heimat fanden. Neben Johnny R. gilt dazu vor allem Christian „Blizzard“ Chmiel, zweifelsohne eine heimische Legende. Nachdem der Spieler nun überwiegend von der Bildfläche verschwand und sich bei den Mäusen bisweilen mehr im Hintergrund bewegt, suchten wir das Gespräch zu ihm und holten uns vor allem dessen Meinung in Bezug auf die deutsche Königsklasse und vergangene Zeiten ein.
mymTw: Hallo Christian Chmiel. Danke, dass du Zeit gefunden hast mit mTw.AMD ein Interview zu führen. Du bist 24 Jahre alt, Student des Wirtschaftsingenieurwesens und bist den Esport-Fans unter dem Pseudonym „Blizzard“ bekannt. Wie geht es dir?
Blizzard: Hallo, mir geht es gut. Es ist zwar nicht sonderlich warm in Berlin, dafür scheint sich der Schnee hier nicht länger als zwei Tage zu halten, was wiederrum angenehm ist.
mymTw: Wie kamst du zum Esport und warum trieb es dich in die Counterstrike-Szene?
Blizzard: Zum Anfang meines Zockerlebens wollte ich nie Egoshooter spielen. Mich interessierten eher Sportspiele wie Nfl oder Need for Speed, die ich am heimischen Rechner zockte. Über einen Kumpel wurde ich dann an Counter-Strike rangeführt, welches ich dann auf LAN-Partys exzessiv spielte. Ja, mit der Beta2 fing meine Begeisterung für Counter-Strike an. Nach Beta5 war kurzzeitig Schluss, als ich mich Half-Life widmete und das Interesse an CS teilweise verlor. Ab Beta7 war ich wieder voll dabei – ich kam zu a-Losers, wechselte dann zu mousesports, bei denen ich immer noch bin, und spielte zeitweise für das deutsche Nationalteam.
mymTw: Man weiß ja, dass du äußerst erfolgreich warst. Welche Titel darfst du, auf deine Karriere gesehen, inzwischen dein Eigen nennen?
Blizzard:(Breites Grinsen) Puh, ich hoffe mal, dass ich das noch zusammenbekomme. Gewonnen habe ich alleine und im Team folgende Ligen: Fünfmal EPS, einmal die spanische CPL, viermal die NCL-Fi
nals, ich war Dritter auf dem EWSC und spielte mit dem deutschen Nationalteam auf der ENC.
mymTw: Den Leser interessiert es sicher, warum du damals a-L verlassen hast und zu mouz gingst. Kannst du außerdem dessen derzeitige Misere erklären?
Blizzard: a-Losers hatte damals das außererordentlich kompetente Management um Flachi, starti, buddy, IIZ, Elwood und graphix. Mit der Zeit ging aber das Engagement verloren, wodurch mir der Wechsel zu mouz leichtfiel. Heute hab ich keinen Kontakt mehr dorthin, nur noch zu den Spielern wie bauzka oder Milad.
mymTw: Wie sah damals dein Reallife als exzessiver Zocker aus - lässt es überhaupt eine reales Leben zu? Und wie schaffst du es, Studium und professionelles Spielen unter einen Hut zu bekommen?
Blizzard: Als ich noch aktiv war, lag mein Fokus natürlich auf dem Zocken. Als ich dann mein Studium anfing, ging ich einen Kompromiss mit meinen Eltern ein: Ich konnte mir die Zeit für das Zocken nehmen und hier und da einen Schein machen (Anm. d. R.: Testatschein, schriftlicher Nachweis, dass eine Prüfung ohne Benotung erfolgreich bestanden wurde), schließlich war das Leben als Progamer ein Vollzeitjob. Ich verdiente zwar als mouz-Spieler nicht schlecht, allerdings vereinnahmte das Training mindestens 40 Stunden pro Woche, die Bootcamps noch nicht mit eingerechnet. Nachdem ich nun meine aktive Laufbahn beendete und nur noch ab und an mal bei brenzligen Situationen aushelfe, wie beim Spiel gegen n!faculty auf den WCG Nationals Finals, gehe ich nun meinem Studium mit voller Kraft nach. Gleichzeitig habe ich die Lust an Counter-Strike verloren, ich habe weniger trainiert und meine Leistung ist auch nicht mehr die Alte. Ich muss nun hundertprozentig engagiert studieren, da mich das Progaming um ca. zwei Jahre im Studium zurückgeworfen hat.
mymTw: Bist du noch mit Johnny R. im Kontakt?
Blizzard: Ja, er arbeitet derzeit für Steelseries und hat keine Zeit mehr fürs Spielen.
mymTw: Lass uns zur EPS kommen: Wie schätzt du die nun fast beendete Season 13 ein?
Blizzard: Ich habe die jetzige Saison gar nicht so stark verfolgt, ins Auge gestochen sind mir nur fünf Teams. Mouz hat sehr souverän die EPS angeführt bis auf die Patzer gegen Team Alternate und TBH. mTw.AMD hat einen gewaltigen Sprung gemacht und ich glaube, dass Odie und night einen hohen Anteil an der soliden Leistungen tragen. TBH's Leistung ist auch nicht zu verachten. Competo hat mich ein wenig enttäuscht, ich sah sie eigentlich auf den Finals, jedoch konnten sie das hohe Niveau nicht halten. Auf den Finals wird Alternate eine große Rolle spielen, da sie auf LAN immer ein ernstzunehmender Gegner sind und entscheidende Momente professionell meistern.
mymTw: Wie sieht die Planung von mousesports hinsichtlich der kommenden Events und der EPS Season 14 aus?
Blizzard: Zuerst wollen wir auf der Dreamhack Winter 2008 eine gute Leistung (Anm. d. Red.: das Interview wurde vor der Dreamhack geführt) zeigen, danach stehen die Finals an, die wir natürlich gewinnen wollen. Nach diesen Events gehen wir in die Winterpause, soweit stehen auch keine weiteren Planungen an.
mymTw: Abseits deines Clans würden wir gerne wissen, wie es bei dir weitergehen soll. Wie sehen deine persönlichen Ziele aus, spielt mousesports auch eine gewisse Rolle?
Blizzard: Mein Ziel ist natürlich der erfolgreiche Abschluss des Studiums. Mousesports bleibe ich natürlich erhalten. Mal schauen, in welcher Funktion ich dort unterkomme.
mymTw: Zum Abschluss bitte ich dich noch, eine lustige Begebenheit aus deiner Esport-Karriere zu erzählen.
Blizzard: Da fällt mir was ein. Ich war damals mit neo und Roman R. bei der WCG Singapur. Wir mussten uns ein Hotelzimmer teilen und naja… der Hotelstandard war überhaupt nicht gut. Deshalb fanden wir auch eine Kakerlake lebendig im Bad wieder. Angeekelt wollten wir natürlich das Vieh loswerden. Roman nahm sich deshalb so einen Sirup, irgendein Fruchtsaftkonzentrat, das man mit Wasser verdünnen musste. Nun gut, er schüttete nun dieses viskose, megadickflüssige Zeug auf die Kakerlake, in der Hoffnung, dass die Gelenke des Insekts verklebt werden würden. Das klappte aber irgendwie nicht. Also nahm sich Roman den Duschkopf und versuchte, das Vieh zu ertränken. Die Kakerlake lebte trotzdem. Nun, wie jeder weiß, hab ich früher verdammt viel Haarspray benutzt, ich nehme immer noch viel davon. Auf jeden Fall hab ich mir dort von einem Raucher das Feuerzeug genommen. Jedes kleine Kind weiß, was passiert, wenn man mit einem Haarspray auf die brennende Flamme des Feuerzeugs sprüht. Mit dem improvisierten Flammenwerfer hab ich die Kakerlake dann zur Unkenntlichkeit verbrannt. Und nein, sie bewegte sich nicht mehr. (schmunzelt)
mymTw: Blizzard, wir danken für das unterhaltsame Interview und wünschen dir viel Erfolg für deinen künftigen Werdegang.
Bilder: mousesports.com, fragster.de

















1
