Autor: geschrieben am Samstag 06.12.2008 um 14:17 Uhr

EPS Finals ohne Gaming Rooms

Gaming Rooms adé

Die guten, alten Zeiten
Was in einem kleinen Internet Café begann, entwickelte sich im Laufe mehrerer Jahre zu riesigen Hallen mit tausenden von Zuschauern. Die ESL Pro Series Finals haben sich im wahrsten Sinne des Wortes kontinuierlich in die richtige Richtung weiterentwickelt. Die Locations wurden größer, das Angebot für das Publikum vor Ort immer vielfältiger. Nur eines machte dem Event immer wieder zu schaffen: Die Nähe zu den Spielern. Denn diese befanden sich immer hinter mehreren dicken Wänden von den Fans abgeschirmt, welche sich mit einer Leinwand zufrieden geben mussten. So konnte man zwar die Spiele verfolgen, bekam aber ansonsten nichts von den Emotionen der Spieler mit, welche gerade bei Counter-Strike eine entscheidende Rolle spielen. Einzig die FIFA 1on1 Spiele wurden über all die Jahre direkt auf der Bühne ausgetragen, für die sich aber nur ein Bruchteil der E-Sport Anhänger interessierte.


Den Headsets sei dank
Mit den zehnten EPS Finals kam dann endlich die ersehnte Wende. Einigen Beobachtern wurde es ermöglicht, den Counter-Strike Spielern von Podesten hinab auf den Rücken zu schauen. Somit erhielt man als Besucher erstmalig die Chance, zu erleben wie laut Teams wie mousesports wirklich sein können. Damit wurde zwar der erste Schritt in die richtige Richtung eingeschlagen, dennoch war es bei weitem noch nicht genug, denn ein Großteil des Publikums saß immer noch in der Halle nebenan mit Blick auf die große, weiße Wand.

Bereits in der nächsten Saison baute man das Konzept weiter aus. Man entschied sich für schalldichte Kopfhörer und konnte so einen Teil der Spiele auf die Bühne verfrachten. So konnte jeder Anhänger immerhin das eine oder andere Match auf der Bühne betrachten. Anfängliche Zweifel, ob die Idee mit den schalldichten Kopfhörern auch wirklich eine gute sei und nicht die Spieler bei ihrer Konzentration störe, wurden schnell verworfen, denn das genaue Gegenteil trat ein: Positives Feedback seitens der Zuschauer war die Folge und auch die Spieler freuten sich darüber, endlich ihren Fans mitsamt ihren Schlacht- und Motivationsrufen näher sein zu können. Doch das sollte noch nicht alles sein...


Gaming Rooms adé
Mit diesen Finals revolutioniert die ESL ihr gesamtes, bisher gesehenes Programm. Was die World Cyber Games bereits vorgemacht haben, wird auch hier konsequent umgesetzt: Man verzichtet komplett auf Gaming Rooms und setzt stattdessen auf Gaming Areas, welche sich unmittelbar inmitten der Halle befinden. Auf den ersten Blick wurden damit sämtliche im Voraus bekannten Probleme beseitigt. Denn nachdem die ESL ihren Zeitplan, welcher auf zwei Tage gekürzt wurde, bekannt gab, wurden viele Stimmen in der Community laut. Besonders die Anhänger des virtuellen Fußballs beschwerten sich lauthals darüber, dass nur das Finale auf der Bühne verfolgbar sei. Mit der Idee der Gaming Areas scheint zumindest dieses Problem für die Interessierten vor Ort gelöst zu sein, denn wenn ein Spiel mal nicht auf der Bühne stattfindet, kann man den Spielern nur wenige Meter weiter links über die Schulter schauen. Für die Fans, die das Wochenende vom heimischen Bildschirm aus verfolgen wollen, ist allerdings noch keine Lösung geboten. Diese müssen sich weiterhin mit dem beglücken, was auf der Bühne geboten wird.

Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob diese Lösung überhaupt sinnvoll ist, wenn zwei Matches gleichzeitig ausgetragen werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das „Nebenspiel“ im Tumult des Bühnenmatches untergehen wird. Denn ein Großteil der Zuschauer ist logischerweise mehr am Halbfinalspiel von mousesports gegen TBH interessiert als an einem FIFA Spiel. Besonders problematisch könnte es auch am Sonntag werden, wenn das WarCraft III Finale auf der Bühne ausgetragen wird, während die Schießwütigen von Counter-Strike nebenan um den dritten Platz kämpfen. Wie jeder Szenekenner weiß, interessieren sich die Meisten aus dem Publikum, auf Events wie diesem, in erster Linie für den Taktik Shooter. Folglich wäre es also nicht verwunderlich, wenn dann mehr Spieler bei der Nebenbühne stehen als vor der Hauptbühne sitzen. Dennoch ist diese Idee natürlich als eine Verbesserung anzusehen, denn der geneigte E-Sport Fan kann so jedes Spiel live miterleben anstatt sich im Geiste die Spieler vorstellen zu müssen, wie sie irgendwo abgeschieden in einem kleinen Raum ihr Ding runterspielen.


Ein sinnvolles Konzept?
Bleibt also nur noch die Frage offen, was die Spieler eigentlich von der Idee mit den Gaming Areas halten und ob diese Umstellungen sie in irgendeiner Art und Weise in ihrer Konzentration oder Leistung beeinflussen werden. Besonders für die Anhänger der Kriegskunst wird dies ein schwieriges Unterfangen, da für dieses Spiel ein hohes Maß an Konzentration benötigt wird und es im Gegensatz zum Shooter keine kurzen Auszeiten in Form des eigenen Todes gibt.

Aus der Sicht der ESL ist diese Änderung allerdings nachzuvollziehen, denn so wird zumindest für die Menschen vor Ort deutlich mehr Entertainment geboten. Ob man damit auch auf qualitativ hohe Spiele verzichten muss und wie die Spieler selber das gesamte Konzept beurteilen, wird sich erst im Laufe des Events herauskristallisieren.

Bilderquelle Bild 1: ESL

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