Eine Meinung von csc
Das Fernsehen
Es gibt Situationen im Leben, da fragt man sich: Bin ich etwa schon so alt oder verstehe ich die Menschen um mich herum einfach nicht mehr?
Der Auslöser für diesen etwas fragwürdigenden Moment ist schnell erklärt: Es ist Freitagabend und beim bekannten „Zappen" durch die TV-Landschaft mittels der griffbereiten Fernbedienung, bleibe ich mehr oder weniger notgedrungen auf RTL hängen. Natürlich läuft auf dem Kölner Sender wieder eine dieser medialen Allzweckwaffen zur blöden Berieselung der Zuschauer, mit einem längst langweiligen Titel à la „Die besten Witze der Welt". Dachte ich zumindest. Nein diesmal war es die „Ultimative Chartshow" mit der Auskopplung „Die erfolgreichsten Black Music Hits aller Zeiten".
Natürlich dürfen Musik-Ikonen und Sänger, deren Poster vor vielen Jahren die Wände unserer Kinderzimmer verunstaltet haben, auch in solch einer Mainstream-Sendung nicht fehlen. Es wäre ja auch ein Unding, wenn Michael Jackson oder Whitney Houston fehlen würden. Ja, was wäre das für eine Chartshow?
Merkwürdiges Ranking
Doch irgendetwas ist anders: Ohne nun das gesamte Ranking der gewählten Charts hier vorzustellen und so eventuell den sicherlich schlechten Verkauf der extra zur Sendung produzierten CD anzukurbeln, lässt sich jedoch zumindest der Grundtenor aufzeigen: Die Auswahl und insbesondere die Reihenfolge der Charts lässt doch sehr zu Wünschen übrig.
So befindet sich der Gigant Michael Jackson auf dem vierten oder fünften Platz und auch die wohl größte Stimme der Neuzeit von Whitney Houston verhalf ihr nur auf einen Platz hinter genanntem Star. Rihanna hingegen nahm mit ihrem Lied, das bereits langweilig war als die ersten Klingeltöne zu selbigem erschienen, den zweiten Platz ein. Wie kann ein derartig monotones und vor allem geschichtlich uninteressantes Musikstück bitte den zweiten Platz in der Liste der „erfolgreichsten Black Music Hits aller Zeiten" einnehmen? Sind die Bewertungsmaßstäbe auf Klingeltöne-Chats ausgelegt? Und was ist mit den ganzen Klassikern wie Mo-town (Marvin Gaye, Diana Ross etc)? Also mein Verständnis von „Black-Music" im weitesten Sinne reicht ein paar Jahrzehnte zurück.
Einsparmaßnahmen?
Den ersten Platz dieser Show nahm übrigens „Kung-Fu Fighting" von Carl Douglas ein, der dann auch gleich im Studio sein Lied, welches im Gegensatz zu einigen anderen vorgestellten Songs nicht bereits nach fünf Wochen vergessen wurde, live „performte". Wahrscheinlich war dies auch der Grund für den obersten Platz auf dem Treppchen: Andere Acts und Stars konnte oder wollte sich RTL nicht mehr leisten und darum wurde ein 70 Jahre alter Carl Douglas eingeladen, der ansonsten wohl nur noch Vorstadt-Kaufhäuser eröffnet.
Mag man die Aussagekraft einer solchen Sendung noch so kritisch würdigen wie man will, es bleibt einfach ein großes Fragezeichen über. Sind alle solche Sendungen wie „Die besten 10 Künstler" verunglimpft durch manipulierte Zahlen und minderjährige Wähler? Wo liegt der Fokus?
Werbung statt Information
Oftmals wird der Eindruck erweckt, bei solchen Sendeformaten handle es sich einfach nur um Werbung für das eigene Produkt und eine kühl-kalkulierte Mischung aus kostengünstigen Inhalten und Mainstream für die jüngere Zielgruppe. Einer repräsentativen Umfrage kommt das Ergebnis jedenfalls nicht gleich. Aber was will man auch vom Fernsehen heutzutage erwarten. Es sind eben „Unterhaltungsshows". Wenn bereits „Bauer sucht Frau" zum Kult wird und die Öffentlich-Rechtlichen Sender trotz Werbebeschränkungen die Bundesliga-Show dennoch voller Werbung haben, wie es für die Privaten typisch ist, dann sollte die Diskussion über das Niveau des deutschen Fernsehens ruhig weiter angekurbelt werden.Das Ergebnis kann daher nur lauten:
Am besten ausschalten.
Gruss,
Conrad "csc" Conrad
wurfl, geschrieben am 12.12.2008 20:18:40
















1
