Autor: geschrieben am Samstag 17.01.2009 um 15:47 Uhr

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Wenn Leidenschaft die Leidenschaft tötet

„Wohin die Zeit nur fliegt..." ist ein allgemein bekannter Spruch, der zumeist von älteren Menschen, die sich wundern, wie schnell sich die Welt verändert, gebraucht wird. Eine deutlich unangenehmere Bedeutung bekommt er allerdings, wenn er sich auf mangelnde Freizeit bezieht, weil nahezu jede Stunde durch Pflichtaktivitäten aufgebraucht wird - so zu beobachten bei diversen Mitarbeitern von diversen Szeneseiten. Aber immer der Reihe nach.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich den Entschluss fasste, nicht nur im spielerischen Aspekt im Esport aktiv zu sein. Redakteur, das wollte ich werden. Immerhin war ich schon immer ein Mensch gewesen, der gerne schrieb, ebenso durchflutete mich  eine nicht auszutreibende Begeisterung für das gesamte Phänomen. Heute bin ich Redakteur und um viele Erfahrungen reicher geworden. Unter anderem, dass der Satz „Du solltest genügend Zeit aufbringen können, um deine Arbeiten verwirklichen zu können" in der Voraussetzungsliste für angehende Redakteure auf mymTw.com seine helle Berechtigung hat.

 

Im Allgemeinen werden die meisten Arbeiten, egal welcher Art, unterschätzt. Erst, wenn man eine Tätigkeit über einen gewissen Zeitraum ausgeübt hat, ist man in der Lage, den Aufwand mancher Dinge korrekt einzuschätzen. Keinen Deut anders verhält es sich bei der Ausübung eines redaktionellen Postens - sei es als Hobby oder beruflich. Vielschichtig, zeitintensiv, fordernd - drei Adjektive, die die Arbeit eines Redakteurs sehr gut beschreiben: Von den Standardaufgaben wie das Erstellen von Match- und Szenenews sowie das Führen eines Interviews oder Verfassen eines Artikels reicht die Palette bis hin zum Reisen um die halbe Welt im Zuge einer Coverage. Verständlicherweise bleibt kein Auge trocken, ebensowenig kann man sich immer aussuchen, wann man was erledigen will. Im Gegenteil, im Großteil aller Fälle muss man sich Terminen und Fristen anpassen, weder warten Veranstalter in China auf Uhrzeiten, die uns Europäern genehm sind, noch kann man vor einem Turnier vorhersehen, wie lang die Matches dauern oder ob es heftige Verzögerungen geben wird. Dementsprechend entwickelt sich ein Abend voller Live-Coverage schnell zu einem sehr, sehr langwierigen Abenteuer, an dessen Ende der nächste Morgen steht und mit einem sehr, sehr qualvollen Erwachen aufwartet.

Natürlich macht es Spaß, in einem Team voller Gleichgesinnter über die kollektive Leidenschaft zu berichten. Natürlich befriedigt es, glanzvolle Werke abzuliefern, sich von Lob aus Kollegium und Leserschaft überschütten zu lassen. Und natürlich will man auch keines der Meetings verpassen, welche sich gegen Ende meistens zu einer Lachorgie entwickeln. Aber bei allem Spaß, den einem diese Arbeit macht: Sie verlangt auch Opfer. So kann man sich in einer Hochphase des internationalen Esport, in der jedes Wochenende wichtige Turniere und Saisonabschlüsse anstehen, nicht einfach zurücklehnen und auf den letzten beiden Artikeln ausruhen, die man in der vorhergegangenen Woche verfasst hat. Wenn Not am Mann ist, hilft jeder mit. Und während der Außenstehende dieses Phänomen positiv als ein Zusammenschweißen der Belegschaft bewerten würde, so spricht die Perspektive des Betroffenen doch meist eine andere Sprache. Denn neben der redaktionellen Tätigkeit im Clan - welche zweifelsfrei zu den höchsten im Leben erreichbaren Zielen gilt - hat jeder Mitarbeiter überraschenderweise auch andere Pläne für seine Freizeit. Während einige also mit ihrem Team trainieren, andere mit ihren Freunden gathern und der Letzte einfach nur eine geschmeidige Runde pubben wollte, machte das bevorstehende Event alle guten Vorsätze mit einem Schlag zunichte. Aufmerksam betrachtet eine durch und durch ironische Situation - die Leidenschaft zum Esport, die einen erst in die entsprechende Situation brachte, verhindert nun die aktive Ausübung desselben.

Faszinierend sind die Möglichkeiten, die sich durch ein solches Hobby bieten, das ist unbestreitbar. Dank Kostenrückerstattung durch die halbe Welt zu den größten und wichtigsten Events zu reisen, die berühmtesten Spieler zu treffen und vielleicht sogar hautnah Interviews mit ihnen zu führen, übt eine enorme Anziehung aus. Dennoch besteht ein solches Event aus enorm viel Arbeit - und letztendlich sieht man im besten Fall den Profis nur beim Spielen zu. Sicherlich ein Gaumenschmaus für jeden Fan des gehobenen Es ports, aber eben nur ein passives Erlebnis. Das, was uns von Anfang an begleitet - die Fraggeilheit der CSler, die unglaublichen Multitaskingfähigkeiten der WC3ler, die Unter-, bzw. Übergewichtsrekorde der WoWler - lechzt zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens danach, gestillt zu werden. Und das reine Zuschauen ist auf Dauer nunmal keine Befriedigung, ein Prinzip, das wir auch aus anderen Bereichen des Alltags kennen.

Dass dieses Phänomen immer mehr Menschen betrifft, zeigt sich dem geneigten Betrachter recht schnell. Nicht umsonst antwortet auch ein Andreas „pre" Lenkski auf die Scherzfrage, wann Rittergewitter denn in der EPS zu sehen sei, mit „Maaann, ich würde ja gerne, aber ich habe einfach nicht die Zeit, so viel zu trainieren.". Deshalb sollte sich jeder, der sich in dieser Situation befindet, die Frage stellen, wie weit er in der Lage ist, Zeit in solcherlei Hobbys zu investieren. Hobbys, die im Esport stattfinden, aber leider kein Esport sind. Denn nur wenige Dinge im Leben sind schlimmer als Unausgeglichenheit, zuerst sinkt die Motivation, dann quält man sich auf einmal und am Ende steht man vor einem Trümmerhaufen und fragt sich, was man sich eigentlich dabei gedacht hat.

Also, liebe Esport Fans da draußen, liebe Vollzeitbeschäftigte und liebe Freiwillige: Achtet darauf, dass ihr euer Gleichgewicht haltet, lasst euch nicht durch dumme Fehleinschätzungen und unsinnige Überforderung den Spaß an einem der großartigsten Phänomene der Welt nehmen. Füllt eure Leben mit dem aus, was ihr für sinnvoll erachtet, zieht die Bremse, wenn es nötig wird oder verstärkt gegebenenfalls eure Anstrengungen. Die Welt des Esport ist jetzt schon so reich an Beschäftigungsvielfalt, dass man sich nie wieder langweilen oder aufreiben muss.

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#1 QbY`is`Dope, geschrieben am 17.01.2009 22:27:32
Die Scheisse liest sich doch eh keiner durch. Ich habs allerdings getan aus Langerweile. *zZzZz*
#2 Caker, geschrieben am 18.01.2009 13:45:23
Ich habe es durchgelesen und fand viel Wahrheit drin.
#3 joker, geschrieben am 20.01.2009 20:42:38
ausversehen drauf geklickt ^^
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