Blog von csc
E-Sports ein Trendsetter?
Was hat der E-Sports, was andere Sportarten der modernen Unterhaltungselektronik nicht haben? Ist er wirklich unschlagbar und ein Trendsetter oder nur eine kleine Nebenerscheinung der großen Industrie?
Auf die Frage „Was zeichnet den E-Sports aus?" werden oft Faktoren wie „Wettbewerb", „Zuschauer" und „Preisgelder" genannt. Gerade das Zusammenwirken aus diesen Merkmalen zeichnet den frischen Markt aus. Doch obwohl viele Verbände und Organisationen den „E-Sports" gerne als solchen vom Deutschen Sportbund anerkannt sehen wollen, bleibt es bei einer für die Masse eher kaum zugänglichen Definition.
Dies mag zum einen an den Spielen und damit verbundenen Vorurteilen („Killerspiele") liegen, aber zum anderen auch an den lenkenden Funktionären in „unserer" Gaming-Welt. Trotz vieler Versuche, den E-Sports salonfähig zu machen und auf Messen wie der CeBIT der kritischen Masse zu präsentieren, scheint das Phänomen "Profi-Zocker" alles andere als bekannt und gesellschaftsfähig.
Die Gründe hierfür sind sehr umfangreich und liegen in der Akzeptanz der Gesellschaft und Politik, aber auch - was kaum einer wahrhaben will - an den E-Sportlern selbst. Durch Erhöhung von Preisgeldern (und Gehältern) und weiterer Ligen und Sponsoren wird sich die gesellschaftliche Brücke und letztlich auch damit einhergehend die Akzeptanz gegenüber der Branche nicht wirklich erschließen lassen. Zumindest so lange innerhalb der Szene kein Finger gerührt wird. Vielmehr findet ein interner Wandel statt, der aber in sich gekehrt ist und Außenstehenden wenig Einblick gewährt.
Austauschbare Stars und Titel
Es lässt sich eine Fokussierung konstatieren, die Stars und Sternchen immer mehr in den Vordergrund rücken lässt. Der Schwerpunkt von Berichterstattung, Aufmerksamkeit und Aktivität wird auf die Profis gelegt und somit eigentlich auf die Minderheit der großen und einstigen Zocker-Gemeinde. Diese selbsternannte „Professionalität" hemmt den allgemeinen Wettbewerb, schafft eigene Schranken und führt dazu, dass sich einzelne Gruppen immer mehr spalten. Es bildet sich daher keine allgemeine Klasse, sondern es bleibt bei einem König und vielen Bauern.
Selbst die Events sind entgegen vermeintlich öffentlicher Plätze bzw. Locations nach wie vor nach „innen gewandt" und aufgrund ihrer Durchführung, insbesondere der Moderation und Abläufe hauptsächlich an den E-Sports-Fan gerichtet, was schlechtweg „neuen Zielgruppen" wenig Chance und Anreiz bietet. Public-Rechner sowie spezielle Hardware-Stände können Otto-Normal-Bürger in der Regel nicht sehr begeistern. Es fehlt an Aktionen und Emotionen, die für jedermann bestimmt sind und ein gewisses Event-Flair aufkommen lassen, ohne einen Bezug zur Szene vorauszusetzen. So wird die Szene für einen Außenstehenden noch in vielen Jahren unbegreiflich und die Events uninteressant sein. Was fehlen sind neue Trends und Attraktionen, damit sich reine Gaming-Events im Jahre 2009 von den herkömmlichen Landpartys Ende der 90er abheben.
Des Weiteren fehlt es am Image und Persönlichkeit der Akteure. Fans und Bekanntheit bzw. Sympathien bauen auf Persönlichkeiten auf. Doch diese können bei Nicknames und der Anonymität des Internets sowie fehlenden Hintergrundinformationen, die einem dem Spieler überhaupt erst näher bringen, kaum entstehen. Schließlich interessieren nur Frags und Siege, aber nicht die Familie oder das soziale Umfeld.
Insgesamt erscheinen einem die Charaktere fremd und die Rollen austauschbar, was unter anderem auch der hohen Fluktuation in den Teams und der fehlenden Bindung (Personalisierung) der Spieler innerhalb ihrer Clans zu Verdanken ist. Die Überflutung an Turnieren und Events mit redundanten Titeln und Teilnehmern verstärkt diese Tendenz der letzten Jahre.
Neue Trends erkennen
Und zu guter letzt sollten sich auch die Verantwortlichen, insbesondere die Spiele-Entwickler einmal selbst Gedanken machen. Ist im Zeitalter von Browser-Games das derzeitige Modell des Computerspieles überhaupt noch zeitgemäß? Browser-Games haben gegenüber dem PC-Spiel viele Vorteile: Sie sind kostenlos, verständlich und lassen sich in der Regel von überall aus betreiben Oftmals genießen sie gerade durch ihre Einbindung in Community-Plattformen wie beispielsweise facebook eine große Beliebtheit.
Dem zugrunde gelegt könnte ein interaktiver und unkomplizierter Wettbewerb zwischen den Teilnehmern stattfinden, der unabhängig von teurer Hard- und Software und nahezu jederzeit stattfinden kann. In wenigen Jahren könnte auch die Entwicklung des Internets so weit sein. Ist dies also möglicherweise die Zukunft des E-Sports? Fakt ist, dass Browser-Games dem E-Sports bereits jetzt schon etwas voraus haben: Sie sind von der Gesellschaft anerkannt, verfügen über eine deutlich größere Spielgemeinde und finden bereits Einzug in eher untypischen Kreisen der Internetwelt.
So erscheint der E-Sports gegenüber andere Branchen und Trends nahezu chancenlos. Letztlich bleibt es jedoch abzuwarten, wie die Entwicklung in den nächsten Jahren fortschreitet wird und sich Spieler und Verantwortliche dieser anpassen werden (müssen!). Hierfür sollten wir aber gerüstet sein, das bewies auch schon die Vergangenheit.
In diesem Sinne,
Conrad „csc" Conrad

















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