Autor: geschrieben am Freitag 20.02.2009 um 20:51 Uhr

Unterschiedliche Lebensformen im eSports

Von Flamern und Egoisten

Man begegnet ihnen Tag für Tag. Auf Gameservern, im IRC, auf Voiceservern und auf Szeneseiten: Nationalitäten und Sitten aus ganz Europa sind in unseren Esport-Alltag fest integriert. Ihr Verhalten ist uns längst bekannt und fassen Fehlerverhalten unseres Gegenübers sowie auffällige Eigenschaften, wenn überhaupt, nur im Unterbewusstsein auf. Ich berichte aus ganz eigenen Erfahrungen und benötige zu guter Letzt eure Intentionen und Impressionen.

Der Engländer - „Flamen, ich?"

„They´re nothing! Just defeat them right now, aaaaaw!" vibrierte es lautstark aus meinen Kopfhörern. Eine markante Stimme aus dem Ventrilo (Voicetool) schilderte ihren Standpunkt letztens im Mix mit vier Engländern (und selbstverständlich mir) . Kleine Exkursion: Ein Mix ist lediglich die Bezeichnung für ein Team, bestehend aus fünf Spielern, die sich möglicherweise schon kennen und aus Spaß ein 5on5 spielen wollen. Zurück zum Paradebeispiel meines Engländers, dessen unaufhaltsamer Kraftausdrucksneologismus nahezu keine Grenzen kannte. Ich spielte genüsslich und höchst amüsiert mit meinen vier Briten weiter, ohne Aussicht auf weitere provokante Aktionen. Plötzlich erhielt man im Spiel die Mitteilung, dass jener Spieler, der den anfangs erwähnten Aufstand erzeugte, sowohl den Server als auch das Ventrilo verließ. Im Nachhinein brachte man mir „schonend" näher, dass ein in England positionierter Server nicht fair genug für ihn wäre. Auch Anschuldigungen, dass er aufgrund von einigen Teamkills und Fehlverhaltens nicht zum Spiel beigetragen hätte, verneinte er völlig. Weiterhin bat er mich unfreundlichst, ihn zu Entschuldigen, da die Bedrohung des 3. Reiches zu zeitaufwändig für ihn sei. Zusammenfassend und verbunden mit anderen, unzähligen, Begegnungen mit den - wie viele sie liebevoll nennen - „Inselaffen" bleibt mir nur die Erkenntnis: Die Engländer sind stets im Recht, ihrer Ansicht nach ständig benachteiligt und durchaus mitteilungsbedürftig. Braucht die Welt nicht auch eine kritische Partei?

Prädikat: Der Selbstbewusste

Der Russe - Blutiger Anfänger!

Des Russens größtes Problem ist wahrscheinlich das Fehlen der Kernkompetenz einer jeden länderübergreifenden Kommunikation: das Englisch. Es ist allseits bekannt, dass in den Ostblöcken die englische Sprache nicht allzu viel Anerkennung genießt. Auch wenn der Wille meist vorhanden ist, es endet so gut wie immer in einem Buchstabenchaos. Dass man ihnen dies nicht übel nehmen kann, wird einem nur kurze Zeit später klar. Sie schaffen es trotz unterdurchschnittlicher Englischkenntnisse immer wieder, ihre verrückte Ader , welche jedem Minimum ein Lächeln ins Gesicht zaubert, Kontakt herzustellen, der möglicherweise lange hält. Desweiteren sind sie zu Scherzen aufgelegt, wie ich es selten erlebt habe. „We will got drunken by our baby wodka tonight, so we not practice", erklärte mir ein unbekannter Moskauer und fuhr fort: „You can come tonight and get much of it?" Manchmal fehlt mir einfach die Motivation oder die Lust, auf ein derart schlechtes English zu antworten, geschweige denn den Sinn der Aussage zu entdecken. Für gewöhnlich lockert aber die Verrücktheit vieler Russen das Gespräch auf und stimmt mich und auch viele andere um. Außerdem verbessert die Hilfsbereitschaft und Kameradschaftlichkeit das Gesamtbild, eines durch äußere Umstände benachteiligten, aber gewillten Russen. Im Großen und Ganzen ist es eine umgängliche, aber zeitweise anstrengende Nation.

Prädikat: Der Außenseiter

Der Italiener - Anhänglich wie eh und je

Durch meine gelegentliche Arbeit der Trainingssuche für das CS:Source Team von mTw, begegnet mir in regelmäßigen Abständen - wie es die Zwischenüberschrift vorzzeitig verrät - ein Italiener (er ist nicht der Einzige, aber der Erwähnenswerteste). Ich gebe ihm nun rein fiktiv den Namen Luigi. Mittlerweile ist der erste Kontakt zu ihm gute sechs Monate her. Als ich ihm erstmals schonend beibringen wollte, dass ein Training zwischen unseren zwei Teams lediglich beiderseitige Zeitverschwendung wäre, packt er die buchstäbliche Brechstange aus. Mit gewohntem italienischen Charme versuchte er mir, den Mund mit Honig zu überziehen - leider vergebens. Ich ( bin und ) war mit den Nerven längst am Ende und erblickte endlich Licht am Ende des Konversationstunnels. Alsbald begann er wiederholt die Erfolge seines Aufgebots, die nun wirklich nicht der Rede wert waren, in den Vordergrund zu rücken und mit viel mehr Gewicht als erforderlich zu versehen. Du denkst dir sicherlich: "Was will der mir erzählen, ist doch mittlerweile völlig normal!" Du hast vollkommen Recht, doch die Italiener scheinen von solchen Vorgehensweisen regelrecht entzückt zu sein. "Die Ersten werden die Letzten sein", dachte sich Luigi und gibt so schnell nicht auf. Noch dazu verleiht er dem Sprichwort einen ganz anderen Sinn. Bis heute versucht er es fast täglich, mich zu kontaktieren. Sobald er meinen Onlinestatus irgendwo ausfindig machen kann, erhalte ich - auf welchem Weg auch immer - seine Mitteilung.

Was trotzdem bleibt: Seine ständige, beinahe übertriebene, Höflichkeit. Angesichts dessen, dass sich in Italien selbst die besten Teams und der allgemeine Esport im weltweiten Wettkampf längst nicht etabliert haben, ist sein Streben nach Kontakten geringfügig nachvollziehbar. Verallgemeinert auf den Durchschnitt Italiens ist zukünftig eine internationale Kommunikationsfähigkeit von Nöten und ebenso nützlich. Abrundend hierzu verhält sich eine gewisse Zielstrebigkeit und ein Festhalten von derartigen Einstellungen sehr zwiespältig: Teils fördernd, teils kontraproduktiv.

Muss man einem überwiegend freundlichen und unglücklicherweise Benachteiligten den Mund verbieten oder haben nicht auch wir in diversen Gamesektoren von ganz unten angefangen?

Prädikat: Ein typischer Südländer

Der Skandinavier - Crazy- und Coolness: Bestnote

Wer kennt und liebt sie nicht, die ewigen Nordlichter unseres Kontinentes: Die Skandinavier. Man muss sie ohne wenn und aber lieben. Sei es ihre einzigartige Spielweise auf den Gameservern, ihre periodische - amüsante - Angewohnheit der Spielerwechsel oder ihre Art und Weise, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren - sie sind, sogar statistisch bewiesen, im Esport zuhause und man merkt es ihnen regelrecht an. Sie genießen es, ihr authentisches Verhalten zur Schau zu stellen. Auch, dass genau dies der Fall ist, wollen sie keinem vorenhalten und lassen sich zeitweise von ihrem Selbstbewusstsein einen gehörigen Streich spielen. Wie gesagt, zeitweise. Oftmals sind es aber auch einfach nur menschliche Persönlichkeiten, die immer für einen Spaß zu haben sind. Ihre Spezialität ist längst kein Geheimnis mehr: LAN-Events. Dort ist alles in Einem verbunden, was ihnen lieb ist. Hochklassige Matches, Kollegialität, Party und mit viel Glück auch noch ein finanzieller Bonus. Solltet ihr jemals den Anreiz haben, einem wahrhaftigen, skandinavischen Esportler mit Leidenschaft zu begegnen, tut dies auf der SLAP oder Dreamhack - das ist ihr Zuhause.

Prädikat: Unzurechenbar


Ihr fragt euch sicher, wo bleiben wir Deutschen? Sicherlich sind wir eine der vielen sehr speziellen Nationen im Esport, aber ich stelle die Frage nun einfach in den Raum: Wie sind wir Deutschen? Was sind unsere Macken? Was sind unsere wahren Stärken? Diskutiert über unsere Eigenschaften und bleibt sachlich.

 

 

Bilderquellen: cadred.org, sueddeutsche.de, readmore.de

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#1 csc, geschrieben am 20.02.2009 21:05:00
bella italia... Wir sind einfach eher die nörgler, unzufriedenen, immer nu ram meckern.. und gönnen dem anderen nichts
#2 confuser, geschrieben am 20.02.2009 21:08:43
die deutschen sind für mich so der 0815-durchschnittstyp: nicht besonders aufbrausend, meistens good-mannered und insgesamt eher bodenständig. außnahmen bestätigen die regel :D
#3 vr[1]-, geschrieben am 21.02.2009 19:47:10
ich bemerke ein wenig Zensur...
#4 [mash], geschrieben am 22.02.2009 23:01:19
interessant.
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