Autor: Missgunst geschrieben am Dienstag 22.09.2009 um 15:50 Uhr

Heute im Gespräch: Die Linke

Wahlprüfsteine 2009 Teil 2

Nach den tollen Diskussionen in den Comments und im Forum hoffen wir weiterhin auf rege Beteiligung aus der Community. Heute steht nun die Linkspartei auf dem Programm. Sie hatte unsere Fragen als zweite Partei beantwortet und bekommt daher auch als zweite einen Platz auf der mymTw Seite. Antwort gab uns Axel Goldmann, Mitarbeiter für den Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit.
 
Übrigens erhielten wir gestern die letzte Mail, somit haben uns alle angeschriebenen Parteien noch vor der Bundestagswahl geantwortet. Bei dem momentanen Wahlkampfstress ist dies sicherlich einen kleinen virtuellen Applaus wert.

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mymTw: Computerspiele erfreuen sich heute immer größerer Beliebtheit und stellen nach wie vor einen Wachstumsmarkt dar. Insbesondere die so genannten Ego-Shooter stehen jedoch innerhalb der Politik immer wieder in der Kritik. Häufig fällt dabei der Begriff der so genannten Killerspiele. Definieren Sie uns bitte, was Ihre Partei unter diesem Begriff versteht und wie Sie politisch damit umgehen wollen.

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Der Plenarsaal
Axel Goldmann, Die Linke: Wir betrachten Computer- und Online-Rollenspiele als massenmediale Erscheinungen einer Spiel- und Kommunikationskultur im Digitalzeitalter. Eine Verbotspolitik im Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen sowie die Diffamierung der Entwicklerbranche und der Nutzerinnen und Nutzer sogenannter „Killerspiele“ lehnt DIE LINKE ab. Diese Position hat der Parteivorstand im Juli letzten Jahres mit dem Beschluss „Herausforderungen der digitalen Welt begegnen – Grundlagen für eine digitale Medienordnung schaffen“ einstimmig angenommen. Der Begriff „Killerspiele“ (Simulation realitätsnaher Tötungshandlungen) ist abzulehnen. Er wurde bereits 2002 (nach Erfurt) von der CSU lanciert und 2006 mit eindeutiger Verbots-Zielsetzung erneut ausgegraben.


mymTw: Das Spiel „Counter-Strike“ wurde weltweit bereits mehr als 11 Millionen Mal verkauft und hat in Deutschland die Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten. Einem Indizierungsantrag aus dem Jahr 2002 wurde nicht stattgegeben. Fällt das Spiel „Counter-Strike“ nach Ihrer eigenen Definition in die Kategorie Killerspiele? Sollte die Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten bleiben?

Axel Goldmann, Die Linke: Wir halten das System der Alterskennzeichnungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für angemessen. Insoweit sehen wir keinen Grund, die Altersfreigabe ab 16 Jahren für „Counter-Strike“ in Frage zu stellen.


mymTw: Nach den schrecklichen Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden rückten Ego-Shooter immer vermehrt in den Fokus des öffentlichen Interesses. Besteht Ihrer Meinung nach ein Zusammenhang zwischen dem Spielen von Ego-Shootern und solchen Taten?

Axel Goldmann, Die Linke: Nein, nicht ein vermeintlich unzureichender Jugendmedienschutz und der Konsum von gewalthaltigen Computerspielen sind ursächlich für Gewalt und Amok an Schulen, sondern ein komplexes Bedingungsgefüge bestehend aus sozialen, psychologischen und familiären Komponenten. Zu nennen sind soziale Isolation, Leistungsdruck, Schulversagen, psychosoziale Kränkung sowie die Mechanismen von kompensierender Gewalt und – last not least – der Zugang zu realen Waffen. Diese Punkte bleiben in den aufgeregten Debatten um sogenannte „Killerspiele“ leider allzu oft unerwähnt.


mymTw: Die Vorratsdatenspeicherung sowie die Indizierung von Webseiten mit Hilfe eines Stoppschildes haben innerhalb der Community für großes Aufsehen und für große Verwirrung gesorgt. Erläutern Sie uns bitte den Standpunkt Ihrer Partei zu diesen beiden Punkten.

Axel Goldmann, Die Linke: Wir haben – wie die anderen Oppositionsparteien im übrigen auch – in einem Entschließungsantrag aufgezeigt, wie Kinderpornographie im Netz durch die
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Ermittlung der Täter und das Löschen der Bilder an der Quelle bekämpft werden kann, und zwar national wie international. Dazu nur ein Beispiel: Sogenannte Phishing-Websites, mit denen die Kontodaten von Bankkunden ausgespäht werden, verbleiben im Schnitt ganze 4,8 Stunden im Web, Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten hingegen 30 Tage. Der Grund ist, dass die Banken ein Eigeninteresse an der Beseitigung solch illegaler Angebote haben und dementsprechend international vernetzt ermitteln und löschen lassen. Die Bundesregierung hat das nicht interessiert.

DIE LINKE lehnt eine Ausweitung der Überwachung des Netzes mittels verdachtunabhängiger Kontrollen und Inhaltssperren, wie sie immer öfter auch aus vermeintlichen Interessen des Jugendmedienschutzes gefordert werden, strikt ab. Ebenso fordern wir die Zurücknahme der Vorratsdatenspeicherung. In der digitalen Welt ist die Freiheit des Netzes zu verteidigen.


mymTw: Nach Aussage der Bundesdrogenbeauftragen Sabine Bätzing wird Onlinesucht vor allem bei Jugendlichen zu einem immer größeren Problem. Sollte Onlinesucht Ihrer Meinung nach als Krankheit anerkannt werden? Und welche Maßnahmen erscheinen Ihrer Ansicht nach zur Bekämpfung der Onlinesucht angemessen?

Axel Goldmann, Die Linke: Die Computerspiele- und Onlinesucht ist ein aktuelles gesellschaftliches Phänomen und eine negative Begleiterscheinung der fortschreitenden Digitalisierung. Eine Anerkennung als Krankheitsbild erscheint sinnvoll. Darüber hinaus gilt es den präventiven Jugendschutz über Medienkompetenz zu stärken. Für DIE LINKE bildet der Erwerb von Medienkompetenz eine Schlüsselkategorie, um den inhaltlichen Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu begegnen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit virtuellen Welten umzugehen und Risiken abzuschätzen. Die natürlichen Orte dazu sind Kindergärten, Horte und Schulen. Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört somit auch in die Ausbildungsinhalte von Erziehern, Lehrern und Sozialpädagogen.


Wir hoffen, dass  die Antworten euer Interesse und eure Diskussionsbereitschaft geweckt haben. Teilt uns eure Meinung in den Comments oder im Forum mit. Morgen erwarten euch dann die Antworten des Parteibündnis Bündnis 90/ Die Grünen.




Quellen:
http://die-linke.de/

wichtige Links:
http://www.wahl-o-mat.de/
Die Antworten der Piratenpartei
Thread im mymTw Forum





tags
#1 griSu, geschrieben am 22.09.2009 18:46:33
Durchaus überzeugende Antworten. Der Vergleich bezüglich Phishingwebseiten ist interessant, auch wenn ich bei Vergleichen der Linken immer vorsichtig bin :)
#2 -[ROCK]-Conan, geschrieben am 22.09.2009 21:30:37
Vorweg, ich freue mich ebenfalls, dass alle Parteien reagiert und eine Antwort geschickt haben. Ich bleibe gespannt auf die weiteren Beiträge.

Die Aussagen sind sicherlich interessant und aufschlußreich, da kann man nur neugierig sein, was von den großen Parteien kommt.

@ Grundsätzlich sollte man bei allen Statements und Zahlenspielereien vorsichtig sein, egal ob von rechts links oder aus der mitte. Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast.

Gruß Conan.
#3 griSu, geschrieben am 23.09.2009 09:07:55
Bei der Linken bin ich da aber besonders Skeptisch, vor allem weil ganz gerne mit Ländervergleichen um sich geworfen wird, die an den Haaren herbeigezogen sind.
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