Autor: Missgunst geschrieben am Mittwoch 23.09.2009 um 13:48 Uhr

Antworten von Bündnis 90 / Die Grünen

Wahlprüfsteine 09, der dritte Teil

Es ist Mittwoch und somit Zeit für den dritten Artikel, mit Antworten auf unsere eSport bezogenen Wahlprüfsteine. Die letzten zwei Tage antworteten bereits die Piratenpartei und Die Linke auf unsere Fragen. Unser Forum trägt dazu auch noch mit einigen Diskussionen rund um das Thema Bundestagswahl 2009 bei.
Unsere heutigen Erklärungen der Parteiführung erhalten wir von Malte Spitz, der im Bundesvorstand von Bündnis 90 / Die Grünen für das Thema Medienpolitik zuständig ist.
Wer heute zum ersten Mal in unsere Coverage reinschaut, kann sich hier auch noch mal die Antworten der ersten beiden Parteien zu Gemüte führen.

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mymTw: 1. Computerspiele erfreuen sich heute immer größerer Beliebtheit und stellen nach wie vor einen Wachstumsmarkt dar. Insbesondere die so genannten Ego-Shooter stehen jedoch innerhalb der Politik immer wieder in der Kritik. Häufig fällt dabei der Begriff der so genannten Killerspiele. Definieren Sie uns bitte, was Ihre Partei unter diesem Begriff versteht und wie Sie politisch damit umgehen wollen.

Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnen den Begriff ab, denn wir finden diese Bezeichnung falsch. Deswegen können wir den Begriff auch nicht definieren. Selbst das Bundesinnenministerium konnte auf Anfrage unserer GRÜNEN Bundestagsfraktion nicht definieren, was sie unter dem Begriff "Killerspiele" verstehen. Natürlich gibt es Spiele, die exzessiv Gewalt darstellen. Diese werden aber bei der Altersfreigabe auch dementsprechend hoch eingestuft oder bekommen erst gar keine Freigabe. Eine pauschale Trennlinie sollte man da nicht ziehen. Jedes Spiel muss individuell betrachtet werden, gerade weil sich verschiedene Versionen sehr stark unterscheiden - siehe Counter-Strike. Wichtiger als diese Einteilung finde ich, dass die Einhaltung der Altersbeschränkungen durchgesetzt wird. Das Jugendschutzgesetz in Deutschland ist gut. Wer Minderjährigen Spiele verkauft, die für sie nicht zugelassen sind, muss entsprechend bestraft werden. Weitere Verbotsmöglichkeiten lehnen wir ab. Wir setzen auf breite Medienkompetenz in allen Altersgruppen,
Aufklärung und Förderung von Spielen. Wir wollen eine Stiftung einrichten die hier federführend Aufgaben übernimmt.

mymTw: 2. Das Spiel "Counter-Strike" wurde weltweit bereits mehr als 11 Millionen Mal verkauft und hat in Deutschland die Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten. Einem Indizierungsantrag aus dem Jahr 2002 wurde nicht stattgegeben. Fällt das Spiel "Counter-Strike" nach Ihrer eigenen Definition in die Kategorie Killerspiele? Sollte die Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten bleiben?

Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen: Wir GRÜNE lehnen die Verwendung des Begriffs "Killerspiel" ab. Da es - wie bereits oben erwähnt - nicht nur eine sondern verschiedene Versionen von Counter-Strike gibt, kann man nicht pauschal eine Einschätzung über die Freigabe abgeben.

mymTw: 3. Nach den schrecklichen Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden rückten Ego-Shooter immer vermehrt in den Fokus des öffentlichen
Interesses. Besteht Ihrer Meinung nach ein Zusammenhang zwischen dem Spielen von Ego-Shootern und solchen Taten?

Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen: Nein, es gibt keinen direkten Zusammenhang. Gewalt von Jugendlichen hat immer mehrere Ursachen. Computerspiele allein sind nicht Grund dafür, dass Kinder und Jugendliche gewalttätig werden. Sie können ein Faktor unter vielen sein. Das hat die Medienwirkungsforschung mehrfach belegt. Viel wichtiger sind diverse sozio-kulturelle Faktoren: das Elternhaus, die Freunde das weitere soziale Umfeld. Millionen von Menschen spielen
Computer und sind nicht gewalttätig. Ich meine, wenn elterliche Kontrolle und Medienkompetenz gegeben sind und die Mechanismen des Jugendmedienschutzes greifen, geht von Computerspielen per se keine Anstiftung zu Gewalt aus.

mymTw: 4. Die Vorratsdatenspeicherung sowie die Indizierung von Webseiten mit Hilfe eines Stoppschildes haben innerhalb der Community für großes
Aufsehen und für große Verwirrung gesorgt. Erläutern Sie uns bitte den Standpunkt Ihrer Partei zu diesen beiden Punkten.

Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben beide Projekte klar abgelehnt. Die Vorratsdatenspeicherung stellt alle Menschen in unserem Land unter Generalverdacht und muss sofort gestoppt werden. Gegen die Vorratsdatenspeicherung klagen wir auf verschiedenen Ebenen. Aktuell verklage ich meinen Mobilfunkanbieter T-Mobile Deutschland GmbH auf die Herausgabe der über mich gespeicherten Daten. Wir haben vergangenen Samstag auf der Großdemonstration "Freiheit statt Angst -- Stoppt den Überwachungswahn!" ein starkes GRÜNES Zeichen für starke Bürgerrechte gesetzt. Den immer stärkeren Eingriff von Staat und Wirtschaft in die Privatsphäre wollen wir beenden. Wir sagen www.datenschutz-ist-buergerrecht.de.

Das Gesetz und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur im Internet lehnen wir GRÜNE ab. Es ist unserer Ansicht nach nicht zielführend, der Rechtsstaat wird untergraben und die vorgeschlagene technische Umsetzung ist mehr als schlecht. Es verschiebt die Diskussion auf die falsche Ebene. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verfolgen beim Kampf gegen Kinderpornografie eine Gesamtstrategie. Zentrale Ansatzpunkte sind dabei die Aufdeckung und Vermeidung von sexuellem Missbrauch und Ausbeutung, die Identifizierung der Opfer, deren Schutz und Rehabilitation, sowie die Strafverfolgung der Täter und ihrer Netzwerke. Dafür brauchen wir personell wie technisch gut ausgestattete Ermittlungsbehörden und eine bessere und vor allem schnellere internationale Zusammenarbeit. Ziel ist es, die entsprechenden Seiten zu löschen und somit gänzlich aus dem Internet zu verbannen. Symbolische Stoppschilder verhindern keinen Missbrauch und auch nicht, dass über das Internet auf entsprechende Angebote zugegriffen werden kann.

mymTw: 5. Nach Aussage der Bundesdrogenbeauftragen Sabine Bätzing wird Onlinesucht vor allem bei Jugendlichen zu einem immer größeren Problem. Sollte Onlinesucht Ihrer Meinung nach als Krankheit anerkannt werden? Und welche Maßnahmen erscheinen Ihrer Ansicht nach zur Bekämpfung der Onlinesucht angemessen?

Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kämpfen dafür, dass Medienabhängigkeit analog zur Glückspielsucht als eigenständige Suchtform durch die WHO anerkannt wird. Medien- und damit auch Online-Sucht ist unserer Ansicht nach eine Krankheit und ein wichtiges Thema - nicht nur bei Jugendlichen. Es handelt sich dabei um ein neues Problem, welches bislang leider zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Wir wollen die Erforschung des Problems unterstützen und die Suchtberatung und Betreuung stärken. Denn Menschen, die Hilfe brauchen, müssen diese bekommen. Auch die Krankenkassen müssen dazu gebracht werden, sich diesem Thema anzunehmen. Bisher werden Fälle von Online-Sucht aus Abrechnungsgründen oft als Glücksspielsucht
behandelt um die Kosten erstattet bekommen. Spiele- und Online-Sucht ist ein Problem, das man angehen muss. Aber es darf nicht dazu benutzt und
instrumentalisiert werden, Computerspiele einseitig als schlecht darstellen zu lassen. Wichtig ist es stattdessen, Kinder und Jugendliche von Anfang an medienpädagogisch zu begleiten und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und Computerspielen zu vermitteln.



Für Anregungen und Diskussionen zum Thema Bundestagswahl 2009 schaut bitte zu uns ins Forum. Morgen geht es mit den Antworten der CDU weiter!



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#1 -[ROCK]-Conan, geschrieben am 24.09.2009 10:28:47
Bisher waren die Antworten ja recht verträglich, wie wohl auch zu erwarten ware, die Positionen decken sich ja mit dem jeweils parteilich vertretenem Standpunkt.

Jetzt fehlt mir noch die CDU/CSU, am liebsten hätte ich die Antworten direkt von Herrn Beckstein :D

Schön auf jeden Fall, dass die Fragen auch ernsthaft beantwortet wurden und nicht einfach oberflächlich abgewickelt, das lässt doch noch ein wenig hoffen.

Gruß Conan.
#2 griSu, geschrieben am 24.09.2009 11:49:17
Stellt sich natürlich nur die Frage wie viel Effekthascherei der Oppositionsparteien jetzt enthalten ist und wie viel als Koalitionspartner am Ende davon übrig bleiben würde.
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